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Olympische Spiele: Ein teures Vergnügen

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Olympische Spiele: Ein teures Vergnügen

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Die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro haben noch gar nicht begonnen, doch schon im Vorfeld hat das sportliche Großereignis eine Pannenserie hingelegt, die sich gewaschen hat. Berichte über das verdreckte und gesundheitsschädliche Revier in der Guanabara-Bucht, wo die Segelwettbewerbe ausgetragen werden, sorgten und sorgen für Negativschlagzeilen.

Als die ersten Athleten ins olympische Dorf einziehen sollten, sah es dort mancherorts noch wie auf einer Baustelle aus. Die bereits eingetroffenen australischen Sportler quartierten sich deshalb erst einmal lieber in einem Hotel ein.

In der brasilianischen Bevölkerung ist die Vorfreude auf die Spiele – gelinde gesagt – verhalten. In den vorolympischen Protesten vermischen sich die Forderungen nach einem Ende der weitverbreiteten Korruption, nach großflächigen politischen Veränderungen und besseren Lebensbedinungen mit der Kritik an den hohen Kosten für das Sport-Megaereignis.

Einer Studie zufolge wird davon ausgegangen, dass die Spiele in Rio unterm Strich rund 4,6 Milliarden US-Dollar verschlingen werden. Das ist eine Menge Geld, doch längst nicht der Spitzenwert.

London 2012

Rios Vorgänger musste dem Bericht nach 15 Milliarden für die Veranstaltung der Spiele an der Themse aufbringen. Dem offiziellen Finanzbericht zufolge machten die unmittelbaren Kosten für die Organisation und Durchführung, dabei längst nicht den größten Betrag aus. Lesen Sie dazu auch: Die Zeit: Die Rechnung, bitte!

Dagegen waren die 282 Millionen Dollar, die 1964 für die Spiele in Tokio ausgegeben wurden, geradezu mickrig.





Sotschi 2014

Die Winterspiele in Sotschi und Umgebung verschlangen 22 Milliarden Dollar. Zählt man die Aufwendungen für die Infrastruktur wie eine eigens gebaute Eisenbahnstrecke zwischen der Küstenstadt und dem Skiort Krasnaja Poljana hinzu, kommt man sogar auf 51 Milliarden.



Athen 2004


Die Spiele in Athen kosteten rund drei Milliarden Dollar. Doch das Geld war nicht die einzige Belastung, denn mehrere der Wettkampfstätten blieben nachher ungenutzt: Olympiaruinen, die keiner mehr brauchte und die zu Mahnmalen für ein teures Sportvergnügen wurden.





Montreal 1976

Schon vorher hatte es mahnende Beispiele gegeben: Montreal übernahm sich völlig und hatte noch jahrelang an den Folgen zu knabbern, nachdem das olympische Feuer in der Stadt längst erloschen war. Es dauerte 30 Jahre, ehe die Schulden beglichen waren. Der kanadische Staat hatte sich nicht an der Finanzierung der Spiele beteiligt, die Stadt Montreal verhob sich, die Kosten für den Bau der Sportstätten – die zudem nicht alle pünktlich fertiggestellt waren – explodierten. Zwischenzeitlich gab es beim Internationalen Olympischen Komitee gar die Überlegung, Montreal das Veranstaltungsrecht zu entreißen und die Spiele stattdessen nach Mexiko zu verlegen.

Der französische Architekt Roger Taillibert, der zuvor für den Umbau des Prinzenparkstadions in Paris verantwortlich gewesen war, hatte die Pläne für das olympische Dorf in Montreal entworfen, ehe ihm das Projekt entzogen wurde, beklagte sich später, er habe noch nie ein derart umfassendes Netz aus Korruption, Selbstbedienung, Misswirtschaft, Sabotage und Versagen erlebt.

Was das Übersteigen der Kostenplanung betrifft, ist Montreal in der olympischen Geschichte “einsame Spitze”. Doch auf diese Goldmedaille hätten die Kanadier gerne verzichtet.

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