Eilmeldung

Sie lesen gerade:

Geistesblitze in der Badewanne - Karl Lagerfeld im euronews-Interview

the global conversation

Geistesblitze in der Badewanne - Karl Lagerfeld im euronews-Interview

Werbung

ALL VIEWS

Tap to find out


Biografie: Karl Lagerfeld

  • Sein Geburtsjahr bleibt ein Geheimnis, wird aber um 1935 vermutet
  • Lagerfeld kam 1965 zu Fendi und 1983 zu Chanel
  • In seiner Jugend wollte er Illustrator werden
  • Er liebt seine Katze Choupette, die er als seine Muse präsentierte


Er ist eine Ikone und trägt den Spitznamen Kaiser, weil er mit seinen künstlerischen Schöpfungen die Welt der Haut Couture sozusagen regiert – sei es durch seine Arbeit für Fendi oder Chanel – zwei Marken die seine Handschrift tragen.

In Rom feiert Fendi 90-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass trifft euronews keinen Geringeren als Karl Lagerfeld.


Isabelle Kumar
Wir sind hier in Rom, um das 90-jährige Bestehen von Fendi zu feiern – ein Modehaus das vor allem für Luxus steht. Was ist Luxus für Sie?

Karl Lagerfeld
Fendi ist ein schönes Beispiel für das was Luxus sein sollte und sein kann. Es gibt ja viele Arten von Luxus. Luxus ist auch, Zeit für sich zu haben und ohne ständigen Druck von außen zu leben. Denn heute gibt es Leute, die nichts zu tun haben und Leute, die zu gestresst sind. Zeit ist also auch Luxus.

Allerdings ist Luxus auch eine Qualitätsfrage und eine Denkweise. Luxus bezieht sich nicht unbedingt auf teure Dinge. Sie müssen gut gemacht sein, der Preis muss gerechtfertigt sein, und die Qualität muss einwandfrei sein.

Isabelle Kumar
Luxus ist für Sie vielleicht auch zu arbeiten. Es scheint als seien Sie unermüdlich. Was ist das Geheimnis ihrer Energie?

Karl Lagerfeld
Da gibt es kein Geheimnis. Sie dürfen nicht vergessen, dass ich sowohl bei Fendi als auch bei Chanel außergewöhnliche Arbeitsbedingungen habe. Ich habe die besten Leute, die besten Voraussetzungen. Mir sitzen keine Marketingleute im Nacken. Ich kann machen was ich will, wo ich will. Das ist doch schon in der Inbegriff von Luxus. In anderen Modehäusern gibt es das Design, das Marketing…all das habe ich nicht. Wenn man mich mit so etwas nerven würde, wäre ich sofort weg

Isabelle Kumar
Zum 90sten wird es eine Modeschau geben…

Karl Lagerfeld
Nicht mein 90ster!

Isabelle Kumar
Nein! Natürlich nicht, es ist nicht Ihr Geburtstag, sondern der von Fendi. Gefeiert wird am Trevi-Brunnen mit einer Modenschau, die von Rom und von Märchen inspiriert ist.

Karl Lagerfeld
Nicht nur von Rom: Das Thema der Kollektion ist Mythen und Märchen.

Isabelle Kumar
Wie überträgt sich das auf die Mode Ihrer Kreation?

Karl Lagerfeld
Sehen Sie, wir sind hier sehr poetisch vorgegangen. Es ist alles wie in einem Märchen. Ich habe mich von jemandem inspirieren lassen, der in Vergessenheit geraten ist. Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts lebte ein Däne mit dem Namen Kay Nielsen. Er war ein wundervoller Illustrator. Sein Stil ist minimalistisch, ein bisschen seltsam, sehr nordisch – ganz anders als im Jugendstil oder bei Art déco. Ich habe ihn ganz per Zufall wiederentdeckt, man hatte ihn vergessen…von ihm habe ich mich also bei Farben und Mustern inspirieren lassen. Wir haben uns natürlich mit der Stiftung oder dem Verleger abgesprochen. Das Resultat ist sehr schön…eine Inspiration, die sich in italienischer Mode entfaltet.

Isabelle Kumar
Das Modehaus Fendi ist für sein Know-how bekannt, für seine Handarbeit. Wie setzen Sie neue technologische Entwicklungen ein?

