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Londons Nachtklubs in Gefahr

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Londons Nachtklubs in Gefahr

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Droht London’s Nachtklubs das aus? Das Nachtleben in der britischen Hauptstadt gilt als eines der besten der Welt. Doch seit 2005 haben fast die Hälfte aller Klubs, Bars und Unterhaltungsunternehmen geschlossen. Die Auflagen für die Lizenzvergaben wurden von den Behörden verschärft. Mit ID Scans, Drogenhunden, früher Sperrstunde und einem Besucher-Mindestalter von 21Jahren, wollte man Drogen- und Kriminalitätsdelikten Einhalt gebieten.

Fabric Night Club

Der renommierte “Fabric Night Club” wehrte sich gegen die Auflagen vor Gericht – und gewann.
Doch der Druck auf die Unternehmen bleibt, erklärt Andy Blackett, Promotion Manager des Fabric Nightclubs:“Die Behörden, Gemeinderäte, Polizei und Zulassungsstellen haben ihr Verhalten geändert. Sie hatten mit den Treffs zusammengearbeitet. Wenn man Probleme hatte, Drogen, Gewalt oder so ein Zeug, haben sie mit einem geredet und die Dinge mit einem durchgearbeitet. Dann gab es plötzlich einen Richtungswechsel, wo sie aufgehört haben, mit einem arbeiten zu wollen und einfach damit begonnen haben, den Treff oder den Lizenznehmer zu bestrafen, so als wäre es unser Fehlverhalten und nicht das des Betroffenen.”

Dance Tunnel

Mit einer temporären Sondergenehmigung können Clubs ihre Öffnungszeiten von 3 bis 5 Uhr morgens verlängern. Doch diese wirtschaftlich wichtige Sondergenehmigung ist schwer zu bekommen. Der berühmte Dance Tunnel in Londons Stadtteil Hackney wird deshalb geschlossen. Dan Beaumont ist Mitbegründer des “Dance Tunnel” und erklärt:“Das ideale Szenario wäre eine gemeinsame Politik für ganz London, mit dem Ziel die Nachtklubs als Kulturbetriebe zu schützen. Mit ihr müssten gleichzeitig die Anwohner und auch die Menschen geschützt werden, die von den negativen Auswirkungen betroffen sind, die mit den nächtlichen Betrieben einhergehen.”

Vor- und Nachteile der Industrie

Jeder der 32 Stadtbezirke von “Greater London” kann seinen Nachtklubs eigene Vorschriften machen. Und damit Vor- und Nachteile steuern, die die Klubs mit sich bringen. Alan Miller ist Vorsitzender der Night Time Industries Association:“Man hört viel Negatives – assoziales Verhalten, Verbrechen, Lärm, Belästigungen. Wir sagen: seht den Nutzen, Geschäftszahlen, Beschäftigung, Rückkopplungen – andere Jobs, die zur Tageszeit geschaffen werden. Und den kulturellen Wert der Marke, für Gastfreundschaft und um Touristen anzuziehen.”

24 Stunden U-Bahn Betrieb

Der frühere Bürgermeister von London, Boris Johnson, hatte eine Sonderkommission eingesetzt, um diesem Wirtschaftsfaktor besser gerecht zu werden. Die Nightlife-Industrie Londons hat einen Wert von sagenhaften 58,5 Milliarden Euro. Der neue Bürgermeister Sadiq Khan, geht praktischer ans Werk:“Das Nachtleben als Wirtschaftsfaktor ist für London und mein soziales Leben sehr wichtig. In befürchte, in den letzten Jahren haben zuviele Live-Music Treffpunkte geschlossen – es wird für sie immer schwieriger. Darum freue ich mich, dass wir seit dem 19. August erstmals eine nächtliche U-Bahnverbindung haben. Und ich werde einen Nacht-Zaren einsetzen – keinen Nacht-Bürgermeister – einen Nacht-Zaren. Und es wird in Zukunft einen Plan für die kulturelle Infrastrukt geben. Genauso wie wir einen Plan für Bebauung- und Verkehrsplanung haben, brauchen wir einen Kulturplan.”

Schallschutzpflicht: die Verantwortung der Anwohner

Khan will die Musiktreffpunkte besonders schützen. Dazu gehört, dass die Verantwortung für angemessenen Schallschutz in der Umgebung von Nachtklubs in Zukunft bei den Anwohnern liegen soll, die dort neu bauen, und nicht mehr umgekehrt. Sicher ist, dass die berühmten Nacht- und Musikclubs in London erhalten werden müssen, damit ein wichtiger Teil des kreativen Lebens der Stadt nicht verloren geht.

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