Eilmeldung

Sie lesen gerade:

Mein Tod und Ich - das Recht auf Sterbehilfe

Werbung

ALL VIEWS

Tap to find out

Alexander Velios, ein griechischer Journalist und Schriftsteller, hat Krebs. Seit einem Jahr weiß er von dem bösartigen Tumor – und lebt mit der Angst, dass ihm sein Körper irgendwann nicht mehr gehorchen wird. Er fühlt, dass er nicht mehr lange zu leben hat – weniger als 100 Tage, sagt er. “Physisch bin ich nicht mehr derselbe. Ich bin müde geworden. Und ich merke, dass es bergab geht.”

Alexander Velios hat sich für den Freitod entschieden. Weil Sterbehilfe in Griechenland aber eine Straftat ist, wird Velios in die Schweiz reisen. Die Euthanasie, also die aktive Sterbehilfe, ist dort zwar ebenfalls nicht erlaubt – aber der begleitete Freitod, solange die assistierende Person nicht aus egoistischen Gründen handelt. Dem Patienten wird die Möglichkeit gegeben, Selbstmord zu begehen, zum Beispiel mit einem tödlichen Medikament. Der Patient nimmt das Medikament ein, er bestimmt und handelt – und nicht der behandelnde Arzt. Begleiteter – also passiver Suizid ist nicht nur in der Schweiz legal, sondern auch in Deutschland,, Japan, Albanien, Kanada und in einigen US-Bundesstaaten. Aktive Sterbehilfe bekommt man bisher nur in den Niederlanden, Belgien, Irland, Kolumbien und Luxembourg. In Frankreich zum Beispiel ist es zwar erlaubt, einen unheilbar kranken Menschen sterben zu lassen, aber sein Leben aktiv zu beenden, das ist verboten.

Der Tod – das fundamentalste aller Grundrechte?

In Griechenland ist weder aktiver noch passiver Suizid erlaubt. Wer jemandem zum Tod verhilft, begeht nach griechischem Gesetz Mord. Und das will Velios ändern. Er hat das Buch “Mein Tod und ich – das Recht auf Sterbehilfe” geschrieben und will mit seiner persönlichen Geschichte ein Umdenken erreichen, nicht nur in Griechenland. “Die meisten Länder in Europa sind rechtlich und kulturell gesehen weit zurückgeblieben, was Sterbehilfe angeht”, meint er und sieht den Grund unter anderem in der christlichen Religion, die besonders großen Widerstand leistet. Er aber ist überzeugt: “Ich glaube, jeder Mensch hat das Recht auf einen würdevollen Tod. Niemand sollte im Krankenhaus an Schläuchen hängen wie ein bewusstloses Stück Fleisch, das selbst beste Freunde nicht wiedererkennen würden. “Das Recht, den eigenen Tod zu wählen, ist für ihn das fundamentalste aller Grundrechte. Der Gedanke, dass er in der Schweiz Hilfe bekommen würde, hat ihn gerettet, die Kraft für das Buch gegeben, war wie eine Therapie. “Nur die Möglichkeit der Sterbehilfe hat mich nicht verzweifeln lassen, sie ließ mich kämpfen und die Dinge etwas rationaler sehen”, sagt Velios.

Keiner seiner Freunde oder Verwandten hat versucht, ihn von seiner Entscheidung abzubringen. “Sie respektieren meinen Wunsch. Und sie unterstützen mich.” Trotzdem – leicht wird es für die Menschen, die er zurücklässt nicht. Sein Sohn ist 20 Jahre und damit alt genug, um seine Entscheidung nachzuvollziehen. Aber seine Tochter ist gerade mal sechseinhalb. “Sie wird lernen müssen, damit umzugehen mich zu verlieren. Noch versteht sie nicht.” Zurücklassen will er nicht viel. Ein paar Bücher, Videos und Artikel, Dinge, die seinen Kindern die Möglichkeit geben, sich an ihn zu erinnern – an ihren Vater, der starb, als sie selbst noch jung waren. Eigentlich würde er seine Leiche lieber verbrennen lassen. Aber schlussendlich hat er sich für ein Grab entschieden: “Ich will nur aus einem Grund begraben werden: Damit meine Tochter einen Ort hat, an dem sie ihren Vater besuchen kann.”

Es tröstet ihn, den ihm nachfolgenden Generationen etwas zu hinterlassen. Er hofft, dass sein Buch und seine Geschichte etwas bewegen werden, in Griechenland und in anderen europäischen Ländern. Damit Menschen Hoffnung schöpfen können, wenn es eigentlich keine Hoffnung mehr gibt.

ALL VIEWS

Tap to find out

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden.euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

Nächster Artikel