Eilmeldung

Sie lesen gerade:

WHO-Krebsforschungsagentur bleibt dabei: Glyphosat ist wahrscheinlich krebserregend

insiders

WHO-Krebsforschungsagentur bleibt dabei: Glyphosat ist wahrscheinlich krebserregend

Mit Unterstützung von

Der Streit über die Gefährlichkeit von Glyphosat, einem Hauptbestandteil der meisten Pestizide, tobt unter Wissenschaftlern, Politikern und Umweltschützern. Die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO, die IARC in Lyon, hat den Stoff als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Und steht damit im Widerspruch zu einer Expertengruppe des Welternährungsprogramms und der WHO, die Glyphosat als unbedenklich bewerteten.

Die WHO versuchte deshalb sogar mit einer weiteren Expertengruppe, diesen Widersprüchen auf den Grund zu gehen. Kurt Straif, Mediziner und hochrangiger Epidemiologe bei der IARC, bekräftigt aber weiterhin die Einschätzung seiner WHO-Agentur: Glyphosat kann Krebs auslösen. Und inzwischen gibt es Berichte, dass Wissenschaftler des Panels des Welternährungsprogramms geschmiert wurden von der Industrie.

Kurt Straif:
“Unsere Bewertung ist eine Zusammenfassung aller veröffentlichen wissenschaftlichen Literatur zu Glyphosat, und sie wurde von Experten durchgeführt, die die Weltbesten in diesem Thema sind. Und die zudem in keinem Interessenkonflikt stehen, der ihre Bewertung beeinflussen könnte. Sie kamen zu dem Schluss, dass Glyphosat wahrscheinlich für den Menschen krebserregend ist, basierend auf drei Beweissträngen: Eindeutige Beweise für Krebs bei Tierversuchen; begrenzte Nachweise für Krebs bei Menschen nach realer Exposition, zum Beispiel bei Landwirten; und drittens auch klare Beweise durch jede Art toxikologischer Studien, dass Glyphosat die Gene schädigen kann.”

euronews:
“Warum wird Glyphosat nicht verboten angesichts dieser vernichtenden Befunde?”

Kurt Straif:
“Dies ist eine wirklich unabhängige Auswertung der veröffentlichten Literatur, die zu einer Klassifizierung all dessen führt, was wir über die Substanz wissen, insbesondere über ihre krebserregende Wirkung. Aber nun liegt es bei anderen Organisationen – international die WHO, oder andere nationale Agenturen – diese Erkenntnisse in eine Risikobewertung umzusetzen und für die unterschiedlichen Expositions-Szenarien Entscheidungen zu treffen, ob für Landwirte, in der Ernährung, in Kosmetik, wo immer diese Substanz zu finden ist – und Schlussfolgerungen zu ziehen.

euronews:
“Im Mai bescheinigte ein “Panel von Ernährungs- und Landwirtschaftsexperten des Welternährungsprogramms FAO und der WHO Glyphosat gesundheitliche Unbedenklichkeit. Warum jetzt dieser Sinneswandel?”

Kurt Straif:
“Unsere Klassifikation des Risikos von Glyphosat bleibt bestehen. Wir sind die Autorität, um weltweit für die WHO krebserregende Substanzen zu klassifizieren. Und dann hat das Expertenpanel des Welternährungsprogramms die Frage untersucht, unter einem sehr engen Blickwinkel, nämlich der Exposition durch die tägliche Nahrung, und kam zu seinen Schlussfolgerungen.”

euronews:
“Als Verbraucher, als Landwirt, als gelegentlicher Biertrinker, als jemand, der gerne im Park sitzt, welcher aber mit Glyphosat besprengt wird: Was und wem soll ich glauben?”

Kurt Straif:
“Ich denke, wichtig ist zu verstehen, dass unsere Bewertung weiterhin bestehen bleibt: Dass Glyphosat Krebs beim Menschen auslösen kann. Dann muss man sich die anderen Bewertungen für spezifische Szenarien ansehen. Und es liegt nicht in meiner Befugnis, diese anderen Bewertungen zu kommentieren.”

euronews:
“Es gab glaubwürdige Berichte nach diesem gemeinsamen Expertenpanel der FAO und der WHO vom Mai, dass einige der Wissenschaftler mit Geld geschmiert wurden von Monsanto, dem Hauptproduzenten von Glyphosat. Sind Sie als Wissenschaftler durch diese Art von Berichten beunruhigt?”

Kurt Straif:
“Ja, es ist ein wichtiges Thema, dass eine bedeutende Überprüfung verlangt.”

Nächster Artikel