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Sag niemals Nie - Survival Star Bear Grylls über Angst, Männlichkeit und 007

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Sag niemals Nie - Survival Star Bear Grylls über Angst, Männlichkeit und 007

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Bear Grylls war der jüngste Brite auf dem Mount Everest. Er wurde bekannt mit seinen waghalsigen Abenteuern und seinen manchmal gruseligen Überlebenstechniken. Sein Terminkalender lässt ihm keine Sekunde Luft, seine Fernsehshows laufen in über 200 Ländern, unzählige Bücher hat er geschrieben und er ist gefragt bei Sponsoren. Wir haben ihn bei einem Werbedreh erwischt, wo er für LandRover Fallschirm springen durfte.

euronews Er ist der Mann, den man an seiner Seite haben will, wenn man in der Wildnis verloren ist, er leitete Expeditionen von der Arktis bis zur Antarktis. Er ist überall wo Action ist – Bear Grylls. Schön dass Sie bei uns sind. Fallschirmspringen gehört zu den nicht ganz ungefährlichen Dingen, die man so tun kann. 1996 hatten Sie einen Unfall. Sie sagten danach, Sie hätten Angst davor. Stimmt das noch?

Grylls Fallschirmspringen gehört zu den schwierigeren Dingen für mich, definitv. Es wäre nicht menschlich, wenn nicht; ich hatte mir den Rücken dreifach gebrochen. Ein Jahr war ich in der Reha. Es ist nur natürlich, dass man dann Angst bekommt, wenn sich die Tür des Flugzeuges öffnet und man schaut runter… natürlich hat man ein wenig Angst.

euronews Sie sind für ungewöhnliche Abenteuer bekannt, zum Beispiel allein auf den Mount Everest – von der Fernsehcrew mal abgesehen. Gibt es ein Abenteuer, das sie gern mit jemandem zusammen erlebt hätten, und mit wem?

Grylls Der Gipfel des Everest war wirklich etwas besonders, ein besonderer Moment. Mein Vater starb kurze Zeit später, und es war ein gemeinsamer Traum von uns. Ich weiß nur noch, wie ich unter der Sauerstoffmaske weinend auf dem Gipfel stand. Da war ja auch die Diagnose nach dem Unfall, die Ärzte wussten nicht ob ich jemals wieder richtig laufen könne. Diese innere Stimme, die immer gezweifelt hatte, ob ich es schaffe, die verstummte in diesem Augenblick. Und ich wusste, wie viel es meinem Vater bedeutete. Er war so stolz, und um das zu erleben, dafür hat er gelebt. Er hat all das geliebt, er hat mir die Liebe zum Abenteuer mitgegeben.

euronews Sie haben ein Vermögen gemacht mit Ihrer Definition von Männlichkeit – und sprechen hier über heulen auf dem Everest. Wie passt das zusammen, wie definieren Sie Männlichkeit?

Grylls Mann sein heißt in erster Linie, man selbst sein, und das gilt übrigens genauso für Frauen. Es geht um Authentizität. Sei wer du bist, hab keine Angst vor deinen dunklen Seiten, deinen inneren Kämpfen, Zweifeln, aber auch den großartigen Seiten. Höhen und Tiefen eben. Tränen gehören auch zum Leben… wie war die Frage noch?

euronews Sie definieren Männlichkeit neu für die moderne Welt…

Grylls Das klingt etwas hochfliegend für mich. Ich habe einfach nur getan, was ich mag und gesagt, es ist ok, Gefühle zu zeigen. Und es ist ok, um etwas zu kämpfen, das macht stark.
Und so versuche ich zu leben. Wenn das Männlichkeit ist, dann gut.

euronews Sie waren mit Präsident Obama auf einem Gletscher in Alaska, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen – beschäftigt Sie die Umwelt?

Edward Michael Grylls genannt Bear Grylls, geboren am 7. Juni 1974 in Donaghadee in Nordirland, ist ein ehemaliger britischer SAS-Soldat, Abenteurer, Dokumentarfilmer, Pfadfinderleiter und Autor.

Grylls Ich denke, es betrifft uns alle. Wir haben nur eine Erde, und wir müssen uns um sie kümmern, müssen sie schützen. Es ist toll, dass ein US Präsident das ganz oben auf dem Zettel hat, etwas Bleibendes tun will.

euronews Hat Sie etwas an ihm überrascht?

Grylls Er ist ganz normal, jeder ist doch nur ein Mensch. Ich war etwas nervös, weil ich ihn treffen sollte, und meine Mutter sagte einfach nur, er zieht sich seine Hosen auch nicht anders an als du. Und so war es, einfach ein netter Kerl. Diese ganze Maschinerie um ihn herum, der Secret Service, die Airforce, alles… Wahnsinn. Aber als Mensch war er unglaublich, ein Familienmensch, der hart arbeitet; intelligent, vertrauensvoll und bescheiden. Ich bin seitdem ein Fan von ihm.

euronews Sie haben gesagt, Sie hätten Donald Trump gern auf ein Abenteuer mitgenommen, aber bevor er Präsidentschaftskandidat wurde. Wie würde er sich halten?

Grylls Ich habe gelernt, ein Buch nicht nach dem Titel zu beurteilen. Wie würde er abschneiden? Ich glaube, gut. Wir haben alle ein Ego, und wenn man schafft, es zu überwinden… Aber man weiß ja nie… Jedenfalls, das wäre ein echtes Abenteuer.

euronews Was ist das Lustigste, das Leute auf der Straße zu ihnen sagen?

Grylls Jeder hat eine Geschichte zu erzählen, der eine war Bergsteigen, der andere mit seinen Kindern campen. Ich mag das. Wenn ich in einer Bar bin, werde ich öfter gefragt, ob ich nicht ein Glas Urin möchte. Ich sage dann: Danke, jetzt grad nicht, aber danke für das Angebot. Hätte mir mal jemand gesagt, ich würde auf der ganzen Welt für verrückte Sachen bekannt sein, ich hätte gedacht: wirklich? Unterm Strich – es könnte alles viel schlimmer sein, ich bin super glücklich, ich darf auf Bäume klettern, in den Matsch fallen, ist doch toll.

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Sie trainieren für ihr nächstes Projekt mit dem Cirque du Soleil, worum gehts?

Grylls Wir trainieren mit den Trapezkünstlern, nicht mit der ganzen Truppe. Es ist ein riesen Projekt, rein körperlich. Wir stecken mitten in den Proben, trainieren täglich 12 Stunden auf der Bond-Bühne 007 in den Pinewood Studios, echt aufregend. Wir haben eine Mauer gebaut, machen Stunt- und Trapezübungen. Bei ihnen sieht es so einfach aus, bei den Jungs vom Cirque du Soleil, einfach und perfekt. Und du denkst dann, du kannst das auch – bis du es versuchst…

euronews Auf der Bond-Bühne sind Sie schon – sehen wir Sie vielleicht auch im nächsten Bond-Film?

Grylls Sag niemals Nie. Aber nicht demnächst, wir konzentrieren uns auf unsere nächste Show.

euronews Danke für das Gespräch!

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden.euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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