Karl Lagerfeld
Das Eine schließt das Andere ja nicht aus, sonst wäre es ja nicht Mode. Wenn Sie an einer Methode festhalten, dann geht das schnell schief. Man muss die Augen offen halten. Man kann sich von allem Möglichen inspirieren lassen und gleichzeitig muss man am Puls der Zeit bleiben – in Bezug auf die neuesten Techniken, sonst bringt es einfach nichts.

Isabelle Kumar
Rom ist eine Stadt, die eine große Bedeutung für Sie hat…

Karl Lagerfeld
Es ist die Stadt, die ich nach Paris am besten kenne. Ich bin in meinem Leben sicher mehr als 800 Mal in Rom gewesen…ich habe auch Wohnungen in Rom gehabt. Es ist ein Ort, an dem ich mich – und ich mag den Ausdruck eigentlich nicht – ‘Zuhause’ fühle. Ich bin eigentlich nirgendwo und überall Zuhause. Aber Rom ist schon ein besonders vertrauter Ort.

Isabelle Kumar
Wie haben Sie mit dieser Stadt Bekanntschaft gemacht?

Karl Lagerfeld
Ich war als Kind mit meinen Eltern hier….in prähistorischer Zeit.

Isabelle Kumar
Gibt es eine besondere Erinnerung, die hängen geblieben ist?

Karl Lagerfeld
Ja, ich hatte eine Grippe.

Isabelle Kumar
Sie arbeiten nicht nur für Fendi, sondern auch für Chanel. Um Ihren Namen, Ihrer Handschrift gerecht zu werden, muss man sich dafür manchmal dreiteilen?

Karl Lagerfeld
Es gibt drei Ichs.

Isabelle Kumar
Es gibt drei Ichs?

Karl Lagerfeld
Ja, das hoffe ich doch. Wissen Sie, Fendi ist mein italienisches Ich, Chanel die französische Version von mir und der Rest bin einfach nur Ich.

Isabelle Kumar
Sie entwerfen Modeskizzen mit atemberaubender Geschwindigkeit und Genauigkeit…

Karl Lagerfeld
Am Anfang wollte ich Illustrator werden und das hat mir sehr geholfen. Heute können die Artdirector am Computer sehen, woran andere arbeiten. Ich mache alles selbst. Ich mache sehr genaue Zeichnungen, fast in drei Dimensionen. Die Leute, die mit mir arbeiten – die “Premières” wie wir sie nennen – müssen fast keine Fragen stellen. Wenn ich die ersten Proben vom Stoff oder vom Kleidungsstück sehe, sieht es genau aus wie in meiner Zeichnung. Und wenn es das nicht tut, ist es mein Fehler, aber nicht der meiner Mitarbeiter.

Isabelle Kumar
Das ist interessant. Ich hätte gedacht, dass nur ganz bestimmte Personen in der Lage sind, ihre Zeichnungen umzusetzen…

Karl Lagerfeld
Nein. Ich arbeite viel mit Anmerkungen und meine Zeichnungen sind in drei Dimensionen. Das nimmt viel Zeit in Anspruch, aber ich liebe es. Ich wollte früher Karikaturist oder Porträtmaler werden.

Isabelle Kumar
Unsere Zuschauer haben uns Fragen an Sie geschickt: Sie sind eine Ikone. Christos Senekous dreht den Spieß um und will wissen: “Wer ist ihre Ikone?”

Karl Lagerfeld
Das sind Ikonen, die die Menschen vielleicht nicht mehr kennen. Zum Beispiel Harry Kessler, der die Voraussetzungen des Bauhauses oder des Nietzsche-Archivs in Weimar geschaffen hat. Dann ist da Walther Rathenau das erste Opfer der Nazis in Deutschland. Aber ich sehe in Menschen eigentlich keine Ikonen. Meine wirklichen Ikonen kennt die Öffentlichkeit nicht.

Isabelle Kumar
Spielt die Muse für Sie eine besondere Rolle?

Karl Lagerfeld
Ja, meine Muse das ist Choupette!

Isabelle Kumar
Choupette, ihre Katze.

Karl Lagerfeld
Ja, ja, ja.

Isabelle Kumar
Wie beeinflusst sie Sie?

Karl Lagerfeld
Das kann man zum Glück nicht beschreiben. Einfach durch ihre Präsenz. Sie hat eine beruhigende Wirkung. Und das ist ja auch ein anerkanntes Heilmittel. Katzenbesitzer haben weniger Gesundheitsprobleme. Das soll eine unglaubliche Therapie sein. Ich habe einen langen wissenschaftlichen Artikel darüber gelesen.

