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Britischer Notenbankchef Carney kündigt mehr lockeres Geld an

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Britischer Notenbankchef Carney kündigt mehr lockeres Geld an

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Angesichts der wirtschaftlichen Folgen nach
dem “Brexit”-Votum hat der britische Notenbankenchef Mark Carney eine weitere geldpolitische Lockerung in den kommenden Monaten signalisiert. Es sei mit einer
längeren Phase der Unsicherheit zu rechnen, die eine dauerhafte Belastung darstellen dürfte, so Carney.

Mark Carney, Gouverneur der Bank of England:

“Die wirtschaftlichen Aussichten haben sich verschlechtert und so wird wohl eine Lockerung der Geldpolitik im Sommer erforderlich. Der Geldpolitik-Ausschuss wird am 14. Juli eine erste Einschätzung abgeben, und eine vollständige Diagnose der Wirtschaft mit einer neuen Prognose folgt im Inflationsbericht im August. Im August werden wir auch “die Palette von Instrumenten für den monetären Konjunkturschub diskutieren, wenn nötig.”

Die Bank of England (BoE) werde nicht zögern zu handeln, sofern dies zur Stützung der Wirtschaft oder des Finanzsystems nötig sei. Man habe nicht nur die Möglichkeit, den Leitzins zu senken, sagte Carney. Auch andere Maßnahmen würden in Erwägung gezogen.

Die Notenbank werde zudem bis Ende September den Banken wöchentlich Liquiditätshilfe anbieten. Vor und nach dem “Brexit”-Votum hatte die Bank of England bereits mehrfach entsprechende Hilfskredite angeboten.

Großbritannien brauche jetzt Klarheit. Zudem sei eine umfassende Strategie für die künftige Zusammenarbeit
des Landes mit der EU und dem Rest der Welt nötig. Besonders wichtige Themen dabei seien Handel, Migration, Kapitalverkehr und Regulierungen.

Zu Markteingriffen zur Stabilisierung des britischen Pfundes sieht Carney derzeit keinen Anlass. Der Devisenmarkt habe nach dem “Brexit”-Votum weiterhin funktioniert. Eine Anpassung beim Pfund sei zu erwarten gewesen. Das Pfund war nach dem Votum auf den schwächsten Wert seit 1985 gefallen und fiel nach Carneys Äußerungen auf ein Tagestief, rutschte aber nicht unter den tiefsten Wert seit 1985 vom Montag.

GRENZEN DER GELDPOLITIK

Carney warnte, mehr als nun angekündigt könne er nicht tun, um die Wirtschaft zu schützen. Er verwies auf die Grenzen der Geldpolitik.

Carney reagierte auch auf jüngste Kritik, er habe sich vor dem Brexit-Referendum mit Äußerungen über negative Folgen eines Brexit für die britische Wirtschaft zu sehr in die politische Sphäre eingemischt. Es sei «richtig gewesen, die Risiken zu identifizieren», sagte Carney. Im geldpolitischen Ausschuss der Notenbank seien sich
darüber alle einig gewesen. Er habe damit lediglich «seinen Job» gemacht.

Carney reagierte indirekt auch auf Gerüchte, er könnte unter anderem wegen politischen Gegenwinds aus dem Lager der Brexit-Befürworter seinen Posten räumen. «Es wäre unverantwortlich, jetzt von seinen Aufgaben wegzulaufen», meinte er.

Eine Woche nach dem Brexit-Schock kehrte wieder etwas Ruhe an den europäischen Börsen ein.

Der Dax gewann 0,71 Prozent. Der EuroStoxx50 legte um 1,15 Prozent zu, der Londoner Auswahlindex FTSE 2,27 Prozent.

su mit Reuters, dpa

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