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Ganz besondere Kathedralen von Don Justo und Giuliano Mauri

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Ganz besondere Kathedralen von Don Justo und Giuliano Mauri

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Eine Kathedrale mit bloßen Händen bauen

In Mejorada del Campo nahe Madrid ragt die Silhouette einer Kathedrale gen Himmel. Das unvollendete Lebenswerk eines Mannes, Justo Gallego Martinez, kurz Don Justo, ein ehemaliger Mönch, der seit über 50 Jahren an der Kirche baut, ohne offizielle Unterstützung, ohne Baupläne oder -genehmigungen und hauptsächlich allein. Eine bisschen wie ein Don Quichotte, der gegen Windmühlen anrennt.

Justo Gallego Martinez: “Ich habe das mit meinen bloßen Händen erschaffen, nach meinen eigenen Vorstellungen. Manchmal gab es Unterstützung, aber größtenteils arbeitete ich allein. Natürlich sehr viel. Und nachts denke ich darüber nach, wie das Projekt weitergehen soll.”

Das Bauwerk, 50 Meter lang und 25 Meter breit, hat alles, was eine Kathedrale ausmacht:, Sakristei, Krypta, Kuppel und Kreuzgang.

Justo Gallego Martinez: “Alles ist handgemacht, rustikal. Es gibt keine geraden Linien, nur Kurven. Was noch komplizierter ist.”

Zu den freiwilligen Helfern, die Don Justo unter die Arme greifen gehört Angel Lopez Sanchez, vor über 20 Jahren entdeckte er das Mammutprojekt und kam nicht mehr davon los.

Angel Lopez Sanchez: “Ich habe ihn eines Tages besucht, und mir gefiel, was er tat. Ich sah ihn da oben herumwerkeln und fragte ihn, ob er Hilfe brauche. Er sagt, einverstanden. So begann ich, ihm zu helfen, schaute ab und wann vorbei, vor allem an den Wochenenden, ich hatte ja meinen Job. So geht das schon seit viele Jahren. Inzwischen verbringe ich den ganzen Tag hier.”

1961 nach der überraschenden Genesung von einer schweren Krankheit, beschloss Don Justo, die Kirche auf einem ererbten Grundstück zu errichten. Er finanziert seine Arbeit durch die Verpachtung und den Verkauf von Ackerland und durch private Spenden. Ähnlich wie sein berühmter Vorgänger Gaudi, wird der 91-Jährige die Vollendung seiner Kathedrale wohl nicht mehr erleben.

Eins mit der Natur: Eine Kathedrale aus Bäumen

Auch im italienischen Lodi entsteht eine Kathedrale der besonderen Art, eine “Cattedrale Vegetale” aus Bäumen nach einem Konzept des 2009 verstorbenen Land-Art-Architekten Giuliano Mauri. Die Enkeltochter des Künstlers, Francesca Regorda, gehört zu den Kuratoren des Projekts.

Francesca Regorda: “Die Kathedrale stellt auf die beste Weise seine Ideen, seine Poesie und künstlerische Philosophie dar. Für Giuliano Mauri bedeutete es harte Arbeit, aber auch große Freude. In der Auseinandersetzung mit Wachstum und Leben entsteht große Pracht, die Baumkathedrale ist lebendig.”

Die Überwindung der uralten Trennung von Kultur und Natur stand im Mittelpunkt von Mauris Schaffen. 2001 pflanzte er seine erste Kathedrale in Borgo Valsugana. Fünfzehn Jahre später haben Wind, Wetter, Vögel und Insekten an dem Werk gearbeitet. Was bleibt, sind die Bäume als schemenhafte Erinnerung an die Originalskulptur.

Francesca Regordai: “Seine Werke zeigen großen Respekt vor der Natur und stehen im Einklang mit ihr, sind keine Neubauten. Er sagte immer, dass er nirgendwo eingreifen, sondern einfach nur etwas bauen wollte, was ihm die Natur vorgab, etwas, das schon vorher hätte dastehen können.”

Die Baum-Kathedrale entlang des Flusses Adda, die bis Oktober fertig sein soll, gilt als Krönung von Mauris Werk.

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