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Usbekischer Präsident Karimow tot

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Usbekischer Präsident Karimow tot

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nm+Der autoritäre Präsident der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik Usbekistan, Islam Karimow (78), ist nach einem Schlaganfall gestorben. Gerüchte über den Tod des Präsidenten gab es schon seit einigen Tagen; es wird vermutet, dass die Zeit zur Regelung der offenen Nachfolgefrage genutzt wurde, bevor sein Tod offiziell bekannt gemacht wurde. Regierungschef Schawkat Mirsijajew (58) sei beauftragt worden, die Beisetzung in Karimows Heimatstadt Samarkand zu organisieren, meldete die Agentur Interfax. Beobachter sehen dies auch als möglichen Hinweis in der wichtigen Nachfolgerfrage, die offiziell ungeklärt ist. Aus Moskau soll Regierungschef Dmitri Medwedew zur Beisetzung reisen, Russlands Präsident Wladimir Putin sprach der Familie sein Beileid aus. Russland und die ehemalige Sowjetrepublik unterhielten enge Beziehungen, nachdem das usbekisch – amerikanische Verhältnis nach US Kritik an dem Umgang mit Oppositionellen deutlich abgekühlt und eine amerikanische Militärbasis durch Karimow geschlossen worden war.

Vom Politbüro der Sowjetunion zum Dauerpräsidenten

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International rief zu einem tiefgreifenden Wandel in Usbekistan auf. Unter Karimow seien Folter und willkürliche Verhaftungen Teil des Justizsystems geworden. Der Langzeit-Herrscher regierte in Taschkent seit 1989 mit harter Hand. 1990 stieg er in das höchste politische Gremium der damals noch existierenden UdSSR auf; wurde bis zum August 1991 Vollmitglied im Politbüro der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU). Nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 wurde er zum ersten und bislang einzigen Präsidenten des Landes gewählt. Zahlreiche Oppositionelle gingen danach ins Exil, etliche mussten für mehrere Jahre ins Gefängnis und mehrere verschwanden für immer. Karimovs Politik wurde in Bezug auf Menschenrechte und Pressefreiheit international heftig kritisiert. Insbesondere der frühere britische Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, hat Berichte über Morde an Regimegegnern an die Öffentlichkeit gebracht. Die Vereinten Nationen schätzten die Folter in Usbekistan als „institutionalisiert, systematisch und weit verbreitet“ ein. 2004 waren etwa 7000 politisch und religiös verfolgte Menschen in Haft. Das überwiegend muslimisch geprägte Usbekistan gilt als Rückzugsort für islamistische Extremisten.

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