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Nach tödlichen Schüssen auf Schwarzen: US-Behörden verteidigen Polizisten

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Nach tödlichen Schüssen auf Schwarzen: US-Behörden verteidigen Polizisten

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Nach den tödlichen Schüssen auf einen Schwarzen in der US-Stadt Milwaukee haben die Behörden den Polizisten verteidigt. Der Bürgermeister der Stadt, Tom Barrett, sagte, auf einem Foto sei deutlich zu erkennen, dass der Getötete eine Waffe in der Hand gehabt habe.

Er sei sogar schwerer bewaffnet gewesen als der Polizist, der ihn erschoss, so Barrett. Auch eine Filmaufnahme von einer Kamera am Körper des Polizisten gebe es, diese sei jetzt Teil der Ermittlungen. Der Polizeichef von Milwaukee, Edward Flynn, hatte aber bereits Hinweise darauf gegeben, dass das Video entlastendes Material für den Polizisten enthalte.

Internet-Nutzer suchen nach dem Polizisten

Gegen den – ebenfalls schwarzen – Polizisten hat offenbar eine Menschenjagd im Internet begonnen. “In den sozialen Medien wird hart daran gearbeitet, den Polizisten zu identifizieren”, so Flynn. “Einige wollen ihm also etwas antun. Wir haben Angst um seine Sicherheit, er hält sich derzeit bei Verwandten außerhalb der Stadt auf.”

Am Samstagnachmittag Ortszeit hatten die Polizisten nach Behördenangaben ein Auto gestoppt. Zwei Personen seien aus dem Wagen geflohen, einer von ihnen mit einer Waffe. Der 23-Jährige habe sich geweigert, die Waffe fallen zu lassen, daraufhin habe einer der Polizisten geschossen.

Der erneute Tod eines Schwarzen durch die US-Polizei hat schwere Ausschreitungen nach sich gezogen. Menschen warfen Steine auf Polizisten, sie zündeten Gebäude an, eine Tankstelle und Autos brannten. Der Gouverneur setzte die Nationalgarde in Alarmbereitschaft. Inzwischen hat sich die Situation nach Polizeiangaben wieder beruhigt, in Milwaukee haben die Aufräumarbeiten nach den Zerstörungen begonnen.

Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA – eine Chronologie

Juli 2016 In Falcon Heights (Minnesota) stirbt ein 32-Jähriger im Krankenhaus, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle mehrfach auf ihn geschossen hatte. Nur einen Tag zuvor hatten zwei Beamte in Baton Rouge (Louisiana) einen 37-Jährigen auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und ihn aus nächster Nähe erschossen.

Mai 2016 Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters tritt der Polizeichef zurück.

Dezember 2015 In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger gedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Juli 2015 Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

April 2015 Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

April 2015 In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

März 2015 Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

Dezember 2014 Ein vierfacher schwarzer Familienvater wird in Phoenix (Arizona) nach einer Polizeikontrolle erschossen, weil er seine Hand nicht aus der Hosentasche nehmen wollte. Darin waren Tabletten und keine Waffe. Es kommt zu einer landesweiten Protestwelle.

August 2014 Der unbewaffnete schwarze Teenager Michael Brown wird in Ferguson bei St. Louis (Missouri) von einem Polizisten erschossen. Der Vorfall löst schwere Unruhen aus. Später tritt der Polizeichef von Ferguson zurück - nach einem Bericht des Justizministeriums über weit verbreiteten Rassismus bei der Polizei. Mittlerweile ist dort ein Schwarzer Polizeichef.

dpa

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