Isabelle Kumar
Wohl wahr, dass Tiere uns beruhigen…

Karl Lagerfeld
Ich brauche das. Ich bin manchmal etwas hysterisch, aber das ist erst relativ neu. —- Sie ist jetzt fünf Jahre alt. Ich hätte nie gedacht, einmal so verliebt in eine Katze zu sein. Doch sie ist wirklich einzigartig und in der ganzen Welt berühmt.

Isabelle Kumar
Was macht sie denn so einzigartig?

Karl Lagerfeld
Ihre Präsenz und ihre Schönheit, es ist eine Freude sie anzusehen. Mit ihren großen Augen ist sie zum Totlachen, die sind wie sternenhelle Saphire. Und ihr Fell ist eins a – denn sie hat mehrere Zimmermädchen, sie ist nie alleine. Selbst hier im Hotel wird sie von ihrem Zimmermädchen betreut.

Isabelle Kumar
Sie reist mit Ihnen?

Karl Lagerfeld
Manchmal, nicht immer. In manchen Ländern ist es ein Problem, mit einem Tier zu reisen. Das sind Länder, die ich meide. Zum Beispiel gehe ich nicht nach England. Aber mit dem Brexit ist das ja sowieso bald kein Thema mehr.

Isabelle Kumar
Bleiben wir beim Brexit: Wir machen uns Sorgen um Europa. Manche sehen im Brexit den Anfang des Zerfalls von Europa. Was denken Sie darüber?

Karl Lagerfeld
Was mich schockt ist, dass die Leute, die den Austritt provoziert haben, sich zurückgezogen haben, sobald die Katastrophe Wirklichkeit wurde. Ein grausamer Mensch, dieser Ex-Bürgermeister von London…

Isabelle Kumar
…Boris Johnson.

Karl Lagerfeld
…und dann dieser andere überhebliche Populist..

Isabelle Kumar
…Nigel Farage….

Karl Lagerfeld
David Cameron ist für mich in gewisser Weise der Totengräber Europas. Die Briten hatten Vorteile, die andere nicht hatten. Die Menschen, die gewählt haben, bestimmen aber nicht unbedingt die Zukunft. Es besteht das Risiko, dass die britische Elite das Land verlässt. Das hat man dann von solchen Dummheiten.

Isabelle Kumar
Was halten Sie von der aktuellen Situation in Europa? Man beobachtet wachsenden Nationalismus. Beunruhigt Sie das?

Karl Lagerfeld
Ja, das beunruhigt mich. Aber ich denke nicht, dass es so weit kommt. Was in Österreich passiert, ist überhaupt nicht witzig, gleiches gilt für Polen. Und auch in Frankreich gibt es eine kleine Bewegung.

Isabelle Kumar
Welche Auswirkungen wird das auf die jungen Menschen haben, zum Beispiel in der Modewelt?

Karl Lagerfeld
Die Mode wird es immer geben. Es wird mehr H&M geben als Luxusmarken. Aber die Mode wird es immer geben.

Isabelle Kumar
Gibt es Ihrer Meinung nach soetwas wie eine europäische Eleganz?

Karl Lagerfeld
Ja, denn als Gegenstück gibt es die Eleganz des Nahen Ostens. Auch eine Burka kann sehr elegant sein, aber für uns ist das nichts.

Isabelle Kumar
Und was ist dann die europäische Eleganz, für Sie als Europäer?

Karl Lagerfeld
Das ist schwierig zu sagen. Sie ist ein kosmopolitisches Phänomen, aber nicht geografisch. Sie ist eine Einstellung, eine Leichtigkeit. Aber wir müssen aufpassen, damit sie nicht verschwindet. Der Populismus unterstützt diese Dinge nicht gerade…

Isabelle Kumar
Eine weitere Zuschauer-Frage an Sie: Ein deutscher Fan will wissen, welchen Rat Sie jungen Modeschöpfern geben, die in ihre Fußstapfen treten wollen?

Karl Lagerfeld
Da müssen sie rennen….

Isabelle Kumar
Glauben Sie, dass die Jungen die gleichen Chancen haben wie Sie?

Karl Lagerfeld
Nein, die Zeiten haben sich geändert. Ich habe Fähigkeiten, die werden einem in keiner Schule beigebracht. Seit ich Teil dieser Welt bin, schaue ich nicht zurück. Ich habe sicher viele Erfahrungen gemacht. Ich möchte die jungen Menschen nicht entmutigen, aber sie sollten sich besser ein anderes Vorbild suchen.

Isabelle Kumar
Welchen Ratschlag können Sie der jungen Generation geben?

