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Dopingskandal: IAAF sperrt russische Athleten von Olympia aus

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Dopingskandal: IAAF sperrt russische Athleten von Olympia aus

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Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat die seit November geltende Dopingsperre russischer Athleten bestätigt. Das bedeutet, dass Russlands Läufer, Springer und Werfer nun nicht an den Olympischen Spielen in Rio teilnehmen dürfen. Ausnahmen kann es für nachweislich saubere Sportler geben, die dann aber unter neutraler Flagge antreten.

Der Präsident des Weltverbands, Sebastian Coe, sagte: “Auch wenn deutliche Fortschritte gemacht wurden, so war das IAAF doch einig, dass der russische Leichtathletikverband die Voraussetzungen nicht erfüllt und dass russische Athleten daher nicht glaubhaft wieder an internationalen Turnieren teilnehmen können, ohne das Vertrauen ihrer Gegner und der Öffentlichkeit zu untergraben.”

Die russische Regierung, die selbst im Verdacht steht, an der verbreiteten Dopingpraxis beteiligt zu sein, kündigte an, auf das Urteil reagieren zu wollen. Kritik kam von der russischen Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa. Die Sperre sei ein Verstoß gegen die Menschenrechte, sagte sie.

“Es ist eine Schande, dass saubere Athleten und ich für Vergehen bestraft werden, die wir nicht begangen haben. Ich erinnere daran, dass Leichtathletik ein Individualsport ist, deshalb sollte die Verantwortung auch bei einzelnen Sportlern gesucht werden. Ich kann nicht im Namen meiner russischen Kollegen sprechen, da wir alle über unseren Weg selbst bestimmen. Wir alle überlegen selbst, wie wir bei Olympia Gold holen.”

Ähnlich äußerte sich Russlands Sportministerium. Die Träume vieler Sportler seien wegen des falschen Verhaltens Einzelner zerstört worden, hieß es. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin hatte kurz vor der IAAF-Entscheidung gefordert, nicht das gesamte Team für die Vergehen einzelner Sportler zu bestrafen. Zugleich bestritt er, dass die russische Regierung am Doping beteiligt sei.

Wichtige Aspekte der Affäre

DER FALL: Am 3. Dezember 2014 strahlt die ARD die Dokumentation “Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht” aus. Die Erfolge russischer Leichtathleten seien das Ergebnis von Sportbetrug – zum Teil unter Mithilfe des Staates. Dafür gibt es zahlreiche Beweise und Belege – sowie zwei namhafte Kronzeugen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA legt am 9. November 2015 einen 323-seitigen Bericht vor, der ein Schreckensbild der Doping-Praktiken in der russischen Leichtathletik zeichnet. Am 13. November 2015 suspendiert die IAAF den Gesamtrussischen Leichtathletik-Verband WFLA.

DIE VORWÜRFE: Staatliches systematisches Doping, Vertuschung von Kontrollen und Korruption. Trainer und Funktionäre sollen den Betrug befördert und gedeckt haben. Im Moskauer Doping-Kontrolllabor soll ebenfalls gemauschelt worden sein. Selbst Sportminister Witali Mutko sei in viele Vorgänge eingeweiht gewesen. Zwei Tage vor der Entscheidung erhebt die WADA erneut schwere Vorwürfe: Zwischen dem 15. Februar und 29. Mai konnten in Russland 736 geplante Dopingkontrollen nicht durchgeführt werden. So sollen Kontrolleure von Athleten massiv behindert und von Beamten des russischen Geheimdienstes FSB eingeschüchtert worden sein.

DAS LABOR: Am 10. November entzieht die WADA dem Moskauer Doping-Kontrolllabor in Moskau die Akkreditierung. Dessen ehemaliger Chef, Grigori Rodschenkow, bezeichnet sich als Vater des staatlichen, systematischen Dopingprogramms. Er bietet sich dem IOC als Kronzeuge an. Bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi seien 15 russische Medaillengewinner gedopt gewesen. Mit Hilfe gefälschter Urinproben sei Doping verschleiert worden, sagte Rodschenkow.

DIE KRONZEUGEN: Zwei “Whistleblower” spielen bei den Enthüllungen eine entscheidende Rolle. Ohne das Insider-Wissen von Witali Stepanow und seiner Ehefrau, der Läuferin Julia Stepanowa, wäre die Aufdeckung nicht möglich gewesen. In der ARD-Doku berichten beide über Einzelheiten des Dopingsystems. Die Stepanows leben seither an einem unbekannten Ort in den USA. In Russland gelten sie als Verräter.

(Quelle: dpa)

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