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Chinesischkurs fürs Baby: Hilft Musikalität und Zweisprachigkeit beim Fremdsprachenlernen?

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Chinesischkurs fürs Baby: Hilft Musikalität und Zweisprachigkeit beim Fremdsprachenlernen?

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Fremdsprachen zu beherrschen wird immer wichtiger. Warum fällt es manchen Leuten leichter, eine Sprache zu lernen, als anderen? Kann Musikalität helfen? Und stärkt es die Intelligenz, wenn ein Kind zweisprachig aufwächst?

Musikalität ist einer der Schlüsselfaktoren

Ein Forschungsprojekt an der Universität Wien untersucht mit Amateursängern und Gesangsschülern, wie Musiker bei der Sprachfähigkeit abschneiden. Getestet wird die Fähigkeit der Probanden, neues Sprachmaterial zu wiederholen: Sprachen wie Hindi, die sie nie zuvor gehört haben.

Musiker schneiden dabei besser ab, stellten die Sprachforscher im Team von Susanne Reiterer fest, vor allem die Sänger. Denn bei diesen seien die für die Sprach-Imitation verantwortlichen Hirnareale besser ausgebildet. Reiterer hat zwanzig Faktoren ausgemacht, die das Fremdsprachen-Erlernen verbessern können, biologische Faktoren wie DNS oder Testosteron-Spiegel, soziale wie die Ausbildung, und linguistische wie die Nähe der Fremdsprache zur Muttersprache.

Nach ihren Erkenntnissen ist die Mehrheit der Menschen einigermaßen talentiert, um eine Fremdsprache zu lernen: “Das ist eine klassische Normalverteilung. Die meisten Menschen liegen irgendwo in der Mitte: 70 Prozent sind normal talentiert, 15 Prozent liegen deutlich über dem Durchschnitt, 15 Prozent haben unterdurchschnittliches Talent.”

Mehr dazu: theguardian.com

Ist zweisprachige Erziehung ein Vorteil?

Stärkt es die Intelligenz, wenn Kinder zweisprachig aufwachsen? Wir schauen bei uns selbst nach, bei euronews in Lyon, wo etliche binationale Paare arbeiten. So auch Katia und Ricardo. Sie ist Russin, er Portugiese, ihre drei Kinder wuchsen von kleinauf dreisprachig auf, mit Russisch, Portugiesisch und Französisch. Sie gehen auf eine internationale Schule, die CSI in Lyon. Sind mehrsprachige Kinder schlauer? Für Neurowissenschaftlerin Ellen Bialystok ist es keine Frage von Intelligenz, sondern Flexibilität. Dog oder Hund? Beim Reden muss sich das Gehirn regelmäßig für die richtige Sprache entscheiden.

Studien zufolge sind zweisprachige Kinder flexibler, empathischer, weniger impulsiv und lösen besser Probleme. Karen Tarcher, Lehrerin an der CSI in Lyon, hat beobachtet: “Sie sind sehr offen, neugierig und haben Lust, die Kultur und die Welt des anderen zu entdecken. In den französischen Schulen, in denen ich früher unterrichtet habe, waren die Kinder weniger offen für ihr Umfeld.”

Sicherheit in einer der beiden Muttersprachen ist nötig

Es gibt allerdings dabei auch Fallstricke, wie Tarchers Kollegin Silvia Paredes feststellte:
“Wenn die Kinder in einer ihrer Muttersprachen keine gute Grundlage haben, besteht das Risiko, dass sich das auf die zweite Sprache auswirkt. Etwa durch phonetische Verwechslungen. Dann finden wir zum Beispiel französische Wörter in ihren portugiesischen Texten. Manchmal “französisieren” sie portugiesische Wörter.”

Also brauchen auch zwei- und dreisprachige Kinder mindestens eine starke Sprache, bekräftigt CSI-Schulleiter Pascal Fino, und empfiehlt im Einzelfall eine klassische französische Schule: “Studien beweisen, dass Κinder, die von kleinauf zweisprachig aufwachsen, eine starke Sprache brauchen, auf die sie sich stützen können. Ohne diese erschwert es das Lernen. Statt sich nämlich von einer Sprache auf die zweite zu stützen, mischt man beide Sprachen. Etwas, das wir hier um jeden Preis vermeiden wollen.”

Mehr Ιnformationen dazu:
ncbi.nlm.nih.gov
heilpraxisnet.de
theguardian.com
languageinsight.com

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