Karl Lagerfeld
Ich kann keinen Ratschlag geben. Ich gebe individuell Ratschläge aber nicht generell. Es hängt vom Talent jedes Einzelnen ab, dem Bestreben und den Lebensumständen. Es hängt auch davon ab, wie man sich entfalten, damit man den passenden Weg für sich findet. So einfach ist das nicht. Ansonsten könnte es ja Jeder schaffen. Es gibt kein Erfolgsrezept.

Isabelle Kumar
Sie sagten, Sie schauen niemals zurück…

Karl Lagerfeld
… immer nach vorne, sechs Monate. Denn so ist das in der Mode: Sechs Monate. Avantgarde ist, was wir in 20 Jahren tragen werden. Erinnern Sie sich an die Avantgarde der 60er Jahre, niemand zieht sich heute noch so an. Damals war alles nur Schau.

#ChanelHauteCouture #ChanelAteliers #PFW

A video posted by CHANEL (@chanelofficial) on

Isabelle Kumar
Was antworten Sie Nam Kin, ein Zuschauer, der fragt: “Wie sieht die Modeindustrie in 50 Jahren aus?” Wie Stellen Sie sich die Zukunft vor?

Karl Lagerfeld
Ich habe keine Kristallkugel. Ich weiß es nicht.

Isabelle Kumar
Sie stehen fest mit beiden Beinen auf dem Boden und das in einer sehr exzentrischen Welt. Wie schaffen Sie das?

Karl Lagerfeld
Ich weiß es nicht. Ich bin pragmatisch, scharfsinnig und bilde mir nichts auf mich selbst ein.

Isabelle Kumar
Designer beklagen sich oft, dass sich die Modewelt so schnell dreht…

Karl Lagerfeld
Dann sollten sie keine Verträge mit großen Modehäusern unterschreiben, denn die funktionieren nun einmal nach einem bestimmten Rhythmus. Diese Menschen freuen sich über den Scheck, aber die Arbeit die dahinter steht, fällt Ihnen dann plötzlich schwer. Darüber werden sie sich erst später bewusst.

Manche geben übrigens mir die Schuld, weil ich Kollektionen eingeführt habe, die es vorher nicht gab. Bei Chanel kommt noch ein spezielles Kunsthandwerk sowie die sogenannte “Pré-Collection” und vieles weitere hinzu… Ich weiß, dass ich für einen etwas brutalen Rhythmus verantwortlich bin, aber ich habe das notwenige Personal dafür und die Kunden mit der entsprechenden Nachfrage. Wenn man so weit entwickelt ist und so viele Leute beschäftigt, muss man auch alles geben. Ich glaube nicht daran, dass die Inspiration einem einfach so zufällt. Auf Französisch sagt man: ‘Der Appetit kommt beim Essen’ – mit der Inspiration ist es genauso, sie kommt beim Arbeiten.

Isabelle Kumar
Und bei Ihnen auch im Schlaf, habe ich gehört…?

Karl Lagerfeld
Ich habe manchmal Geistesblitze, dann sehe ich alles auf einmal ganz klar. Das passiert auch manchmal im Alltag, in der Badewanne, ganz eigenartig. Ich weiß nicht, woher das kommt. Aber es zeigt, dass sich in meinem Kopf immer alles um die Arbeit dreht. Ich bin eben passioniert.

Isabelle Kumar
Haben Sie diese Geistesblitze immer schon gehabt?

Karl Lagerfeld
Nein, aber mit der Zeit sind sie mehr geworden. Ich finde, ich habe diesbezüglich Fortschritte gemacht.

Isabelle Kumar
Ein Zuschauer mit dem Namen Uhmanoh will wissen: “Welches war die größte Herausforderung ihrer Karriere bisher?

Karl Lagerfeld
Es gab so viele, dass ich mich kaum erinnere. Es ist immer alles gut gegangen, deswegen kann ich mich jetzt nicht an eine Sache im Einzelnen erinnern. Meine professionelle Vergangenheit ist privat. Alles verdichtet sich zu Vergangenheit. Ich kann mich also nicht mehr erinnern.

Isabelle Kumar
Haben Sie das Bedürfnis, ihr Know-how weiterzugeben?

