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Hillary Clinton und Donald Trump in ihrem ersten TV-Duell: Wer hinterließ den besseren Eindruck?

Die beiden US-Präsidentschaftskandidaten standen sich das erste Mal live gegenüber. Clinton dominierte die Debatte in weiten Teilen. Trump wurde innerhalb der 90 Minuten immer fahriger. Lesen Sie di

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Hillary Clinton und Donald Trump in ihrem ersten TV-Duell: Wer hinterließ den besseren Eindruck?

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Vor rund 100 Millionen Wählern haben sich die US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump in ihrem ersten TV-Duell gegenübergestanden. Es ging um Wirtschaft, Sicherheit und Terrorismus. Trump versuchte, sich als erfolgreicher Geschäftsmann und Clinton als politisches Establishment zu präsentieren. Trotzdem gelang es seiner Kontrahentin, den Schlagabtausch dank ihrer politischen Erfahrung zu dominieren.

Meinung

Das ist ein Mann, der Frauen als Schweine, Schlampen und Hündinnen bezeichnet.

Hillary Clinton US-Präsidentschaftskandidatin

“Laut meinem Plan werde ich die Steuern für kleine und große Unternehmen von 35 auf 15 Prozent senken. Das wird die größte Arbeitsplatzbeschaffungsmaßnahme seit Ronald Reagan”, so Donald Trump.

Hillary Clinton parierte: “Dieser Plan von Donald würde die Wirtschaft erneut schwächen. Es wäre eine extreme Version: Die größte Steuersenkung für die reichsten Menschen in diesem Land, die wir je hatten. Ich nenne es “erfundenen Aufschwung” (trumped-up, trickled down), denn genau das wäre es. So bekommen wir kein Wirtschaftswachstum.”

Clinton warf Trump auch vor, seine Steuererklärungen nicht offenzulegen. Trump trieb Clinton mit der E-Mail-Affaire in die Enge.

“Warum veröffentlicht er seine Steuererklärungen nicht? Das hat wohl eine Reihe von Gründen. Erstens ist er vielleicht nicht so reich, wie er sagt und zweitens spendet er vielleicht nicht so viel, wie er vorgibt”, so Clinton.

Trump: “Ich werde meine Steuererklärungen gegen den Rat meiner Anwälte veröffentlichen, sobald Hillary Clinton die 33.000 Mails veröffentlicht, die sie gelöscht hat. Sobald sie sie veröffentlicht, ziehe ich nach.”

Clinton: “Ich habe einen Fehler gemacht, private E-Mail-Konten benutzt zu haben.”

Trump: “Das ist sicher.”

Clinton: “Ich würde es beim nächsten Mal anders machen. Aber es gibt keine Ausreden. Es war ein Fehler und ich übernehme die Verantwortung dafür.”

Trump warf seiner Kontrahentin vor, ihre Politik habe schwere Probleme verursacht wie beispielsweise der Umgang mit der IS-Miliz:

“Das ist etwas, was es nie hätte geben dürfen. Jetzt sprechen Sie davon, die IS-Miliz zu verjagen, aber Sie waren Außenministerin, als der IS noch klein war. Jetzt hat er sich in über 30 Staaten ausgebreitet. Und Sie wollen ihn stoppen? Das glaube ich nicht.”

Trump wiederholte seine Aussage, Clinton habe nicht genügend Ausdauer. Sie griff sein Verhalten an:

“Das ist ein Mann, der Frauen als Schweine, Schlampen und Hündinnen bezeichnet. Jemand, der sagt, Schwangerschaft ist ein Nachteil für Arbeitgeber, dass Frauen nicht den gleichen Lohn wie Männer verdienen, bis sie so gut sind wie sie. Und mit das Schlimmste sagte er über eine Frau in einem Schönheitswettbewerb. Er hat sie Fräulein Putzfrau genannt, weil sie eine Latina ist. Und sie wurde US-Bürgerin. Und sie können darauf wetten, dass sie diesen November wählen geht.”

Euronews-Reporter Alasdair Sandford:
“Wir sind mit unserem Washington-Korrespondenten Stefan Grobe verbunden. Die Mehrheit scheint Clinton nach der Debatte vorne zu sehen. Wie sind die Reaktionen?”

Euronews-Reporter Stefan Grobe:
“Die überwiegende Meinung unter den Kommentatoren ist, dass Donald Trump nur knapp überlebte. Es warf ihn nicht um, aber er konnte auch nicht verhindern, dass Hillary Clinton einen ihrer stärksten Auftritte im Wahlkampf hatte. Donald Trump war nicht so vorbereitet wie Hillary Clinton. Er kämpfte mit den Fakten, er verhedderte sich in politischen Aussagen und verbrachte einen Großteil des Abends damit, sich zu verteidigen. Das war nicht vorteilhaft für ihn. Hillary Clinton dagegen blieb ruhig, sehr ruhig, sehr zuversichtlich. Manchmal war sie richtig witzig und sie parierte leicht alle Angriffe Trumps. Ob Clinton die Debatte für sich entschied, darüber lässt sich streiten. Auf jeden Fall hat Trump sie verloren. Und wenn sie in Trumps Wahlkampfteam arbeiten oder ein Anhänger Trumps sind, dann hat sie dieser Tag nicht glücklich gemacht.”

Alasdair Sandford:
“Die spannende Frage ist, wie das TV-Duell auf unentschlossene Wähler wirkte. Gibt es da schon Hinweise?”

Stefan Grobe:
Es ist wirklich nur noch ein ganz kleiner Anteil der Wähler, der nach anderthalb Jahren Wahlkampf immer noch unentschlossen ist – ob Sie es glauben oder nicht. Und viele dieser Wähler unterstützen eine dritte Partei. Es gibt zwei Kandidaten dritter Parteien, die laut Umfragen bei cirka zehn Prozent liegen. Der Stärkste von ihnen ist Gary Johnson, ein früherer republikanischer Gouverneur von New Mexiko. Und seine Anhänger sind hauptsächlich Republikaner, die gegen Trump sind. Diese Leute schauten sich jetzt beide Kandidaten noch mal genau an. Und sie sahen, dass Hillary Clinton weitaus mehr wie eine Präsidentin wirkte und die weitaus souveränere und kompetentere Kandidatin ist. Ich vermute, dass viele dieser Wähler sich jetzt vielleicht hinter Clinton stellen.

Alasdair Sandford:
“Wie wichtig war die Debatte im Gesamtzusammenhang? Es ist noch ein langer Weg bis zu den Wahlen im November?”

Stefan Grobe:
“In der Regel heißt es, es ist immer die erste Debatte, die zählt. Aber nach 90 Minuten haben viele Menschen genug. Deshalb ist die zweite Debatte traditionell ein Debakel in Bezug auf die Zuschauerquote. Bei dem dritten TV-Duell gehen die Zahlen dann wieder ein bisschen hoch. Es ist schwer zu sagen, ob dieses (erste) Duell etwas entscheidet. Es hat sicherlich die Demokraten glücklich gemacht, denn wir dürfen nicht vergessen, dass es Hillary Clintons Problem ist, dass sie es bisher nicht geschafft hat – wie Barack Obama vor vier und acht Jahren – ihre demokratische Basis zu mobilisieren. Sie muss alle demokratischen Wähler, die für ihn gestimmt haben, an die Wahlurne bringen und sie dazu bringen, für sie zu stimmen. Das hat sie bisher nicht geschafft.”