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Britische Regierung will plötzlich Bedenkzeit für französisches Atomprojekt

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Britische Regierung will plötzlich Bedenkzeit für französisches Atomprojekt

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Der französische Stromkonzern EDF (Electricité de France) hatte gerade grünes Licht für den Bau des umstrittenen Atommeilers Hinkley Point C gegeben. Doch nun zögert die britische Regierung.

Energieminister Greg Clark sagte einer Pressemitteilung zufolge: «Die Regierung wird sich sorgfältig alle Bestandteile dieses Projekts anschauen und ihre Entscheidung im frühen Herbst treffen.»

Der Vertreter der Nuklearindustrie ist…
TOM Greatrex, Verband Nuklearindustrie:
“…ein wenig enttäuscht, dass nicht sofort ein Vertrag unterschrieben wurde – aber nicht enttäuscht von der Regierung und Greg Clark. Sie haben heute morgen und gestern abend erklärt, dass neue Kernenergieranlagen für sie zum britischen Energiemix der Zukunft gehören.”

Dass nun die britische Regierung auf die Bremse tritt, verärgert viele Unternehmensverbände und Gewerkschaften auf der Insel, die sich von dem Projekt 25.000 neue Arbeitsplätze erhoffen. Für die Labour-Opposition ein gefundenes Fressen.

Barry Gardiner, energiepolitischer Sprecher der Labour-Opposition:

“Das lässt uns doch für Investoren in diesem Land völlig chaotisch aussehen. Diese Regierung weiß nicht, was sie tut, wenn es um große Infrastrukturprojekte geht – werden die sagen.”

Das Projekt in Hinkley Pont an der Westküste Englands wäre der erste britische Atomkraftwerksneubau seit 20 Jahren und soll rund 21,5 Milliarden Euro kosten. Rund ein Drittel soll ein chinesischer Partner, China Nuclear Power Corporation (CGN), schultern. Bei der EDF waren zwei Führungskräfte zurückgetreten, weil sie dem Konzept misstrauten.

In Hinkley Point sollen zwei neue Druckwasserreaktoren des Typs EPR entstehen, häufig als “Atomkraftwerke der dritten Generation” bezeichnet. Die Reaktoren sollten 2025 in Betrieb gehen und sechs Millionen Haushalte versorgen. Hinkley Point soll in EPR-Technologie (European Pressurized Reactors) errichtet werden. EPR ist der größte Kernreaktor-Typ des französischen Nuklearkonzerns Areva, vier Kraftwerke sind in Bau, Jahre hinter dem Zeitplan und Milliarden über dem Budget. Ein Prototyp noch nirgends fertiggestellt.

Selbstkostenpreis von Strom in € /MWh


Sources: Cour des Comptes, ministère de l’environement, syndicat des ènergies renouvelables

EDF ist zu mehr als 80 Prozent im Besitz des französischen Staates. Der Konzern musste im vergangenen Jahr deutliche Gewinneinbußen hinnehmen und will bis 2018 fünf Prozent seiner Arbeitsplätze in Frankreich abbauen. Gewerkschaften hatten daraufhin gefordert, den teuren Neubau in England zu stoppen oder zu verschieben – sie zogen auch vor Gericht, dieser Streit ist nach französischen Medienberichten noch nicht ausgefochten.

Die Pariser Regierung hatte sich aber immer wieder hinter das Projekt gestellt, sie sieht es als Aushängeschild für französisches Know-How. Die Atomindustrie des Landes steckt in einem tiefgreifenden Umbau, EDF übernimmt dabei auch das Reaktorgeschäft des defizitären Atomkonzerns Areva. Im April wurde eine Kapitalerhöhung von vier Milliarden Euro angekündigt.

Sigrid Ulrich mit dpa, Reuters

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