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Finale Mission: Rosetta setzt zur Crash-Landung auf Kometen an

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Finale Mission: Rosetta setzt zur Crash-Landung auf Kometen an

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Ende September wird die Rosetta-Raumsonde der ESA etwas tun, wofür sie nie gebaut wurde: Sie wird langsam und gezielt auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko (67P/Churyumov-Gerasimenko) landen, den sie in den vergangenen zwei Jahren umkreiste. Das Ende ihrer Mission. Das ESA-Team bereitet das dramatische Finale vor.

Die Rosetta-Mission war eine Mission voller Überraschungen. Zunächst, als die Raumsonde alle darauf warten ließ, ob sie aus ihrem langen Winterschlaf aufwacht. Dann, im November 2014, als Rosettas Lander Philae auf dem Kometen aufsetzte. Er machte zwei Hüpfer und verschwand aus dem Blickfeld. Es folgten knapp zwei Jahre wissenschaftlicher Untersuchung, während Rosetta den Kometen umkreiste und beobachtete. Und schließlich, Anfang September kurz vor Ende der Mission, die nächste Überraschung: Philae wurde wiedergefunden, in einer schattigen Spalte des Kometen.

Und nun wird also das Mutterschiff auf dem Kometen landen. Matt Taylor, der das Projekt für die ESA wissenschaftlich begleitet, frohlockt: “Die Stelle, die wir anpeilen, ist eine echte wissenschaftliche Goldgrube!”

Das Finale ist für Freitag, den 30. September geplant. Dann wird Rosetta auf gezielten Kollisionskurs mit dem Kometen gebracht. ESA-Ingenieurin Armelle Hubault erklärt anhand eines Modells des entenförmigen Kometen: “Auf dem Kopf der Ente finden wir eine Region, die wir Ma’at nennen, eine sehr interessante Region, weil sie aktiv ist. Insbesondere an der Seite des Kopfes gibt es zwei Trichter, Löcher, aus denen Gase und Staub herauskommen. Der Plan ist, mit Rosetta auf Höhe dieser Löcher zu landen.” Dank ihrer sorgsamen Wächter konnte Rosetta 12 Jahre im All überdauern. Aber das, was ihr jetzt bevorsteht, wird sie nicht überleben: “Die Struktur eines Satelliten ist immer sehr, sehr leicht und damit sehr empfindlich”, erläutert Hubault. “Gerade Rosetta war absolut nicht dafür gemacht, Schwerkraft auszuhalten. Sie ist als Satellit in der Umlaufbahn eines Kometen angelegt, ein kleines, sehr schwaches Gestell. Und deshalb wird sie im Moment des Aufpralls zerschellen, die Solarzellenausleger, die Antenne – all das wird sich auf der Oberfläche des Kometen zerschlagen. Sie wird für immer auf dem Kometen bleiben, denn es gibt kein Mittel, sie von dessen Oberfläche wegzuholen.”

Keine Energie mehr für Fortsetzung der Mission

Die Mission kommt zu ihrem Ende, weil Rosetta auf dem Kometen immer weiter von der Sonne wegfliegt und so immer weniger Energie für ihre Solarzellen bekommt. Für ihre Herrn und Meister bietet dieses Ende aber noch einmal eine einzigartige Gelegenheit, bis zum allerletzten Moment Daten und Fotos aus nächster Nähe des Kometen zu erhalten. Matt Taylor: “Das Szenario, das wir jetzt haben, ist dieses Herunterstürzen von rund 20 Kilometern über dem Kometen auf dessen Oberfläche. Das ist fantastisch. Es verschafft uns einzigartige Erkenntnisse, wie die Koma, die äußere Atmosphäre des Kometen, aussieht – bis hin zur Kometenoberfläche. Da untersuchen wir etwas, was wir noch nie zuvor untersucht haben.”

Rosetta wird Fotos mit hoher Auflösung von einigen der interessantesten Teile des Kometen zurücksenden – ein kurzer Einblick in diesen uralten Klumpen aus Stein, Staub und Eis, der aus dem frühen Sonnensystem stammt (dreidimensionales Bild des Kometen). Taylor: “Wir haben auf dem gesamten Kometen diese Bereiche – auf seiner Unterseite wie auch auf seinem Kopf – die Trichter enthalten, Dutzende oder hunderte Meter breit, mit Geröll im Innern. Wir denken, dass diese Löcher für die Aktivität des Kometen von fundamentaler Bedeutung sind. Aber auch die Seitenwände zeigen etwas von der inneren Struktur. Diese Struktur halten wir für absolut aussagekräftig darüber, wie der Komet aufgebaut ist, auf kleinem Maßstab – Meter bis einige Dutzend Meter – und wir erhoffen uns gute Bilder mit hoher Auflösung davon. Das wird unser Abschlusswerk sein: in die Seitenwände eines Trichters zu schauen, bevor wir aufschlagen.”

Die Krux sind die letzten Stunden

Damit dies alles so geschehen kann, muss Rosetta die letzten Tage auf ihrem Flug nahe am Kometen sowie den abschließenden Sinkflug heil überstehen, erläutert Rosetta-Flugdirektor Andrea Accomazzo: “Wenn sie sehr nahe am Kometen fliegt, ist das größte Risiko, dass es Probleme bei der Navigation gibt, bei der Vorhersage, wo sie sich genau am Kometen befindet. Was wir jetzt machen, ist technisch viel anspruchsvoller als die Landung von Philae.”

Im letzten Landeanflug gibt es keine Gelegenheit mehr, etwas nachzujustieren. Das Team wird dann nur noch Daten registrieren – und Daumen drücken. Missionsleiter Paolo Ferri: “Wenn wir Glück haben, behalten wir das Signal bis zum Ende. Wir wissen nicht, mit welchem Teil die Sonde aufsetzen wird. Es kann sein, dass der Solarzellenausleger zuerst auftrifft, dann wird sie in ihrer Bewegung durcheinandergebracht. Wir könnten dann das Signal verlieren. Die letzten Minuten werden schwer vorauszuberechnen sein. Ganz zum Schluss, wenn die Sonde gelandet ist, werden wir das Signal verlieren. Sie wird dafür programmiert werden, denn wir wollen kein aktives Raumfahrzeug auf dem Kometen lassen, das die Funkfrequenzen stört. Sie wird sich also ausschalten, und das ist das Ende der Mission.”

Weitere Fotos vom Kometen
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