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Al-Dschubeir: DAESH ist eine Gruppe von Kriminellen, Psychopathen und Perversen

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Al-Dschubeir: DAESH ist eine Gruppe von Kriminellen, Psychopathen und Perversen

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Olaf Bruns, euronews:

“Der schreckliche Krieg in Syrien ebbt nicht ab, gekämpft wird auch im Jemen und in der Türkei gab es einen Putschversuch. Der Nahe Osten kommt einfach nicht zur Ruhe. Darüber sprechen wir nun mit dem saudiarabischen Außenminister Adel al-Dschubeir.

Olaf Bruns, euronews:

“Jahrzehntelang war die saudiarabische Außenpolitik vor allem von Vorsicht gekennzeichnet. Sie halten mit Ihrer Meinung jedoch nicht hinter dem Berg. Saudiarabien mischt sich im Jemen ein, es gibt eine klare Position zum Iran, zu Syrien, zum Kampf gegen den so genannten Islamischen Staat, zu Al-Quaida und Präsident Baschar al-Assad. Ist das die Linie eines neuen Saudiarabiens, an das sich die Welt gewöhnen sollte?”

Adel bin Achmed al-Dschubeir, saudischer Außenminister:

“Es gab ein Machtvakuum, das ausgefüllt werden musste. Es fehlte die Führung, deshalb haben wir uns mit unseren Alliierten zusammengesetzt, um das Vakuum auszufüllen, um unsere Interessen zu schützen.
Es gab eine radikale Miliz, die Verbindungen zum Iran und zur Hizbollah hat. Sie war im Besitz von Raketengeschossen und Kampfflugzeugen und wollte den Jemen erobern. Dadurch stellte sie eine direkte Gefahr für das Königreich Saudiarabien und die Golfstaaten dar. Jemand musste etwas tun, also haben wir eingegriffen.
Nach 35 Jahren Aggressionen durch den Iran und seine Alliierten sagten wir jetzt “genug ist genug, wir werden das nicht mehr hinnehmen”. In Syrien ist unser Ziel, die moderate Opposition zu unterstützen, um das System zu verändern.”


Biography: Adel al-Jubeir

  • Adel bin Achmed al-Dschubeir ist seit April 2015 saudischer Außenminister
  • Er ist der erste Außenminister in der Geschichte des Landes, der nicht der Königsfamilie angehört
  • Er ging in mehreren Ländern zur Schule. Al-Dschubeir spricht fließend Arabisch, Englisch und Deutsch
  • 2011 überlebte er einen Anschlag, der offenbar von iranischen Agenten mit Unterstützung der Quds-Brigaden durchgeführt wurde

euronews:

“Wenn Sie von einem Vakuum sprechen, meinen Sie, die US-Präsenz in der Region ist zu schwach?”

Adel bin Achmed al-Dschubeir, saudischer Außenminister:

“Nicht zwangsläufig.
Wir konnten aber verfolgen, wie die Huthis innerhalb von sieben, acht, neun Jahren in Jemen langsam an die Macht kamen.
Niemand wollte es mit ihnen aufnehmen, also mussten wir es tun.
Wir waren Zeugen, wie Unschuldige in Syrien jahrelang regelrecht abgeschlachtet wurden. Niemand hat etwas dagegen unternommen. Also blieb uns nichts anderes übrig, als selbst einzugreifen.”

euronews:

“Ein versuchter Staatsstreich in der Türkei hat die Region noch stärker destabilisiert. Wie wird Ihrer Meinung nach die Außenpolitik der Türkei nach dem Putsch aussehen?”

Adel bin Achmed al-Dschubeir, saudischer Außenminister:

“Dieses bedauerliche Ereignis, das der versuchte Staatsstreich in der Türkei ist, wird keinen langen Einfluss auf die Bedeutung und das Wohlergehen der Türkei haben.”

euronews:

“Allerdings gibt es im Westen mehr und mehr Zweifel, die Türkei könnte einen sehr autoritären Weg einschlagen. US-Außenminister John Kerry meinte sogar, die NATO-Mitgliedschaft der Türkei stehe auf dem Spiel. Schwächt das den Kampf gegen den so genannten Islamischen Staat?”

Adel bin Achmed al-Dschubeir, saudischer Außenminister:

“Ich denke nicht. Die Türkei ist eine Demokratie, der Wille des türkischen Volkes wird respektiert. Es muss der Türkei erlaubt sein, für Sicherheit zu sorgen. Niemand – wirklich niemand – stellte die USA in Frage, als sie Tausende Menschen nach Guantánamo brachte.”

euronews:

“Sie sagten mehrmals, Sie seien sicher, Präsident Baschar al-Assad würde am Ende doch seinen Posten räumen. Wie sicher sind Sie jetzt angesichts der Schwäche einiger regionaler Mächte sowie der Lage vor Ort: Aleppo könnte sehr bald in die Hände der syrischen Armee fallen.”

Adel bin Achmed al-Dschubeir, saudischer Außenminister:

“Es wird bald ein neues Syrien ohne Baschar al-Assad geben. Die Frage ist nur wann. Wird es einen politischen Prozess geben, der schneller und sanfter ist, oder einen militärischen, was länger dauert und teurer ist angesichts Tod und Zerstörung, Blutvergießen und Verrat.”

euronews:

“Der politische Prozess steckt allerdings in einer Sackgasse. Es wird wohl der militärische Weg sein. Welcher ist Ihrer Meinung realistischer?”

