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Portugals "Endspiel" gegen Überraschung Ungarn

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Portugals "Endspiel" gegen Überraschung Ungarn

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Paula Vilaplana:
Hallo und willkommen! Portugal hofft auf den Einzug ins Achtelfinale und steht vor einem entscheidenden Spiel. Die Portugiesen treffen auf Ungarn – eine der Überraschungen der bisherigen EM.
Wie sich beide Mannschaften auf diese Partie vorbereiten erfahren wir jetzt von unserer ungarischen Kollegin Doloresz Katanich und von Francisco Marques, der über die portugiesische Elf berichtet.

Wir beginnen mit der Mannschaft, die überraschenderweise Gruppe F anführt: 44 Jahre ist letzte EM-Teilnahme her und jetzt spielt man um den Einzug in die KO-Runde. Haben Sie das erwartet?

Doloresz Katanich:
Die meisten haben das nicht erwartet, aber auf das Beste gehofft. Ehrlicherweise muss ich ergänzen, dass Ungarn eine relativ einfache Gruppe erwischt hat. Und man sollte auch die Gegenseite betrachten: Die Mannschaften, die bisher auf Ungarn getroffen sind, hatten erwartet, dass es ein Spaziergang wird, jetzt sehen sie, dass man gegen Portugal um den ersten Gruppenplatz spielt, obwohl Ronaldos Marktwert höher ist als der des gesamten ungarischen Teams. Die Mannschaft hat nicht nur uns Ungarn, sondern auch Menschen in einigen anderen Ländern überrascht.

Paula Vilaplana:
Wie erlebt Ungarn diese außergewöhnliche Situation und was ist der Grund für den Erfolg?

Doloresz Katanich:
Es ist schwierig, diese Situation zu beschreiben. 20.000 ungarische Schlachtenbummler sind derzeit in Franrkreich, in Ungarn fiebern Zehntausende vor Großbildschirmen mit. Als ich mit Freunden sprach, hatte ich das Gefühl, dass manche den ungarischen Fußball insgesamt schon abgeschrieben haben – und jetzt spricht sogar meine Mutter darüber. Der Erfolg hat zwei Namen: Pal Dardai und Bernd Storck. Dardai hat als Cheftrainer eine neue Ära eingeläutet, Bernd Storck führt diese Arbeit jetzt weiter. Er hat der Mannschaft ein passendes System verpasst, sie spielt jetzt mit einer durchdachten Strategie, die sehr gut umgesetzt wird. Und die konditionelle Vorbereitung ist sein Steckenpferd, sodass die Mannschaft jetzt in bester körperlicher Verfassung antritt. Und die Unterstützung der Fans hat das Selbstvertrauen der Elf noch mal gesteigert.

Paula Vilaplana:
Portugal befindet sich in einer gegensätzlichen Situation: Zwei Spiele, zwei Unentschieden, nur der dritte Platz. Was geht da vor sich?

Francisco Marques:
Die Situation ist besorgniserregend: so ist das im Fußball. Portugal erarbeitet sich genügend Torchancen, trifft aber nicht. Portugal hat im Turnier noch nicht verloren und hat jetzt ein vorgezogenes Endspiel. Wie vor 32 Jahren, 1984, als Portugal erstmals bei der EM dabei war. Das war damals auch hier in Frankreich. Portugal startete mit zwei Unentschieden gegen die BRD und Spanien, danach gewann man gegen Rumänien – einen Nachbarn Ungarns – und erreichte das Halbfinale, wo man Gastgeber Frankreich unterlag. Alles kann jetzt passieren. Portugal muss endlich die herausgespielten Chancen verwerten und gewinnen.

Paula Vilaplana:
Ich muss Sie nach Cristiano Ronaldo fragen: Bislang zeigt er nicht seine besten Leistungen…

Francisco Marques:
Ronaldo spielt in der Tat nicht gut – wie bei der Weltmeisterschaft. Doch er ist der beste Spieler der Welt und man kann von ihm alles erwarten. Zum Glück für Portugal besteht die Mannschaft nicht nur aus Ronaldo.
Zuletzt gegen Österreich wurde William Carvalho eingesetzt, einer der besten defensiven Mittelfeldspieler der Welt, der viele Bälle erobert und ein gutes Umschaltspiel hat. André Gomes und Joao Moutinho zeigen nicht ihre besten Leistungen, der Trainer sollte also etwas ändern. Vielleicht sollte er auf Joao Mario als Nummer zehn setzen. Und dann hat Portugal mit Renato Sanches, dem neuen Spieler von Bayern München, noch einen Überraschungsmann in der Hinterhand. Er kann zu einer Überraschung dieses Turniers werden. Noch haben die Portugiesen Zeit.

Paula Vilaplana:
Zum Abschluss: Auf welches Ergebnis tippen Sie?

Doloresz Katanich:
1:0 – für Ungarn natürlich.

Francisco Marques:
Es wird ein 5:3 und das beste Spiel des Turniers. Viel Glück, Ungarn!

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