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Aleppo: Widersprüchliche Berichte über Fluchtkorridore und Schicksale von Zivilisten

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Aleppo: Widersprüchliche Berichte über Fluchtkorridore und Schicksale von Zivilisten

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Die Situation der Zivilisten und Rebellenverbände in der von syrischen Regierungstruppen belagerten Stadt Aleppo bleibt widersprüchlich. Vor gut zwei Wochen hatten die syrische Armee und ihre Verbündeten die letzte Versorgungsroute in die Rebellenviertel von Aleppo gekappt. Mittlerweile sollen mehrere Fluchtkorridore existieren, drei für Zivilisten und einer für aufgabebereite Rebellen. Die Einrichtung der Korridore geht auf staatliche und russische Initiativen zurück. Die Benutzung der Fluchtwege ist nach Ansicht der Opposition mit Lebensgefahr verbunden. Internationale Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe in der geteilten Stadt. Ein Überblick der Widersprüche:

Die staatliche syrische Darstellung

Syrische Staatsmedien berichteten, dass Dutzende Familien die abgeriegelten Rebellenviertel im Osten der umkämpften Stadt über die eingerichteten Fluchtkorridore verlassen hätten. Zahlreiche Aufständische hätten sich zudem der syrischen Armee ergeben. Eine mit den Tränen kämpfende Frau berichtete dem syrischen Staatsfernsehen über ihre Flucht:

“Wir sind mit den Kindern geflohen, die noch bei uns sind. Möge Gott die Rebellen bestrafen. Sie wollten uns nicht ziehen lassen. Es gab weder Wasser, Strom noch Brot. Und keine Ärzte. Wir sollten entweder mit ihnen leben oder mit ihnen sterben. Wir sind wie die Hasen geflohen. Sie hätten uns sonst getötet.”

Eine andere, angeblich aus den Rebellengebieten über einen Fluchtkorridor geflohene Frau schilderte:

“Wir haben gelitten, weil diese Hunde kein Schamgefühl kennen. Sie waren ungerecht zu uns und unseren Kindern. Wir sind unter dem Schutz der Armee geflohen.”

Die oppositionelle Darstellung

Ein Sprecher der Opposition in Aleppo wies die staatlichen Berichte über Flüchtlinge als falsch zurück. Auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London konnte nicht bestätigen, dass Anwohner aus Aleppo geflohen seien. Lediglich am Freitag hätten zwölf Personen die Viertel verlassen, bevor Rebellengruppen Straßensperren errichtet hätten.

Bewohner der abgeschnittenen Viertel bestätigten der Deutschen Presse-Agentur, dass Rebellen am Samstag flüchtende Menschen zurückgewiesen hätten. Als Begründung hätten sie angegeben, dass die humanitären Korridore nicht sicher seien. Die syrische Opposition hält der Regierung in Damaskaus vor, sie wolle sich mit Hilfe der Korridore militärische Vorteile beim Kampf um Aleppo verschaffen.

Die russische Darstellung

Das russische Militär teilte mit, seit Öffnung der Korridore am Donnerstag hätten 169 Zivilisten Aleppo verlassen. 69 Rebellen hätten die Waffen niedergelegt und sich ergeben, sagte Generalleutnant Sergej Tschwarkow. An den drei Fluchtkorridoren habe die syrische Regierung Lager aufgebaut, um bis zu 3000 Menschen zu versorgen. Vier weitere Korridore sollten eingerichtet werden. Russische Truppen unterstützen in Syrien die Armee von Präsident Baschar Al-Assad.

Reaktion der Vereinten Nationen

Die Vereinten Nationen hatten Syrien und Russland aufgefordert, ihnen die Fluchtrouten zu unterstellen, damit Sicherheit gewährleistet sei. Nach Schätzungen der UN sind zwischen 250.000 und 300.000 Menschen in Aleppo eingeschlossen.

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