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Brexit-Debatte: "Ausländer machen uns weniger engstirnig"

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Brexit-Debatte: "Ausländer machen uns weniger engstirnig"

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Pawel Blachut ist Pole. Die höheren Löhne lockten ihn nach Großbritannien. Er kam 2004 nach dem Beitritt Polens zur Europäischen Union. Seinen ersten Laden eröffnete er 2007. Jetzt betreibt er vier Geschäfte mit osteuropäischen Lebensmitteln in Oxfordshire im Zentrum von England:

“Niemand hat mich gezwungen, hier zu leben. Ich habe es mir ausgesucht. Ich lebe gern hier. Ich bin gern ein Teil der britischen Gesellschaft und bin glücklich in Großbritannien zu sein. Ich zahle eine ganze Menge Steuern, aber so ist das Leben. Auf der Straße bin ich höflich, ich habe Kontakt mit Briten. Ich glaube, ich bringe mich sehr ein in Großbritannien.”

Marta führt einen von Pawels Läden. Auch sie ist Polin. Sie kam vor vier Jahren nach Großbritannien. Obwohl sie selbst Migrantin ist, ist sie für die Beschränkung der Einwanderung:

“Meiner Meinung nach sollte das ein bisschen besser kontrolliert werden. Denn man weiß nicht, wen man reinlässt. Wir arbeiten und zahlen Steuern. Aber es kommen zum Beispiel alleinerziehende Mütter, die hier von den Vorteilen profitieren und wir zahlen dafür.”

EU-Bürger in Großbritannien profitieren von der Freizügigkeit – eines der Grundrechte der Europäischen Union.

“Nach offiziellen Angaben erreichte die Nettozuwanderung – das ist die Anzahl der ankommenden Menschen minus der Anzahl der Menschen, die das Land verlassen – vergangenes Jahr eine drittel Million von Menschen. Die zweithöchste je verzeichnete Anzahl. Und mehr als die Hälfte kommt aus der EU”, so euronews-Reporter Damon Embling.

Laut Brexit-Befürwortern ist diese Zahl zu hoch. Außerdem könne man als Nicht-EU-Mitglied die Grenzen besser kontrollieren. Laut Brexit-Gegnern kurbeln Zuwanderer die britische Wirtschaft an.

Wirtschaftskrisen in anderen EU-Ländern befördern den Migrantenzustrom nach Großbritannien. Laut Experten ist unklar, wie sich ein Brexit auf die Migrationszahlen auswirken würde.

“Es wäre zum Beispiel möglich, dass Großbritannien aus der EU ausscheidet, aber dann dem Europäischen Wirtschaftsraum beitritt. Dann gäbe es relativ wenig Veränderungen in der Politik und die Zuwanderung ginge weiter wie bisher. Andererseits könnte es auch ein neues Einwanderungssystem für EU-Bürger geben, das es ihnen schwerer macht ins Land zu kommen. Besonders für Leute, die in Niedriglohnjobs arbeiten, denn traditionell konzentriert sich das britische Einwanderungssystem, wie bei vielen anderen Ländern, auf die Auswahl von Menschen mit Qualifikationen”, so Madeleine Sumption, Direktorin des “Migration Observatory” an der Universität von Oxford.

In der Universitätsstadt Oxford ist das Thema Einwanderung ein strittiges Thema. Traditionell gibt es hier viele Ausländer, denn Studieren an der englischen Elite-Universität ist für viele ein Traum.

“Es scheint mehr Ausländer als Einheimische zu geben. Und viele von ihnen sind arbeitslos und viele von ihnen betteln auf der Straße”, so eine Passantin.

Ein Mann sagt: “Es ist bestimmt ein Problem. Aber ich glaube nicht, dass man es löst, wenn man für den Austritt stimmt. Ich stimme fürs Bleiben.”

“Ich unterstütze die Zuwanderung. Es gibt viele Briten, die gern ins Ausland gehen. Meiner Meinung nach sollten wir Ausländer in unserem Land begrüßen, denn es macht uns reicher und weniger engstirnig”, meint diese Frau.

Pawel und Marta sind keine britischen Staatsbürger. Sie können bei dem Referendum nicht abstimmen. Das Abstimmungsergebnis könnte einen großen Einfluss auf ihr Leben und das anderer Zuwanderer haben, die in Großbritannien eine neue Heimat gefunden haben. Sollte es zum Brexit kommen, wollen beide die britische Staatsbürgerschaft beantragen.

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