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Crans Montana Forum: Stelldichein der Reichen und Mächtigen

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Crans Montana Forum: Stelldichein der Reichen und Mächtigen

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Wie verändert die Flüchtlingskrise unsere Welt? Eine der Fragen, über die jüngst in Wien Politiker, Wirtschaftsbosse und Vertreter internationaler Organisationen beim Crans Montana Forum diskutierten. Bei diesem Forum wird ähnlich wie beim Weltwirtschaftsforum in Davos über Gott und die Welt beraten, diesmal speziell über die Rolle Mittel- und Osteuropas und über die Flüchtlingskrise.

Gregorius III., der Patriarch der melkitischen griechisch-katholischen Kirche in Syrien, einer der katholischen Ostkirchen, erneuerte seine Kritik an der Bereitschaft, syrische Flüchtlinge aufzunehmen – vor allem an Deutschland: “Das ist ein zweischneidiges Schwert. Wir sind nicht glücklich darüber, dass man die Syrer willkommen heißt, denn wir wollen sie lieber im Lande behalten. Besonders, wenn man die Probleme sieht, die sie haben. Ich glaube, dass vor allem Deutschland und auch Schweden die Leute zu sehr eingeladen haben. Man hätte am Anfang mit mehr Bedacht handeln müssen. Meine eigenen Angehörigen, die in Sicherheit unter guten Bedingungen lebten, und meinem persönlichen Schutz, haben die Gelegenheit genutzt, um wegzugehen.” Mit ähnlichen Äußerungen hatte er sich schon zuvor als Assad-Anhänger zu erkennen gegeben.

Syrien-Krieg mit für Brexit verantwortlich?

Wer für Frieden in Syrien sorgen sollte, darüber war man sich auch beim Forum nicht einig. Die Folgen des Konflikts sind weitreichend. Tony Smith von der auf Grenzkontrollfragen spezialisierten Non-Profit-Organisation Borderpol beim Forum sogar das Brexit-Votum damit in Verbindung: “Die Briten haben für den Ausstieg gestimmt, weil sie nicht den Eindruck haben, dass die EU die Kontrolle ihrer Grenzen im Griff hat. Und wenn ihnen immer wieder Bilder über ihre Bildschirme flimmern, von Außengrenzen, an denen die Leute nicht ordentlich kontrolliert werden, wenn sie Terroranschläge an Orten wie Paris oder Brüssel mit ansehen müssen, die von Leuten verübt werden, die illegal auf diesen Routen kamen oder über die Grenze reisten, ohne identifiziert zu werden, haben sie Angst.”

Angst sei auch ein Argument hinter der Weigerung mitteleuropäischer Länder wie Ungarn gewesen, Flüchtlinge aufzunehmen, erklärte der ungarische Ex-Ministerpräsident Peter Medgyessy. Und erlaubte sich eine Breitseite gegen den Sozialismus: “Es ist ein Schlüsselfaktor, dass diese Länder keine Mittelschicht haben. Und so haben Eigenschaften der Mittelschicht, wie Empathie und Hilfsbereitschaft, keine Wurzeln in der Gesellschaft. Denn die sozialistische Ära erlaubte solche Initiativen nicht.”

Seidenstraße neu beleben

Um den Fortschritt der ost- und mitteleuropäischen Länder ging es dann auch – um ihr Bestreben, aus der Peripherie herauszukommen und vom Wohlstand der EU zu profitieren. Und man sprach über die Seidenstraße, über das Projekt, die alte Handelsroute zwischen China und Europa zu erneuern, um den Anliegerstaaten mehr wirtschaftliche Impulse zu verschaffen.

Finanzierung für neue Infrastruktur, Abbau von Handelsschranken – ein aufwendiges Projekt, für das gute Verbindungen das A und O sind. Und wie kann man besser Netzwerke knüpfen als bei Cocktail und Häppchen? Das gibt auch Jean-Paul Carteron, der Gründer des Forums, ganz offen zu: “Die Themen, die wir bei unseren Konferenzen vorschlagen, haben als einziges Ziel, ein Aufhänger zu sein. Ein Aufhänger, um hochrangige Persönlichkeiten zu versammeln, die sich kennenlernen und austauschen wollen.”

Neben hochrangigen Gästen gab man auch Rettungshunden und der dazugehörigen Organisation die Ehre. Der Tagungsort Wien war diesmal unumstritten. Mit der Entscheidung, frühere Zusammenkünfte vom Gründungsland Schweiz in die besetzte West-Sahara zu verlegen, hatte sich das Forum zuletzt wenig Freunde gemacht.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden.euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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