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Zataari in Jordanien: Mutter sein im Flüchtlingslager

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Zataari in Jordanien: Mutter sein im Flüchtlingslager

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Zataari ist das größte Flüchtlingslager in Jordanien. Es entstand in 2012 für syrische Flüchtlinge. Heute leben über 81.000 Menschen hier, und darunter sind im Schnitt immer 2000 schwangere Frauen.

Eine von ihnen ist Etemad. Sie stammt aus Deraa in Syrien, nur ein paar Dutzend Kilometer von der Grenze zu Jordanien entfernt. Die 29-Jährige ist im vierten Monat schwanger. Es sei das fünfte Mal, dass sie ein Kind bekomme, sagt sie, die letzten beiden habe sie bereits hier in Zataari bekommen. “Ich glaube, wenn ich meinen jüngsten Sohn in Syrien bekommen hätte, wäre er gestorben.”

Etemad ist eine Risikoschwangere, sie hatte bereits während früherer Schwangerschaften Komplikationen. Sie wird in der UNFPA-Klinik für Schwangere untersucht, die von der Nicht-Regierungsorganisation Jordan Health Aid Society betrieben wird. Rima Diab, der Direktor der Klinik, nennt Zahlen: “Wir haben zwischen 100 und 120 Patienten jeden Tag, 70 bis 80 davon sind Schwangere. In den ersten drei Monaten kommen sie einmal im Monat zur Untersuchung, im zweiten Trimester dann alle zwei Wochen. Von der 36. Schwangerschaftswoche an sehen wir sie wöchentlich, bis zur Geburt.”

Die Klinik wurde 2013 eröffnet. Es ist eine von mehreren UNFPA-Zentren, die zu einem Teil von der Europäischen Union finanziert werden. Vier Schwangere können hier zur gleichen Zeit entbunden werden. In den drei Jahren seit ihrem Bestehen sind in der Klinik über 5.500 Babys zur Welt gekommen. “Im Schnitt haben wir hier im Flüchtlingslager jeden Tag zehn Geburten. Bei acht läuft alles normal, zwei Mütter brauchen einen Kaiserschnitt, die bringen wir in das Krankenhaus, das Marokko hier im Lager betreibt”, sagt UNFPA-Koordinatorin Shible Sahbani.

Der Erfolg der Klinik lässt sich mit Zahlen belegen. In Zataari ist die Geburtenrate höher als in Jordanien, die Müttersterblichkeit ist gleich null.

Aber das Projekt kümmert sich nicht nur darum, die Kinder gesund auf die Welt zu bringen. Das Klinikpersonal klärt die jungen Mütter auch über Hygiene und Familienplanung auf, sodass sie sich vielleicht ein bisschen Zeit lassen mit dem nächsten Kind. Das allerdings, sagt Shible Sahbani, sei nur selten der Fall. “Nach jeder Krise, nach Katastrophen oder Krieg, steigt die Zahl der Geburten. Das ist, weil die Menschen die Verluste die erlitten haben ausgleichen wollen.”

Frauen, die vor Kriegen fliehen, haben keinen Zugang zu Gesundheitsfürsorge, und sie bringen Kinder unter lebensgefährlichen und unhygienischen Bedingungen zur Welt. Die Unterstützung der EU für die UNFPA-Kliniken ist Teil des europäischen Engagements für Flüchtlinge in Jordanien. Die EU habe die Flüchtlinge und die Länder, die sie aufnähmen, seit Beginn der Krise mit 250 Millionen Euro unterstützt, sagt Peter Biro von EU Humanitarian Aid.

Traumata, Krankheiten und geschlechtsspezifische Gewalt sind Gefahren für Frauen in Flüchtlingslagern.Zwangsverheiratungen von Kindern nehmen zu. 10 bis 15 Prozent aller Mütter in Zataari sind jünger als 18 Jahre. Neben der Klinik ist daher ein Raum für Frauen eingerichtet worden. Aktivitäten hier sind darauf ausgerichtet, die Mädchen und jungen Frauen zu schützen und sie über ihre Rechte zu unterrichten. “Manche Mädchen werden schon mit 13 oder 15 Jahren verheiratet. Wir machen Rollenspiele, wie im Theater, damit das als Problem wahrgenommen wird, und um in den Familien und der Gesellschaft ein Problembewusstsein zu wecken”, sagt Nadeen Aref Mayyas von UNFPA.

Gesundheitsfür- und vorsorge, psychologische Unterstützung und Kulturaktivitäten zielen darauf ab, Müttern wie Etemad zu helfen, um glückliche und gesunde Kinder aufzuziehen – auch als Flüchtling, auch in einem Flüchtlingslager.

Aid Zone - Jordan

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