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Geheimwaffe gegen das Altern

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Geheimwaffe gegen das Altern

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Sollte das Geheimnis der ewigen Jugend im Meer liegen? Für Medizin und Kosmetik ist die Artenvielfalt in den Ozeanen eine unerschöpfliche Fundgrube für neue Heilmittel und Produkte. Das europäische Forschungsprojekt Tascmar sucht nach Substanzen aus dem Meer, um gegen das Altern und Alterskrankheiten vorzugehen.

Spanische Wissenschaftler sammeln vor der Mittelmeerküste bei Almuñécar Stichproben für das Tascmar-Projekt. In der mesophotischen Zone, der unteren Zone der durchlichteten Schicht im Meer zwischen 30 und 100 Metern Tiefe, suchen sie in einer Muschelfarm nach wirbellosen Lebewesen. Diese enthalten oder produzieren Biomoleküle, die für Kosmetik, Pharmazie und Ernährung genutzt werden können.

Gifte nicht nur gegen die natürlichen Feinde

Polypen, Schwämme und andere Wirbellose produzieren naturgemäß Giftstoffe, um sich vor Feinden zu schützen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Substanzen vom Menschen genutzt werden könnten, um Hautalterung zu vermeiden, Krebszellen abzutöten oder andere Krankheiten zu heilen.

Ana Esther Ortiz Maldonado und ihre Kollegen vom spanischen Projektpartner iMare Natural nehmen in der Muschelfarm kleine Stichproben von 50 bis 100 Gramm, die dann im Labor bearbeitet werden. Wichtig ist den Forschern, nicht unnötig viel aus dem natürlichen Lebensraum herauszunehmen: “Wenn die wirbellosen Lebewesen Substanzen produzieren, die uns interessieren, werden sie künstlich vermehrt und aufgezogen. Damit brauchen wir die natürlichen Populationen nicht weiter zu schädigen”, erklärt Ortiz.

Ziel ist die industrielle Herstellung der Substanzen aus dem Meer

Im Labor in Spanien testen die Forscher umweltfreundliche Methoden zur Aufzucht der wirbellosen Lebewesen außerhalb des Meeres. Die vielversprechensten Arten herauszufinden, ist dann aber Aufgabe eines anderen Labors: 13 Partner aus acht Ländern sind an dem Projekt beteiligt. Von Spanien werden die Stichproben nach Gif-sur-Yvette in Frankreich geschickt. Dort testet das französische Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS), welche chemischen Substanzen aus den Organismen extrahiert werden können. Außerdem werden dort Mikroorganismen gezüchtet, die in Symbiose mit den Wirbellosen leben. Ziel ist, Wirbellose und Symbionten zu züchten, die Anti-Aging-Moleküle in industriellem Ausmaß produzieren können.

Falten, Alzheimer, Parkinson: Breites Anwendungsgebiet

Das Anwendungsspektrum sei enorm, meint Projektkoordinator Jamal Ouazzani: “Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson, altersbedingte Makula-Degeneration, Arthrose, Hautalterung, der ästhetische Aspekt der Haut: Anti-Aging umfasst eine ansehnliche Zahl von Abbauerscheinungen und Krankheiten.”

Dabei geht es nicht nur darum, neue Substanzen herauszufiltern, sondern sie auch selbst umweltschonend herstellen zu können. Schon bei der Wahl der Nährböden für ihre Kulturen versuchen die Wissenschaftler, Lösungsmittel und chemischen Abfall zu vermeiden: “Wir nutzen bestimmte Harze, die die für uns interessanten Moleküle absorbieren. So brauchen wir keine lange Auswaschung mehr, man löst nur mit ganz wenig Lösungsmittel das, was von den Harzen aufgenommen wurde, und das ist auf jeden Fall ökonomisch, ökologisch und vor allem wirkungsvoll”, bekräftigt Ouazzani.

Bis 2019 läuft das Projekt. Auf der Suche nach der Geheimwaffe gegen das Altern – ohne dafür die Meere weiter auszubeuten.

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