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Terroropfer Türkei-Tourismus

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Terroropfer Türkei-Tourismus

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Mit ihrem Anschlag auf den größten Istanbuler Flughafen haben drei Selbstmordattentäter mindestens 41 Menschen getötet und fast 150 verletzt – und die letzten Hoffnungen eines ganzen Wirtschaftszweiges zerschossen. Die krisengeschüttelte Tourismus-Industrie rutscht weiter ab. Die allerletzte Hoffnung: Russland und die Türkei arbeiten an der Normalisierung ihrer Beziehungen.

Russen stellen traditionell die zweitgrößte Gruppe der ausländischen Besucher nach den Deutschen. Am Dienstag hatte sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei den Hinterbliebenen eines getöteten Piloten entschuldigt. Damit machte er den Weg frei für eine Verbesserung der Beziehungen.

Der russische Pilot war Ende November im syrischen Grenzgebiet ums Leben gekommen. Seither herrschte Eiszeit zwischen Russland und der Türkei.

Wendy Deaton, Touristin aus den Vereinigten Staaten:

“Für mich ist das absolut schrecklich, was da in der Türkei geschieht. Jeder, der uns hier über den Weg gelaufen ist, war so nett und freundlich. Ich meine, das ist für die Wirtschaft verheerend und für den Tourismus hier.”

Timon Ng, Tourist aus Hongkong:

“Wir waren wirklich schockiert, als wir von dem Angriff zu erfuhren. Aber wir lassen uns die Zeit in Istanbul nicht verderben, ich laufe zu Fuß durch die Stadt, gibt es eine Menge Polizei und Sicherheitsleute und so ganz allgemein fühlen wir uns sehr sicher.”

Schon vor Beginn der Urlaubssaison waren die Besucherzahlen in der Türkei um rund ein Drittel eingebrochen. Im Mai seien 34,7 Prozent weniger Ausländer als im Vorjahresmonat eingereist, so
das Tourismusministerium.

Insgesamt kamen demnach knapp 2,5 Millionen Gäste.

Fast ein Drittel weniger Deutsche (minus 31,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat) – nach wie vor die größte Ausländer-Gruppe – das hatten Experten nach den Einbußen zuvor erwartet.

Besonders dramatisch fiel die Zahl der Russen in der Türkei – 91,8 Prozent.

Im November hatte Russland Reise-Sanktionen gegen die Türkei wegen des Abschusses eines russischen Su-24-Kampfjet in der Nähe des syrisch-türkischen Grenze verkündet.

Die Welttourismusorganisation (UNWTO) hat die
Reisebranche aufgefordert, die Türkei nach dem Terroranschlag auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul nicht im Stich zu lassen. «Es ist jetzt an der Zeit, die Türkei zu unterstützen», betonte der UNWTO-Generalsekretär Taleb Rifai. «Die Türkei ist eines der bedeutendsten Reiseziele in der Welt, und wir sind zuversichtlich, dass das Land dies auch bleiben wird», erklärte er. Die Sicherheit sei ein vorrangiger Faktor für den Sektor des Tourismus. Die Branche sei zu einer Zielscheibe von Terroristen geworden, weil sie in vielen Ländern eine Säule der Wirtschaft bilde. «In Zeiten wie diesen müssen wir zusammenhalten und dürfen nicht Reiseziele isolieren, die von Anschlägen betroffen sind», sagte der
UNWTO-Chef.

su mit dpa, Reuters

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