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Abbas Kiarostami - Ein ganz besonderer Blick

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Abbas Kiarostami - Ein ganz besonderer Blick

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Mit Abbas Kiarostami geht einer der ganz großen Namen des Weltkinos. Der 1940 in Teheran geborene Regisseur gilt als Vorreiter der sogenannten neuen Filmwelle im Iran und einer der ersten, der auch das Ausland auf das iranische Kino aufmerksam machte. Er gewann mehrere internationale Preise, darunter die Goldene Palme bei den Filmfestspielen 1997 in Cannes für “Der Geschmack der Kirsche”, die Geschichte eines Selbstmords und zugleich ein glühendes Plädoyer für Leben und Freiheit. Zwei Jahre später erhielt er auch den ersten Preis in Venedig für “Der Wind wird uns tragen”. 

In Cannes war er ein gern gesehener Gast, als Jury-Mitglied oder im Wettbewerb. 2010 präsentierte er seinem Film “Copie Conforme” (“Die Liebesfälscher”) mit Juliette Binoche und William Shimell, für den Binoche den Preis als beste Schauspielerin erhielt.Produziert im Ausland, wie viele seiner Filme, wegen der starken Einschränkungen im Iran.

In seiner mehr als 40 Jahre umspannenden Karriere schuf Kiarostami Dutzende Drehbücher und Filme. Sein letzter in Cannes vorgestellter Film war das in Japan spielende Sehnsuchtsdrama “Like Someone in Love” eine komplizierte Dreiecksgeschichte über ein Call-Girl, einen Automechaniker und einen Professor in Tokio.

Der von illustren Kollegen wie Akira Kurosawa, Martin Scorsese und Jean-Luc Godard verehrte Regisseur, der auch als Lyriker arbeitete, galt als scharfer Beobachter, aber auch Schöpfer unvergesslicher Momente visueller Poesie. Von der internationalen Filmwelt geschätzt, war Kiarostami erst vor Kurzem als Neumitglied in die Oscar-Akademie eingeladen worden.

Kiarostami litt seit Ende März an Magen-Darm-Krebs und war in einem Krankenhaus in Teheran bereits zweimal operiert worden. Im Mai wurde er entlassen, um die Behandlungen in Frankreich fortzusetzen.
Er starb am 4. Juli im Alter von 76 Jahren in Paris. Nach Angaben der Nachrichtenagentur ISNA soll er in Teheran beigesetzt werden.

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