Eilmeldung

Sie lesen gerade:

Papst in Auschwitz: Schweigen, das Bände spricht

welt

Papst in Auschwitz: Schweigen, das Bände spricht

Werbung

Ein bewegender Moment, der Papst Franziskus an diesem Freitagmorgen bevorstand. Im Rahmen des Weltjugendtags in Polen besuchte er Auschwitz – schweren Schrittes und schweigend.

In dem Stamm- und Vernichtungslagern hatten Nazis während des Zweiten Weltkriegs mehr als 1,1 Millionen Menschen getötet, die meisten von ihnen Juden. Gefangen gehalten wurden aber auch Homosexuelle, Kommunisten, psychisch Kranke und Künstler.

Franziskus ist der dritte Pontifex, der das Vernichtungslager besucht. Doch anders als seine Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. entschied er im Vorfeld, im Stillen zu beten und zu schweigen, statt öffentlich das Wort zu ergreifen. Ein Schritt, der von Vertretern der jüdischen Welt als angemessen gelobt wurde.

Neben der polnischen Ministerpräsidentin Beata Szydlo begrüßte Franziskus zehn KZ-Überlebende an der Schwarzen Wand. Vor ihr waren Tausende Todesurteile durch Genickschuss vollstreckt worden, zu Beginn vor allem an polnischen Widerstandskämpfern. In Erinnerung an die unzähligen Einzelschicksale entzündete Franziskus eine Kerze an der Todeswand und bat Gott im Auschwitz-Gedenkbuch um Vergebung für die Grausamkeit auf Erden:

Er gedachte des Franziskanermönchs Maximilian Kolbe, der für einen Mithäftling vor 75 Jahren in der Hungerzelle starb und später von Johannes Paul II. heilig gesprochen wurde.

Im eigentlichen Vernichtungslager Birkenau traf der Pontifex auf Polens Oberrabiner Michael Schudrich, der auf Hebräisch den Psalm 130 rezitierte. Ein Bußpsalm, der beim Sterben und bei Totenfeiern seinen Platz in der Liturgie der Kirche hat.

Im Anschluss zollte der argentinische Papst 25 Anwesenden der so genannten “Gerechten unter den Völkern” Respekt. Ein in Israel verliehener Ehrentitel für Nichtjuden. An diesem Freitag waren in Birkenau polnische Geehrte vertreten, die während des Zweiten Weltkriegs geholfen hatten, Juden zu retten.

Nach dem Besuch reiste Papst Franziskus zurück nach Krakau, wo noch bis Sonntag mit mehr als einer Million Pilger der Weltjugendtag zelebriert wird.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden.euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

Nächster Artikel