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'We love EU' - Briten gegen den Brexit

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'We love EU' - Briten gegen den Brexit

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Zehntausende Demonstranten haben in London gegen den Brexit protestiert. Die Veranstalter fordern unter anderem, das britische Parlament solle das Votum des EU-Referendums aus der vergangenen Woche aufheben. Die Zukunft Großbritanniens liege in der Europäischen Union.

Es waren zumeist junge Menschen, die durch die Stadt zogen. Sie hatten sich mehrheitlich und nicht nur im größtenteils EU-freundlichen London gegen den Brexit ausgesprochen. Unter den Demonstranten war auch der Franzose Kym Nagyos: “Dieses ganze ekelhafte Verhalten, der Rassismus, die Fremdenfeindlichkeit, die sich im Land ausbreitet, das ist einfach unakzeptabel.”

“Ich möchte dem Land zeigen, dass wir die EU nicht aufgeben werden”, so die Krankenschwester Abigail Hone. “Wir brauchen die EU, das Gesundheitssystem braucht die EU. Wenn es die Arbeitnehmerfreizügigkeit nicht gäbe, hätten wir kein Personal in Südlondon, wo ich arbeite.”

“Die britischen Universitäten bekommen zehn Prozent ihrer Gelder von der EU, und ich glaube nicht, dass diese Summe von unserer Regierung auf Sparkurs ersetzt wird”, so die Doktorandin Lydia Prieg. “Das hat schlimme Konsequenzen für die britische Wissenschaft, Technik und Forschung.”

“Wenn wir wirklich die Heimat der parlamentarischen Demokratie sein sollen, dann muss es eine Neuwahl geben”, so der Lehrer Charlie Gardiner. “Sie können das nicht einfach so durchdrücken und sagen, ‘das Volk hat gesprochen’. Das Volk wurde angelogen.”

Unter den Demonstranten war auch der für sein soziales Engagement bekannte Musiker Bob Geldof. Er sagte: “Geht nicht ins Netz, um euch vor euren Freunden zu empören und denkt dann, ihr hättet etwas erreicht. Ihr habt gar nichts erreicht. Ihr habt nur eure Wut in die Atmosphäre geblasen. Geht raus auf die Straße, in die Schulen. Werdet aktiv, richtig aktiv. Trefft die Menschen, die für den Austritt gestimmt haben, versteht, warum sie das gemacht haben und versucht sie davon zu überzeugen, dass das vielleicht die falsche Entscheidung war.”

Inzwischen haben rund vier Millionen Briten eine Online-Petition für ein zweites Referendum unterschrieben. Das zuständige Komitee im Unterhaus zweifelt allerdings an der Gültigkeit aller Unterschriften. Politiker in London betonen, es gäbe kein Zurück. Die Wahl von 17 Millionen Briten (rund 52 Prozent) für einen Austritt aus der EU müsse umgesetzt werden.

Nach dem Brexit fiel das britische Pfund auf den tiefsten Stand seit mehr als 30 Jahren. Der kommende EU-Austritt schadet auch der Kreditwürdigkeit des Landes. Die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch erkannten der fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt nach einem halben Jahrhundert den AAA-Beststatus ab und senkten Großbritanniens Kreditwürdigkeit um zwei Stufen auf AA.

Unternehmen wie Easyjet bereiten sich auf die Brexit-Folgen vor. Der Billigflieger bemüht sich um eine Lizenz in einem anderen EU-Mitgliedstaat, um dort seinen neuen Hauptsitz einzurichten, sollte man den Zugang zum europäischen Luftverkehrsmarkt verlieren.

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