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Rio 2016: Duchhalteparolen vor Startschuss

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Rio 2016: Duchhalteparolen vor Startschuss

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Am Mittwoch ist die olympische Fackel in Rio de Janeiro angekommen. Der Funke ist bei vielen Menschen aber bisher nicht übergesprungen.

Die Spiele finden zu einem Zeitpunkt statt, an dem das Land tief in einer Rezession steckt und einen schweren Korruptionsskandal erlebt. Tausende Menschen haben in den letzten Monaten demonstriert. Sicherheitsbedenken steigen entsprechend an.

In den Skandal sind Politiker der Regierungspartei und der Opposition verwickelt. Gegen Präsidentin Dilma Rousseff läuft eine Amtsenthebungsklage, Vizepräsident Michel Temer vertritt sie.
Rousseff soll verschleiert haben, wie es um die brasilianische Wirtschaft tatsächlich stand, um ihre Wiederwahl 2014 nicht zu gefährden. Wegen der unklaren Lage konnte Interimspräsident Telmer bisher keine Maßnahmen durchsetzen, um die Rezession zu bekämpfen. Und als wäre das alles noch nicht genug, erlebt das Land auch noch einen Korruptionsskandal bei der staatlichen Ölfirma Petrobras. Ranghohe Politiker sollen sich dabei bereichert haben, unter ihnen der frühere Präsident Lula da Silva.

Können die Olympischen Spiele in dieser Situation die Stimmung in Brasilien heben?

Brasilien erlebt nicht nur eine politische, sondern auch eine ökonomische und eine moralische Krise. Gewalt und Kriminalität sind 2016 scharf angestiegen, und dabei wollten die Behörden die Spiele doch nutzen, um den Tourismus anzukurbeln.

Brasiliens Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent geschrumpft. Die Zentralbank des Landes prognostiziert für dieses Jahr einen weiteren Einbruch in Höhe von 3, 5 Prozent, und der IWF geht auch für 2017 noch von einem negativen Wachstum aus. Brasilien steckt in der längsten Rezession seit 1930.

Die Hoffnung, dass die Olympischen Spiele die Wirtschaft voranbringen werden, könnten sich ebenso zerstreuen wie 2014. Während der Fußball-Weltmeisterschaft war zwar mehr Geld ausgegeben worden, aber nicht genug, um die Wirtschaft zu stabilisieren.

Damit die größte Volkswirtschaft Südamerikas wieder auf die Füße kommt, muss die politische Grauzone beendet werden. Das Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Rousseff dauert seit Monaten an. Bevor Temer nicht als Präsident bestätigt ist, werden Reformen, die Brasiliens Wirtschaft wieder auf festen Boden bringen, auf sich warten lassen.

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