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Doping und Olympia - oder wie man eine Marke nachhaltig beschädigt

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Doping und Olympia - oder wie man eine Marke nachhaltig beschädigt

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Die 31. Olympischen Spiele beginnen in diese Woche in Brasilien mit jeder Menge Aufregung, vor allem wegen des russischen Dopingskandals. Seit 20 Jahren scheinen Sport und Doping nicht mehr zu trennen zu sein, und der russsiche Skandal ist sicher der Größte bisher. Mehr als 110 von ursprünglich 387 Athleten sind von den internationalen Sportverbänden für die Wettbewerbe in Rio gesperrt worden, die Mehrheit aus der Leichtathletik. Nach einer Untersuchung der WADA, die ein staatliches Doping Programm aufdeckte, gab es eine widersprüchliche und entsprechend umstrittene Entscheidung durch das IOC, das internationale olympische Komitee. Das IOC sperrte die Russen nicht pauschal, sondern überließ die Entscheidung, wer gesperrt werde oder antreten dürfe den jeweiligen Sportverbänden. Moskau nannte den Doping Skandal eine politisch motivierte internationale Verschwörung. Wladimir Putin sagt, das fehlen der Russischen Sportler entwerte die Medaillen und Siege der anderen Athleten. Wie konnte es soweit kommen, warum redet alle Welt vom schlimmsten Doping Skandal in der Geschichte Olympias? Der Cocktail aus Steroiden und Alkohol, auch bekannt als “die Herzogin”, die manche russischen Athleten einnahmen war eine Mischung aus drei anabolen Steroiden, gelöst in Whisky für die Männer oder für die Damen in Wermut. Anabolische Steroide lassen die natürliche Proteinproduktion des Körpers extrem ansteigen, das Ergebnis sind mehr Muskeln, ein kräftigerer Körper. Eine ähnlich leistungssteigernde Droge – Meldonium – hat wahrscheinlich Tennisstar Maria Scharapova ihre Karriere gekostet, nachdem sie zugegeben hatte, sie 10 Jahre genommen zu haben. In Rio ist sie nicht dabei, sie ist für zwei Jahre vom Tennis gesperrt.

Meldonium – oder auch Mildronat – ist leicht erhältlich; auch ohne Rezept gibt es das Herzmedikament in Osteuropa in der Apotheke direkt über den Tresen. Hergestellt in Litauen ist es seit 30 Jahren im Handel und angeblich wegen seiner ausdauersteigernden Wirkung sehr bleibt in der Sowjetarmee. In den USA oder Kanada ist Meldonium als Medikament nicht zugelassen, aber online bekommt man es ganz einfach. Nachdem Sharapova die Einnahme zugegeben hatte, stieg der Umsatz des lettischen Herstellers Grindeks mit Meldonium in Russland um 50 Prozent – innerhalb von nur 10 Tagen. Die Nachfrage hat sich seit Anfang März verzwanzigfacht. Und Meldonium ist für ein Steroid ausgesprochen günstig – 300 Rubel oder rund 4 Euro ist der Preis in russischen Apotheken. Meldonium – oder Mildronat – ist ein lettischer Exportschlager, 2013 lagen die Verkäufe bei 65 Millionen Euro.

Schon erstaunlich, daß eine so günstige Droge Maria Scharapova ihre Karriere gekostet hat. Eine der erfolgreichste Tennisspielerinnen aller Zeiten, die bestverdienende Athletin weltweit seit 11 Jahren – der Verlust wichtiger Sponsoren dürfte ihr Konto hart treffen. Scharapova war eine Geldmaschine, während ihrer Karriere hat sie 285 Millionenn Dollar verdient. 125 Millionen Dollar ist sie heute Netto wert, letztes Jahr hat sie 30 Millionen verdient, davon 23 Millionen allein aus Sponsoring. Einen Tag nach ihrem Dopinggeständnis verlor sie Nike, Porsche und Tag-Heuer als Sponsoren. Nike war der lukrativste Vertrag mit gut 12,5 Millionen Dollar pro Jahr, insgesamt hat sie mit Nike 70 Millionen verdient. Der Sportartikelhersteller hat dann das Sponsoring später wieder verlängert. Experten sind aber der Meinung, das Unternehmen aus dem Konsumgüterbereich oder Servicebereich ihre Marke nicht mehr mit ihr in Verbindung sehen wollen. Aus Russland wird sie aber weiter unterstützt, dort meint man, Scharapova sei nur ein weiterer Fall westlicher Verfolgung russischer Sportler.

2012 schauten 3,6 Milliarden Menschen die Olympiade in London, das ist mehr als die Hälfte der Menschheit. Heute dagegen ist die Marke Olympia ernsthaft beschädigt, und das nicht nur durch den Dopingskandal. Trotz allem, die olympischen Spiele sind das größte Sportereignis der Welt. Experten sagen, wenn Konsumenten die Glaubwürdigkeit, das Ansehen einer Marke in Frage stellen, dann beschädigt das ihre Wahrnehmenung. Und je größer die Marke, desto größer der mögliche Schaden.

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