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Deutschland: Terrorverdächtige Syrer sollen im IS-Auftrag ins Land gereist sein

Die drei in Deutschland unter Terrorverdacht festgenommenen Syrer sind nach Karlsruhe zum Bundesgerichtshof geflogen worden.

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Deutschland: Terrorverdächtige Syrer sollen im IS-Auftrag ins Land gereist sein

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Die drei in Deutschland unter Terrorverdacht festgenommenen Syrer sind nach Karlsruhe zum Bundesgerichtshof geflogen worden. Einer der Männer wurde bereits verhört, die anderen beiden sollen am Mittwoch beim Gericht vorgeführt werden. Die Bundesanwaltschaft wirft den 17, 18 und 26 Jahre alten Männern vor, im Auftrag der Terrormiliz Islamischer Staat nach Deutschland gekommen zu sein. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurden die Verdächtigen am Morgen bei Razzien in Ahrensburg und Großhansdorf östlich von Hamburg sowie in Reinfeld nahe Lübeck festgenommen, wo sie in kommunalen Flüchtlingsunterkünften lebten.

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"Der IS hat den gesamten Westen im Blick."

Thomas de Maizière Innenminister Deutschlands

Laut dem deutschen Innenminister Thomas de Maizière wurden sie von denselben Schleppern nach Europa gebracht wie einige der Terroristen von Paris. Auch die gefälschten Reisedokumente der Verhafteten sollen aus derselben Werkstatt stammen wie die der Paris-Attentäter, so de Maizière.

Weiter sagte er: “Es wird jetzt weiter aufzuklären sein, ob sich noch weitere Verbindungen zu weiteren Personen und weiteren Netzwerken ergeben, das wird sich herausstellen. Aber das zeigt, dass der sogenannte Islamische Staat nicht nur Frankreich oder nur Deutschland oder Italien oder Belgien oder Großbritannien in den Blick nimmt, sondern den Westen”.

Der 17-Jährige soll sich vor einem Jahr im syrischen Al-Rakka dem IS angeschlossen haben und dort im Umgang mit Waffen und Sprengstoff ausgebildet worden sein. Mit den beiden anderen Beschuldigten reiste er vergangenes Jahr dann im Zuge des massiven Flüchtlingsandrangs mit falschen Pässen über die Türkei und Griechenland nach Deutschland ein. Die Männer wurden nach Angaben der Bundesanwaltschaft vom IS mit “höheren vierstelligen Bargeldbeträgen in amerikanischer Währung” sowie Mobiltelefonen mit vorinstalliertem Kommunikationsprogramm ausgerüstet.

Laut der Bundesanwaltschaft sollten sie in Deutschland einen bereits erteilten Auftrag ausführen oder auf weitere Instruktionen warten. Konkrete Aufträge gab es nach bisherigen Ermittlungen aber nicht. De Maizière sprach von einer möglichen “Schläfer-Zelle”. Er räumte ein, dass mit den Flüchtlingen auch “potentielle Terroristen oder Sympathisanten” nach Deutschland gekommen seien. Gleichzeitig warnte er vor einer generellen Verurteilung der Migranten.

Erfolgte und vereitelte islamistische Anschläge in Deutschland

Auch Deutschland ist bereits zum Ziel islamistischer Attentäter geworden. Manche von ihnen waren als Flüchtlinge im Land. Hier ein Überblick über tatsächliche und vereitelter Anschläge in den vergangenen Jahren.

Juli 2016: Im bayerischen Ansbach sprengt sich ein 27-Jähriger auf einem Platz vor einem Musikfestival in die Luft, 15 Menschen werden verletzt. Der syrische Flüchtling stand nach einer mehrfach verlängerten Duldung kurz vor einer Abschiebung nach Bulgarien. Er war wiederholt in psychiatrischer Behandlung gewesen. Der Islamische Staat (IS) beansprucht den Anschlag für sich.

Juli 2016: Knapp eine Woche vor der Tat in Ansbach geht ein 17-Jähriger – bewaffnet mit Axt und Messer – in einer Regionalbahn bei Würzburg auf Fahrgäste los. Fünf Menschen werden verletzt. Polizisten erschießen den Attentäter, der sich in einem Video als Kämpfer des IS bezeichnete. Er war als Flüchtling nach Deutschland gekommen und gab sich als Afghane aus.

Juni 2016: Spezialkräfte der Polizei nehmen drei mutmaßliche IS-Anhänger in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Brandenburg fest. Sie sollen einen Anschlag in der Düsseldorfer Altstadt geplant haben.

Februar 2016: Die Polizei kommt einer mutmaßlichen Terrorzelle auf die Schliche und schlägt zeitgleich in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zu. Die vier verdächtigen Algerier sollen einen Anschlag in Berlin geplant haben. Der sei jedoch im Frühstadium durchkreuzt worden, heißt es.

März 2013: Die Polizei fasst vier Verdächtige aus der Bonner Islamisten-Szene, die einen Anschlag auf den Chef der rechtsextremen Splitterpartei «Pro NRW» geplant haben sollen. Der Kopf der Gruppe soll zudem im Dezember 2012 einen Sprengsatz im Bonner Bahnhof deponiert haben. Der Prozess in Düsseldorf dauert an.

April 2011: Ermittler nehmen in Düsseldorf drei mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder fest, die einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant hatten. Im Dezember 2011 wird in Bochum ein viertes mutmaßliches Mitglied der “Düsseldorfer Zelle” gefasst. Die vier Männer werden Ende 2014 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

September 2007: Die islamistische Sauerland-Gruppe wird gefasst. 2010 werden die vier Mitglieder wegen geplanter Terroranschläge auf Diskotheken, Flughäfen und US-Einrichtungen in Deutschland zu bis zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt.

Juli 2006: Im Kölner Hauptbahnhof platzieren zwei Männer in Koffern versteckte Sprengsätze in Regionalzügen nach Hamm und Koblenz. Die Zeitzünder-Bomben explodieren jedoch nicht. Im Dezember 2008 wird der “Kofferbomber von Köln” zu lebenslanger Haft verurteilt.

(Quelle: dpa)