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Folter in australischer Jugendstrafanstalt? Indigene Aktivisten beklagen weitreichende Missstände

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Folter in australischer Jugendstrafanstalt? Indigene Aktivisten beklagen weitreichende Missstände

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In Australien haben in mehreren Städten hunderte Demonstranten eine umfassendere Untersuchung der Behandlung indigener Jugendlicher durch die Polizei und Strafvollzugsbeamte gefordert.

Auslöser ist die Veröffentlichung von Überwachungsbildern durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen, die brutale Disziplinarmethoden in einer Jugendstrafanstalt im Nordterritorium” zeigen. Dokumentiert ist unter anderem, wie Wärter einige jugendliche Insassen schlagen, mit Tränengas traktieren, sie nackt ausziehen oder Betroffenen die Augen verbinden und sie über längere Zeiträume fesseln und isolieren. Kritiker sprechen von Foltermethoden.

“Dies waren einige der brutalsten rassistischen Übergriffe auf unsere Jugend, die wir in der jüngeren Geschichte erlebt haben”, so die indigene Aktivistin Jenny Munro auf einer Kundgebung in Sydney. “Und was tut die Regierung? Sie schickt einen weißen Hinterwäldler als Richter und macht die Untersuchung damit zu einer Farce, noch bevor sie begonnen hat.”

Die jüngsten Betroffenen waren offenbar erst knapp 14 Jahre alt. Zwar wurden mutmaßlich auch weiße Gefangene Opfer, doch ein unverhältnismäßig hoher Anteil der Insassen australischer Strafanstalten ist indigener Abstammung.

Zu den Vorfällen wird inzwischen ermittelt. Eine breitere Untersuchung zu dem Thema auf nationaler Ebene lehnt Premierminister Malcolm Turnbull bislang aber ab. Erst 2015 gab es im Nordterritorium eine breitere Untersuchung zu dem Thema, die dann aber keine Anhaltspunkte für eine “systemische Kultur unverhältnismäßiger Gewalt” im Strafvollzug fand. Die Behörden hatten offenbar aber Kenntnis über Misstände und gaben mehrfach Empfehlungen heraus.

Auch das Büro des Hohen Kommissars für Menschenrechte der Vereinten Nationen reagierte auf die Berichte. Es forderte die australische Regierung auf, den betroffenen Jugendlichen Entschädigungen zu zahlen und die UN-Antifolterkonvention zu ratifizieren.

Das Thema ist in Australien nicht neu. Viele Aktivisten fühlen sich an Vorfälle aus den vergangenen Jahren auch in anderen Landesteilen erinnert, bei denen indigene Gefangene in Polizeigewahrsam ums Leben kamen.

Nach den neuen Enthüllungen wurde der zuständige Minister für den Strafvollzug im Nordterritorium nun entlassen. Doch vielen der Demonstranten geht das nicht weit genug: “Ich möchte, dass alle verantwortlichen Staatsbediensteten für Verbrechen gegen die Indigene Bevölkerung zur Rechenschaft gezogen werden. Ich möchte, dass verantwortliche Politiker zur Rechenschaft gezogen werden, für eine Gesetzgebung, die der indigenen Bevölkerung viel Leid bringt”, sagte ein Demonstrant in Sydney.

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