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Genetisch veränderte Mücken sollen gegen Zika kämpfen

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Genetisch veränderte Mücken sollen gegen Zika kämpfen

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Im Kampf gegen den Zika-Virus und ähnliche Krankheitserreger haben Forscher aus Brasilien jüngst eine neue Waffe vorgeschlagen: Genetisch veränderte Mücken.

In diesem Labor wird an dieser Waffe gearbeitet. Die Mücken hier wurden mit Wolbachia-Bakterien infiziert. Dadurch können sie keine Viren mehr übertragen.

Das Bakterium hindert Viren daran, in den Ägyptischen Tigermücken, die Zika verbreiten, zu wachsen und sich zu replizieren.

Luciano Moreira von der Oswaldo Cruz Foundation (FIOCRUZ): “Wir könnten mit Wolbachia infizierte Mücken aussetzen, damit sie die Mückenpopulation in einer bestimmten Gegend oder auch einer Stadt ersetzen und so die Übertragung der Krankheit blockieren. Man hat herausgefunden, dass Wolbachia in Ägyptischen Tigermücken Dengue stoppen kann. Die Bakterien können auch das Chikungunyafieber und das Gelbfieber blockieren, und jetzt haben wir herausgefunden, dass es auch gut darin ist, den Zika-Virus zu stoppen.”

Wolbachia-Bakterien wurden zuerst von der Non-Profit-Organisation “Eliminate Dengue” eingesetzt, die an der Monash-University im australischen Melbourne ins Leben gerufen wurde, um das Dengue-Fieber zu bekämpfen.

Brasilianische Forscher haben die Insekten nun mit menschlichem Blut ernährt, das wiederum mit zwei in Brasilien vorkommenden Arten des Zika-Virus infiziert war.

Nach zwei Wochen, so sagen die Forscher, hätten die Mücken mit Wolbachia-Bakterien deutlich weniger Viren im Körper und Speichel gehabt als die anderen Mücken.

Scott O’Neill von der Monash University ist Leiter von “Eliminate Dengue”. Er sagt: “Manche Menschen irren sich und glauben, wir müssten die Eier jedes Mal infizieren, wenn wir sie in der Umwelt aussetzen, aber das ist nicht der Fall. Wir müssen es nur einmal tun, was schwer genug war, wir benötigten mehrere Jahre dazu. Aber wir haben es nun geschafft, nun ist es ausgesprochen kostengünstig, Larven zu züchten und sie auszusetzen.”

In Brasilien werden besonders viele Babys mit Mikrozephalie geboren, deren Mütter während der Schwangerschaft mit dem Zika-Virus infiziert waren.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagt, es gebe Hinweise, dass Zika mit einem seltenen Geburtsfehler zusammehängt und daneben auch vorübergehende Lähmungen verursachen kann.

Laut der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation, die zur WHO gehört, sind gut 500 Millionen Menschen von einer Zika-Erkrankung bedroht.

Dr. Anthony Fauci, Leiter des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID): “Wenn zahlreiche Babys mit Mikrozephalie oder anderen Geburtsfehlern geboren werden, ist das eine beträchtliche Belastung des Gesundheitswesens und der Wirtschaft. Die geschätzten lebenslangen Kosten für die Pflege eines Kindes mit solchen Geburtsfehlern reichen von einer Million bis zu mehreren Millionen Dollar.”

Ob Impfungen funktionieren oder nicht, hängt unter anderem von zwei Faktoren ab: Zunächst von der Wirksamkeit des Impfstoffs und zweitens davon, wie viele Menschen in einer Gemeinschaft betroffen sind.

Wissenschaftler aus den USA, Brasilien, Indien, Frankreich und Österreich arbeiten an 23 verschiedenen Impf-Projekten.

Bis das passende Medikament gefunden wird, können noch mehrere Jahre vergehen.

NIAID-Leiter Anthony Fauci:“Wenn es Anfang 2017 immer noch große Zika-Ausbrüche in Südamerika und der Karibik gibt, könnten wir innerhalb eines Jahres sehen, ob der Impfstoff wirkt. Wenn die Erkrankungen sich so deutlich reduzieren, wie es mit Ebola in Westafrika geschehen ist, wo wir eine Impfung ausprobiert haben, dann kann es drei Jahre dauern um zu beweisen, dass der Stoff wirkt, oder nicht.”

Die Olympischen Spiele in Rio bereiten den Gesundheitsexperten ebenfalls Sorgen. Immerhin kommen mehrere Millionen Menschen wegen der Veranstaltung nach Brasilien. Die Panamerikanische Gesundheitsorganisation hat aufgerufen, sich vor den Spielen impfen zu lassen.

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