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Hintergrund: Der Unterschied zwischen Schiiten und Sunniten

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Hintergrund: Der Unterschied zwischen Schiiten und Sunniten

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Konflikte im Nahen Osten haben in jüngster Vergangenheit immer öfter für Schlagzeilen gesorgt. Viele nichtmuslimische Menschen, die die Nachrichten verfolgen, wissen jedoch nicht, worin genau sich Schiiten (Schia) und Sunniten (Sunna) – die zwei wichtigsten Gruppen und Glaubensrichtungen des Islams – unterscheiden.

Werfen wir einen Blick auf die Geschichte der zwei Hauptkonfessionen des Islams, auf die Unterschiede und die Verteilung ihrer Anhänger in der ganzen Welt.

Die Schia- (oder Schiiten) Bewegung im Islam hat politische Wurzeln: Nach dem Tod von Prophet Mohammed im Jahr 632 n. Chr. wollten die Gründer der schiitischen Gemeinschaft, dass Ali, der Schwiegersohn des Propheten, sowie dessen Nachkommen als rechtmäßige Stellvertreter die Macht übernehmen.

Innerhalb der folgenden Jahrhunderte entwickelten sich zwischen schiitischen und nicht-schiitischen Muslimen neben anderen religiösen Differenzen ein Nachfolgestreit. Die Schia, die etwa zehn bis 13 Prozent der weltweiten Muslimgemeinde ausmachen, erkennen Ali als den von Gott ernannten Kalifen und Führer der islamischen Nation an. Alis Nachfolgen gelten für die Schiiten als Propheten mit göttlichem Wissen.

Nachfolgestreit zwischen Schiiten und Sunniten

Mohammed hat auf seinem Todesbett seinen Nachfolger aber nicht klar ernannt. Nach dem Tod des Propheten schlitterte die Gemeinschaft der arabischen Völker, die erst kurz zuvor zum Islam konvertiert waren, fast in den Zusammenbruch.

Deshalb ernannten Mohammeds Anhänger hastig dessen Nachfolger selbst. Sie wählten seinen Schwiegervater, der auch einer der engsten Freunde des Propheten war: Abu Bakr sollte der nächste Kalif sein.

Die Schiiten aber behaupten, dass Mohammed seinen Schwiegersohn Ali, den Mann seiner Tochter, vor seinem Tod zu seinem Nachfolger ernannt hatte.

Etwa zu diesem Zeitpunkt beginnen die Glaubensrichtungen, getrennte Wege zu gehen. Die Anhänger von Ali wurden zu Schia (Schiiten). Der Name leitet sich vom arabischen Wort ‘sía’ ab, das so viel heißt wie Partei oder Nachfolger. Es bezieht sich auf die ersten Nachfolger von Ali, namentlich ‘Alis Partei” oder ‘síat Ali’.

Ali wurde zwischen 656 und 661 n. Chr. zum vierten Kalifen ernannt. Sein erstgeborener Sohn Hasan verzichtet nach Alis Tod jedoch auf die Nachfolge und überlässt das Amt des Kalifen nach einer Übereinkunft Muawiya. Nachdem Muawiya 680 n. Chr. starb und seinen eigenen Sohn Yazid als Erben einsetzte, stieß dieser Schritt nicht nur auf die Ablehnung vieler Muslime, auch Hasan war erzürnt. Noch im selben Jahr wurde Hasan von Yazids Truppen in Karbala, auf dem Gebiet des heutigen Iraks, ermordet.

Nach dem Tod Hasans ergriffen die Sunniten die Macht und festigten ihre Herrschaft, die Schiiten wurden ausgegrenzt.

Dem Pew Reserch Center für Religion und öffentliches Leben zufolge sind in den meisten Ländern im Nahen Osten mindestens 40 Prozent der Sunniten der Meinung, dass Schiiten keine echten Muslime seien. Unter den Schia hingegen wird oft die Kritik laut, dass die starre Weltanschauung der Sunniten eine fruchtbare Brutstätte für Islamisten sei.

Unterschiede in den religiösen Praktiken

Schiitische Muslime beten drei Mal pro Tag, Sunniten hingegen fünf Mal. Zudem hat jede Glaubensrichtung eine andere Auffassung des Islams.

Beide Zweige basieren auf der Lehre des Korans, die zweitwichtigste Quelle ist die Sunna, die Richtschnur muslimischer Lebensweise, die aus überlieferten Aussprüchen, Verhaltens- und Handlungsweisen des Propheten Mohammeds stammen. Sie ist auch bekannt als Hadith.

Für schiitische Muslime gelten jedoch auch die Worte der Imame als Hadith – und das ist einer der wichtigsten Unterschiede der beiden Ideologien: Schiiten sehen Imame als göttlich an und sprechen ihnen eine spirituelle Autorität zu, die sie zu Vermittlern zwischen Allah und den Gläubigen macht. Für Schiiten sind Imame nicht einfach Abgesandte des Propheten, nein, sie sind dessen Vertreter auf Erden. Deshalb geht die Pilgerreise der Schia nicht nur nach Mekka, sondern führt auch an den Gräbern von elf der zwölf Imame vorbei, die als Heilige gelten (der zwölfte Imam, Mehdi, soll in der Verborgenheit leben und am Ende der Zeiten zurückkehren, um die Mission des Propheten zu vollenden).

Für Sunniten hingegen spielen Imame eine weitaus unwichtigere Rolle. Im sunnitischen Islam steht der Begriff ‘Imam’ für einen zeitgenössischen Vorbeter in der Moschee oder Gelehrten des Islams.

Die fünf Säulen des Islams gibt es zwar in beiden Glaubensrichtungen, die sunnitischen fünf Säulen – das islamische Glaubensbekenntnis, das Pflichtgebet, die Almosenabgabe, das Fasten im Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka – unterscheiden sich aber etwas von denen der Schiiten. Bei den Schia gibt es zudem 10 weitere Hilfssäulen.

Die fünf Hauptsäulen der Schia sind ‘Tauhid’, der Glaube an die Einheit und Einzigkeit Gottes, ‘Nubuwwah’, die Prophetenschaft Mohammeds, ‘Qiyamah’, der Tag der Auferstehung, ‘Adalah’, göttliche Justiz und ‘Imamah’, der Glaube an die politische und spirituelle Überlegenheit der Imame oder Nachfolgen des Prophetens.

Die zehn Hilfssäulen der Schiiten beinhalten ebenfalls das Pflichtgebet, das Fasten im Ramadan, die Almosengabe und Pilgerreise, hinzu kommen aber noch ‘Khums’, die Abgabe von 1/5 des Einkommens als Steuer, der Aufruf zu guten Taten, das Verbot von falschen Taten, ‘Tawalla’, die Liebe des Guten und ‘Tabarra’, Abgrenzung von denen, die das Gute ablehnen und dem Islam Schaden zugefügt haben.

Eine weitere Hilfssäule des schiitischen Islams ist ‘Dschihad’. Die Meinung dieses Wortes ist sogar unter Islamwissenschaftlern höchst umstritten. Die traditionelle Bedeutung setzt sich aus zwei Elementen zusammen: der innere Kampf mit sich selbst, um sich an Gottes Pfad zu halten und der äußere Kampf gegen die Feinde des Islams. Dieser äußere Kampf kann friedlich oder gewaltsam sein.

Der schiitische Halbmond

Die meisten der schiitischen Gemeinschaften gibt es im Iran, Irak, Syrien, Libanon und Bahrain. Der Name ‘schiitischer Halbmond’ leitet sich von der sichelartigen Form dieser Gebiete auf der Landkarte ab.

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