Karl Lagerfeld
Nein, das geht gar nicht. Aber ich habe Assistenten und Praktikanten…in einem gewissen Umfang. Aber die Leute müssen sich auf sich selbst verlassen. Ich habe mich auch immer auf mich selbst verlassen. Das war nicht immer einfach als ich jung war. Ohne Erfahrung guckte man schnell in die Röhre. Heute gilt so mancher als Genie nur weil er jung ist. Und wenn man nicht mehr so jung ist, interessiert sich niemand mehr für einen. Viele Leute, die sich als ‘Jungdesigner’ einen Namen machen, sind schon 45 Jahre alt. Na danke…

Isabelle Kumar
Wie haben Sie die Mode von Fendi beeinflusst?

Karl Lagerfeld
Vor allem am Anfang habe ich Pelz anders eingesetzt. Früher war Pelz etwas sehr gewagtes, spießbürgerliches, schweres. Die Fendi-Schwestern hatten und haben heute noch Scheu, Pelz einzusetzen und ihrem Ansehen zu schaden. Pelz ist außerdem teuer. Aber unsere Aufgabe ist es, alles auf den Kopf zu stellen und etwas Neues zu schaffen.

Isabelle Kumar
Sie haben schon so viele Herausforderungen gemeistert, gibt es eine, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

Karl Lagerfeld
Ich sehe keine Herausforderung, sondern nur logische Konsequenzen, die sich aus meinem Beruf ergeben. Herausforderungen gibt es nicht. Ich bin niemandem etwas schuldig, außer mir selbst, und das ist mir egal.

Isabelle Kumar
Würden Sie etwas ablehnen, wo Sie schon so viele Abenteuer erlebt haben?

Karl Lagerfeld
Nein, ich lehne nichts ab. Ich mag es, neue Dinge zu tun, vor allem wenn es eine interessante Herausforderung ist. Wenn man mir Dummheiten anbietet, dann lehne ich natürlich ab aber das tut eigentlich niemand. Wenn man bedenkt, mit welchen Menschen ich zusammen arbeite, da besteht kein Risiko. Weder hier, noch in Paris.

Isabelle Kumar
Sie sind nicht nur Modeschöpfer, sondern auch ein begabter Fotograf.

Karl Lagerfeld
Sieht so aus…Ich nennte das Beständigkeit. Wenn ich nur in der Mode wäre, dann würde ich den Kontakt zur Außenwelt verlieren. Wenn ich für Magazine und Werbungen fotografiere, dann bewahre ich eine Art Kontakt zu den Menschen in der Mode, den Redakteuren, den Models. Das ist wichtig, denn isoliert zu sein, kommt dem Tod gleich. Wenn die Menschen ihren Elfenbeinturm nicht verlassen wollen, dann ist alles verloren. Heute geht es nicht darum, Kleider mit Taft zu verzieren und dabei Verdi zu hören. Die Zeiten sind vorbei.

Isabelle Kumar
Sie sind für Ihre originellen Zitate bekannt. Ich möchte Ihnen ein Zitat vorlesen: “Ich weiß, wie nervig, unmöglich und schwer zufriedenzustellen ich bin. Ich würde mich selbst nicht als Gast empfehlen.” Aber sie wirken doch sehr charmant. Was macht sie so unerträglich?

Karl Lagerfeld
Ich weiß es nicht. Ich bin nicht mal sicher, ob ich das so gesagt habe. Der Spruch stammt vielleicht von einem anderen Karl.

Isabelle Kumar
Sie sind unentwegt dabei, neue Kreationen zu schaffen. Doch ihr eigener Stil ist sehr beständig. Warum?

Karl Lagerfeld
So beständig nun auch wieder nicht. Ich ziehe an, was mir steht, das ist doch einwandfrei, mir graut es vor der Nachlässigkeit. Das hat sich auch bei den Leuten eingebrannt. Ich kann nicht auf die Straße gehen. Ich gehe nie raus auf die Straße.

Isabelle Kumar
Sie gehen nie einfach so raus?

Karl Lagerfeld
Nein. Nur von der Haustür zum Auto und vom Auto zur Tür. Ich begebe mich nicht an öffentlichen Orte. Die Selfies und das Ganze machen mir Angst. Ich mag den Fortschritt. Ich kann mich an das Leben vor dem Iphone nicht mehr erinnern. Aber ich möchte persönlich nicht mit tausenden unbekannten Gesichtern auf Fotos zu sehen sein.

Isabelle Kumar
Karl Lagerfeld, vielen Dank für ihre Zeit…….bei The Global Conversation.

Karl Lagerfeld
Ich hoffe, ich habe keine Dummheiten erzählt.

ALL VIEWS

Tap to find out

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden.euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

Nächster Artikel

the global conversation