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Myanmar: Schwieriger Versuch, Buddhisten und Muslime zu versöhnen

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Myanmar: Schwieriger Versuch, Buddhisten und Muslime zu versöhnen

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In Myanmar haben Hunderte Demonstranten gegen die Einrichtung einer Kommission protestiert, die sich um die Beilegung des Konflikts zwischen der buddhistischen Bevölkerungsmehrheit und der muslimischen Minderheit der Rohingya in der westmyanmarischen Rakhine-Region kümmern soll. Die Demonstranten halten die Kommission für eine Einmischung von außen, denn drei der neun Mitglieder sind Ausländer.

Aung Than Wai, ein Demonstrant der Arakan National Party: “Myanmar ist ein souveränes Land. Und als solches finden wir es unerträglich, dass diese Kommission mit Ausländern gebildet wurde.”


Drei der neun Kommissions-Mitglieder sind Ausländer. Leiter ist Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan. Er wurde bei seiner Ankunft in der Stadt Sittwe von Demonstranten ausgepfiffen. Annan traf sich mit Außenministerin Aung San Suu Kyi. Sie steht wegen der Lage der Rohingya zunehmend in der Kritik.

Annan sagte: “Um eine Zukunft aufzubauen, müssen die beiden großen Gesellschaftsgruppen Jahrzehnte des Misstrauens überwinden und Wege finden, gemeinsame Werte von Gerechtigkeit, Fairness und Ausgewogenheit anzunehmen. Die Menschen in der Rakhine-Region müssen ihren eigenen Weg vorwärts finden. Wir sind hier, um zu helfen. Wir sind hier, um Ideen und Rat zu liefern.”


Im Mai hatte Suu Kyi gesagt, die neue Regierung brauche mehr Zeit, um sich um die Rohingya zu kümmern. Menschenrechtler werfen ihr vor, nichts für die Muslime zu tun. Etwa 1 Million Rohingya leben in Myanmar, die Behörden erteilen ihnen jedoch nicht die Staatsbürgerschaft und wollen sie abschieben. Die überwältigende Mehrheit der Menschen in Myanmar lehnt die Rohingya ab.

Der Buddhismus ist mit mehr als 87 Prozent die vorherrschende Religion in Myanmar. Auf dem zweiten Platz kommt das Christentum mit etwa 5,6 Prozent der Bevölkerung. Der Islam macht weniger als 4 Prozent aus.


Am Sonntag ging derweil die erste Friedenskonferenz seit fast 70 Jahren zur Beilegung der Unabhängigkeitskämpfe zahlreicher ethnischer Gruppen in dem Land zu Ende. Die mehr als 1600 Delegierten legten wie erwartet keine Beschlüsse vor. Die Konferenz war Auftakt zu einem Friedensprozess, der im März 2017 fortgesetzt werden soll.

Die Konferenz ist eine Initiative von Außenministerin Aung San Suu Kyi. Die Friedensnobelpreisträgerin hat nach dem Wahlsieg mit ihrer Partei Nationalliga für Demokratie im April die erste zivile Regierung seit Jahrzehnten gebildet. Das südostasiatische Land zwischen Indien und China war bis 2011 eine Militärdiktatur. Anschließend waren pensionierte Generäle an der Macht.

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