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Deutschland: Flüchtling oder Dschihadist?

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Deutschland: Flüchtling oder Dschihadist?

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Deutschland hat 2015 eine Million Flüchtlinge aufgenommen; die überwiegende Mehrheit von ihnen im September. Bundeskanzlerin Angela Merkel gab damals grünes Licht für die Einreise. Das Drama der Syrer löste in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung eine Welle der Solidarität aus. “Refugees welcome” skandierten Menschen in den Straßen.

Nicht nur Bewunderung, sondern auch Kritik erntete Merkel für ihre Entscheidung. Der Chef der Schwesterpartei CSU Horst Seehofer verlangte im Januar, Grenzkontrollen einzuführen und eine Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen pro Jahr festzusetzen. Merkel blieb stur.

Die Stimmung schlug im Juli um, der Monat, in dem Deutschland innerhalb von nur einer Woche zum Schauplatz von vier Anschlägen wurde. Drei begangen von Asylsuchenden, zu zwei Taten bekannte sich ISIL.

Ein Täter kündigt seine Tat im Internet an. Es ist ein junger Afghane, er bezeichnete sich als Soldat des Kalifats. Am 18. Juli griff er in einem Zug bei Würzburg Reisende mit einer Axt und einem Messer an. Vier Passagiere und eine Passantin wurden verletzt, bevor ihn die Polizei überwältigte.

Der Täter des Sprengstoffanschlags von Ansbach ist ein Syrer, dessen Asylantrag abgelehnt wurde. Der Mann sprengte sich in die Luft, ohne dass weitere Menschen starben.
Für Deutschland war es eine schwarze Woche.

Merkels Flüchtlingspolitik wird stark kritisiert, viele Menschen wenden sich der Protestpartei AFD zu. Diese triumphiert bei zahlreichen Landtagswahlen.

Zwar forderten deutsche Behörden wiederholt, Flüchtlinge und Terroristen nicht gleichzusetzen, es wurde aber eingeräumt, dass auch mehrere Dschihadisten über die Balkanroute nach Deutschland gekommen sind.

Die schlechten Wahlergebnisse und die zunehmende Kritik prallen an Angela Merkel ab:
“Terrorismus ist kein neues Problem, das erst mit den Flüchtlingen begann. Weil aber nicht jeder Flüchtling mit guter Absicht kommt, werden wir weitere Maßnahmen ergreifen.”

In einem Jahr wählt Deutschland ein neues Parlament. Merkel wird es wohl ein weiteres Mal versuchen. Trotz Kritik verteidigte sie bisher ihre Flüchtlingspolitik. Doch rund 82% der Deutschen verlangen laut einer Spiegelumfrage Kurskorrekturen.

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