Adel bin Achmed al-Dschubeir, saudischer Außenminister:

“Wir werden die moderate syrische Opposition militärisch unterstützen, als gäbe es keinen politischen Prozess, und umgekehrt den politischen Prozess unterstützen, als gäbe es keinen militärischen Prozess.”

euronews:

“Wie weit geht Ihre militärische Unterstützung?”

Adel bin Achmed al-Dschubeir, saudischer Außenminister:

“Es gibt eine Gruppe Staaten, die die moderate Opposition militärisch unterstützen. Wir sind uns einig, wer wann unsere Unterstützung erhält. Und wir haben oft gefordert, ihnen mehr Ausrüstung zu geben, damit sie es mit Baschar al-Assad aufnehmen können.”

euronews:

“Würde Saudiarabien Bodentruppen schicken?”

Adel bin Achmed al-Dschubeir, saudischer Außenminister:

“Wir sind darauf vorbereitet, Spezialtruppen nach Syrien zu schicken, die die internationale Koalition im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz unterstützen.”

euronews:

“Wenn Sie über den so genannten Islamischen Staat sprechen, benutzen Sie die arabische Abkürzung DAESH. Das ist wohl kein Zufall. Was ist DAESH für Sie? Islamisch? Ist es ein Staat?”

Adel bin Achmed al-Dschubeir, saudischer Außenminister:

“Er ist weder islamisch, noch ein Staat. Es ist ein Zusammenschluss von Kriminellen, Psychopathen und Perversen. Sie haben nichts mit dem Islam zu tun. DAESH verhält sich zum Islam wie der Klu Klux Klan zum Christentum. Es gibt keine Verbindung. Jede Religion hat ihre Auswüchse und Fanatiker, die jedoch kein Spiegel der Religion sind. Dass DAESH sich als Teil des Glaubens sieht, ist einfach nur abscheulich.”

euronews:

“Wenn es sich um eine Gruppe Psychopathen handelt, wie kann diese eine geographische Region so lange kontrollieren und dem Militär solche Probleme bereiten?”

Adel bin Achmed al-Dschubeir, saudischer Außenminister:

“Die Geschichte kennt viele Beispiele von Psychopathen, die unglaubliche Dinge machten: Adolf Hitler war ein Psychopath!”

euronews:

“Als der Atomdeal mit dem Iran unterzeichnet wurde, war Saudiarabien sehr skeptisch. Wie schätzen Sie die Lage nun, ein Jahr später, ein?”

Adel bin Achmed al-Dschubeir, saudischer Außenminister:

“Wir sagten bereits, wird würden jedes Abkommen willkommen heißen, das den Iran vom Besitz von Atomwaffen abhält, das einen robusten und umfassenden Inspektionsmechanismus hat und welches Sanktionen wieder in Kraft setzen kann, sollte der Iran die Regeln brechen.
Die Bedenken, die wir hatten und haben, betreffen die finanziellen Quellen, zu denen der Iran Zugang hat. Die feindlichen Aktivitäten des Irans reißen nicht ab, er unterstützt die Hizbollah im Libanon, in Syrien sowie im Irak und versucht, den Huthis in Jemen Waffen zu liefern. Ein Urteil darüber, ob der Iran sein Vorgehen geändert hat oder nicht, steht noch aus, wir sehen jedoch keine Besserung.”

euronews:

“Wenn Sie den begründeten Verdacht hätten, der Iran halte sich nicht an die Regeln des Abkommens, würde Saudiarabien Atomwaffen anschaffen?”

Adel bin Achmed al-Dschubeir, saudischer Außenminister:

“Saudiarabien wird alles tun, um seine Bevölkerung und sein Land zu schützen. Wie wir das machen und mit welchen Mitteln, das würden wir nicht öffentlich ankündigen – schon gar nicht im Fernsehen.”

euronews:

“Wie entwickeln sich die saudisch-israelischen Beziehungen seit dem Atomdeal?”

Adel bin Achmed al-Dschubeir, saudischer Außenminister:

“Wir unterhalten keine Beziehungen zu Israel.”

euronews:

“Keine Kontakte, keine Hinterzimmerdiplomatie?”

Adel bin Achmed al-Dschubeir, saudischer Außenminister:

“Nein.”

euronews:

“Saudiarabien wird of beschuldigt, für islamischen Terrorismus verantwortlich zu sein. Die Begründung lautet: Saudiarabien finanziert weltweit Moscheen und bildet Imame aus. Diese predigen eine sehr konservative Auslegung des Islams. Die Moscheen werden dann unfreiwillig zu Brutstätten des Terrorismus. Was entgegnen Sie darauf?”

Adel bin Achmed al-Dschubeir, saudischer Außenminister:

“Warum sollten wir eine Ideologie unterstützen, die uns töten will? Wir sind das Ziel von Extremisten, die Zugang zu Mekka und Medina wollen. Wir haben unter Terroranschlägen gelitten, wir haben den Verlust von Sicherheitskräften erlitten, die Unschuldige schützen wollten. Wir stehen im Kampf gegen Extremismus und Terrorismus in unserer Region und in der ganzen Welt in vorderster Reihe.
Deshalb darf sich niemand erlauben, uns als Unterstützer von Extremisten zu bezeichnen. Ansonsten ist deren Definition von Beihilfe zu Extremismus absurd!
Wir jagen Geld, Gesinnung und Männer, die hinter uns her sind. Wir tolerieren keinen Extremismus. Gibt es ein Problem mit einer bestimmten Stadt in ihrem Land, dann schließen sie das islamische Zentrum dort. Geben Sie anderen nicht die Schuld. Wenn das bei Ihnen passiert, dann ist es Ihre Schuld.”

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