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EZB-Chef Draghi drängt auf "Lösung für das Problem der faulen Kredite" in Italien

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EZB-Chef Draghi drängt auf "Lösung für das Problem der faulen Kredite" in Italien

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Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt trotz gestiegener Konjunkturrisiken nach dem Brexit-Votum vorerst in Deckung.

Die EZB tastete den Leitzins erwartungsgemäß nicht an. Der Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Notenbankgeld liegt damit weiter auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.Schon die Bank von England hatte vergangene Woche still gehalten, obwohl viele Experten nach dem überraschenden Votum der Briten für einen EU-Austritt mit einer Zinssenkung gerechnet hatten. “So erscheint es fast schon, als ob die Zentralbanker voneinander abschreiben”, sagte DZ-Bank-Volkswirt Christoph Kutt, Frankfurt. Er erwartet, dass auch die US-Notenbank Fed nächste Woche ihre Leitzinsen nicht verändert.

“Wir kamen zum Schluss, dass wir noch nicht genügend Informationen haben, um Entscheidungen zu treffen”, so EZB-Präsident Mario Draghi. Die Leitzinsen würden voraussichtlich für längere Zeit auf dem aktuellen oder sogar einem noch tieferen Niveau bleiben.

EZB-Chef Mario Draghi zum “Brexit”-Votum:

“Die Finanzmärkte der Eurozone haben die höhere Unsicherheit und Volatilität mit ermutigender Widerstandskraft bewältigt. Die angekündigte Bereitschaft der Zentralbanken, Liquidität zur Verfügung zu stellen, wenn nötig, unsere aktuellen geldpolitischen Maßnahmen, dazu ein robuster Regulierungs- und Aufsichtsrahmen – alles hat dazu beigetragen, den Marktstress im Rahmen zu halten.”

Draghi versuchte unterdessen Befürchtungen zu zerstreuen, dass das in Deutschland sehr umstrittene Anleihen-Kaufprogramm ins Stocken geraten könnte. In der Vergangenheit habe die EZB unter Beweis gestellt, dass sie wie angepeilt ein Kaufvolumen von 80 Milliarden Euro im Monat schaffen könne, so der Italiener. Damit sollen Wirtschaftswachstum und Inflation angekurbelt werden.

Nach dem Brexit-Votum waren Investoren in Staatsanleihen geflüchtet, die als besonders sicher gelten. Die Renditen vieler europäischer Titel waren daraufhin weiter gesunken. Zuletzt rentierten beispielsweise Bundesanleihen mit Laufzeiten von bis zu sieben Jahren unter dem EZB-Einlagenzins von minus 0,4 Prozent. Solche Papiere darf die Notenbank dann nicht erwerben.

ITALIEN

Mit ungewöhnlich deutlichen Worten drängte Draghi darauf, in seinem Heimatland Italien “eine Lösung für das Problem der faulen Kredite zu finden. Je länger wir das haben, umso weniger wird das Bankensystem funktionieren.” Bei besonderen Umständen sei ein öffentliches Auffangnetz nötig. Es müsse allerdings mit der EU-Kommission abgestimmt werden.

Die Kurse italienischer Bankaktien zogen nach den Äußerungen zum Teil kräftig an. Der italienische Branchenindex legte um 1,4 Prozent zu. Unicredit-Aktien gewannen 3,3 Prozent, BP Emilia kletterten um 3,4 Prozent.

su mit Reuters

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