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Ost-Ukraine: Wiederaufbau unter Beschuss

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Ost-Ukraine: Wiederaufbau unter Beschuss

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Rund 3,7 Millionen Menschen sind vom Konflikt im Osten der Ukraine betroffen (Quelle: ECHO, Generaldirektion Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der Europäischen Kommission). Fast 9.500 Menschen wurden laut UNO getötet. Das Sozialministerium der Ukraine verzeichnete im Juni dieses Jahres 1,8 Millionen Binnenflüchtlinge.

Stanytschno-Luhanske (Stanytsia Luhanska) ist einer der Orte an der sogenannten Kontaktlinie in der Ost-Ukraine. Sie trennt mit einer Pufferzone von dreißig Kilometern die Separatisten in den selbst ernannten Republiken Luhanska und Donezk von den Truppen der ukrainischen Armee. Trotz des Waffenstillstands sind Schüsse für die Bevölkerung hier Alltag. Jeden Morgen untersuchen sie von neuem ihre Häuser auf Einschläge.

Das Haus von Taisia Kornieva wurde kürzlich mit Unterstützung der norwegischen Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council und der EU repariert. Aber: “Ich habe die Nacht im Bombenunterstand verbracht. Als ich zurückkam, war alles mit kleinen Schieferstückchen bedeckt”, erzählt sie. Und im Dach klafft ein großes Loch. Baumaterial im Wert von 400 Euro hat sie bekommen, um ihr Dach zu reparieren – im Rahmen des Hilfsprogramms des Norwegian Refugee Councils. Dessen Sprecherin
Tatiana Stepykina fasst zusammen: “Wir konnten hier 78 Familien bei der Notreparatur ihrer Häuser helfen. Insgesamt haben wir in diesem Jahr 9.200 Personen dabei geholfen, ihre Häuser zu reparieren.”

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Ganze Viertel sind völlig verlassen. Solche Geisterdörfer seien an der Kontaktlinie ziemlich verbreitet, berichtet Tatiana Stepykina. Vor Ausbruch des Konflikts hätten in der kleinen Stadt etwa 14.000 Menschen gelebt, jetzt sind es ein paar hundert. Die Jugend und Familien mit kleinen Kindern seien fast alle weg, wer bleibt, seien die Alten.

Besonderer Unterricht für die traumatisierten Kinder

Wie schützt man gerade die Kinder und Jugendlichen vor dem Trauma des Krieges? In der Nähe von Torezk treffen wir Lehrer und Sozialarbeiter bei einem Projekt, das die Europäische Union und Unicef im vergangenen Jahr starteten: Es soll den Kindern mehr psychologische Unterstützung bei der Bewältigung der schrecklichen Erlebnisse geben und ihnen Wege aufzeigen, wie sie in ihrer neuen Zuflucht klarkommen können. Lehrer, Sozialarbeiter, Schulpsychologen und andere Mitarbeiter der Gemeinde werden dafür gezielt fortgebildet, erklärt Projektkoordinatorin Olena Spirke: “Jeder Lehrer kann an dieser Fortbildung teilnehmen und die Techniken dann im Unterricht umsetzen. Das Ziel ist, dass die Kinder sich in einer entspannten Situation öffnen können, alles erzählen und vielleicht ein bestimmtes Erlebnis verarbeiten können.”

Yulia Philimonova hat ebenfalls an dem Projekt teilgenommen. Sie ist inzwischen 16 und verließ ihre Heimat Donezk vor zwei Jahren. Heute wohnt sie mit ihrer Mutter und der kleinen Schwester bei der Oma. Ihr Vater lebt und arbeitet weiter in Donezk, auf der anderen Seite der Kontaktlinie. “Diese Art von Unterricht ist besser als normale Stunden”, sagt sie. “Hier kannst du über alles reden und dir anhören, was die anderen denken, egal, worum es geht. Ich wusste, dass das alles sehr lange dauern wird. Und leider habe ich recht behalten.”

Etwas näher an der Kontaktlinie steht das Haus von Michailo – oder das, was davon übrigblieb. Er, seine Frau und seine vier Kinder schliefen und überlebten wie durch ein Wunder den Beschuss. Sie wohnen weiter dort, ohne Geld für den Wiederaufbau – und sind auf fremde Hilfe angewiesen.

Die vorrangige Zielgruppe, sagt Samuel Marie-Fanon vom EU-Katastrophenschutz. “Für uns vorrangig sind die besonders gefährdeten Gebiete: die Zonen an der Kontaktlinie und die Gebiete, die nicht von der ukrainischen Regierung kontrolliert werden. Denn sie haben keinen Zugang mehr zur Grundversorgung. Doch nur vierzig Prozent der humanitären Hilfe der EU kommen in die Gebiete, die nicht von der Regierung kontrolliert werden”, klagt er. “Die Separatisten müssen den Hilfsorganisationen uneingeschränkten Zugang gewähren, das gebietet schon der Respekt vor dem Völkerrecht.”

Nach unserem Besuch kam eine Hilfsorganisation auf Michailo zu und stellte das Material für die Dachreparatur. Dass dies seine letzte Notreparatur bleibt, kann sie nicht garantieren…

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