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Putschversuch in der Türkei: Prediger Gülen weist Vorwurf der Drahtzieherschaft zurück

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Putschversuch in der Türkei: Prediger Gülen weist Vorwurf der Drahtzieherschaft zurück

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Er ist nach Ansicht der türkischen Regierung und von Präsident Erdogan für den Putschversuch verantwortlich: der geistliche Fethullah Gülen. Der gesundheitlich angeschlagene Prediger lebt seit 17 Jahren abgeschirmt im US-Staat Pennsylvania und weist die Vorwürfe vehement zurück:

“Freunde, die Erdogan zugehört haben, sagten mir, dass er uns das zuschreiben möchte und dass er seit zwei Tagen sehr verbittert über uns spricht. Als jemand, der selbst unter Putschen gelitten hat, habe ich den Menschen in der Türkei geraten, für keinerlei Militärputsch Verständnis zu zeigen.”

Er glaube, dass durch einen Putsch keine Demokratie entstehen kann. So könne auch keine Regierung geschützt werden. Und die Einbindung der Türkei in die Weltgemeinschaft könne auch nicht über einen Putsch gelingen, so Gülen, der sich bei einer Pressekonferenz an seinem Wohnort in Pennsylvania äußerte.

Gülen und Erdogan galten lange als Verbündete. Aufgrund des zunehmend autoritären Regierungsstils Erdogans entwickelte sich ein Konflikt. Zum endgültigen Bruch kam es im Jahr 2013. In einem Korruptionsskandal mit 52 Verhaftetungen bezeichnete Erdogan die Gülen-Bewegung als “Staat im Staat” mit dem Ziel, Justiz und Polizei zu kontrollieren und zu manipulieren.

Heute gilt Gülen als einer der größten Kritiker von Erdogan. Zum Putschversuch sagt der Geistliche, es gebe die Möglichkeit, dass das Szenario von der Erdogan-Regierung vorbereitet wurde. “Wir haben da kein klares Bild, aber ich möchte das nicht ausschließen.”

Präsident Erdogan hatte die US-Regierung aufgefordert, Gülen auszuliefern. US-Außenminister John Kerry sagte eine Prüfung zu, wenn ein Auslieferungsersuchen gestellt werde.
Vor Gülens Haus versammelte sich eine Handvoll Erdogan-Anhänger. Eine Demonstrantin rief: “Gebt uns den Terroristen!”

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