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Infrarotlicht spürt versteckte Wasserzeichen auf

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Infrarotlicht spürt versteckte Wasserzeichen auf

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Eine fast 200 Jahre alte Original-Komposition von Franz Schubert, die er kurz vor seinem Tod an Typhus 1828 schuf, dient als Demonstrationsobjekt für ein neues, bahnbrechendes Verfahrens zur Datierung von Kunstwerken. Satt mit sichtbarem, wird Papier mit Infrarot-Licht, also mit Wärmestrahlung, durchleuchtet und auf diese Weise das versteckte Wasserzeichen sichtbar gemacht. Dabei handelt es sich um ein unverwechselbares Markenzeichen, anhand dessen sich das Alter von Musikblättern und Kunstwerken überprüfen lässt.

Hagen Immel, Forscher an der Staatsbibliothek zu Berlin: “Wenn ich das Blatt, die Noten, an die Wärmeplatte lege, in dem Moment ist das Wasserzeichen zu sehen. In dem Moment kann ich es aufnehmen, es wird übertragen, ich kann es aufnehmen und kann dann aus dieser kurzen Sequenz von ein paar Sekunden das Bild heraussuchen, wo das Wasserzeichen am Kontrastreichsten, die Tinte aber noch nicht zu sehen ist. Das ist eigentlich das Prinzip.”

Statt Unterschiede im Licht detektieren die Forscher Abweichungen in der Wärmestrahlung – und das mit hoher Genauigkeit. Die unterschiedlichen Wasserzeichen sollen künftig mit einer zentralen Datenbank abgeglichen werden, an deren Entwicklung Forscher im Auftrag der Staatsbibliothek zu Berlin arbeiten.

Martina Rebmann, Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin: “Die Wasserzeichen sind ganz besonders wichtig zur Erforschung von Handschriften bezüglich des Alters und auch des Schreibortes. Wir können damit erkennen, wo eine Handschrift möglicherweise geschrieben worden ist. Und auch die Datierung lässt sich viel einfacher erheben durch ein Wasserzeichen.”

Das Verfahren wurde von Forscher des Fraunhofer-Instituts gemeinsam mit Kollegen des Herzog-Anton-Ulrich-Museums und vom Institut für Nachrichtentechnik der TU Braunschweig entwickelt. Zwei Systeme sind aktuell in der Bayrischen und der Staatsbibliothek zu Berlin im Einsatz. Allerdings kostetet so eine Infrarot-Spürnase um die 80 000 Euro. Daher arbeiten Forscher derzeit an einer reduzierten und erschwinglicheren Fassung.

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