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Schimon Peres: Vom Falken zum Friedensnobelpreisträger

Siebzig Jahre in der Politik: Schimon Peres hatte in dieser Zeit viele Ämter inne.

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Schimon Peres: Vom Falken zum Friedensnobelpreisträger

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Siebzig Jahre in der Politik: Schimon Peres hatte in dieser Zeit viele Ämter inne. Nur Tage vor dem Ende seiner Amtszeit als Staatspräsident im Juli 2014 rang er sich, der vielen als Mann des Friedens bekannt wurde, Unterstützung für den Krieg seines Landes gegen die Hamas im Gazastreifen ab.

“Ganz offensichtlich sind wir an keiner Art von Krieg interessiert. Wir verstehen die Bevölkerung von Gaza nicht als Feinde”, so Peres. Er habe die Bilder aus Gaza gesehen und sie seien schrecklich. “Wer kann das stoppen? Nur die Leute in Gaza selbst, die Terroristen.”

Wenige Tage zuvor, am 24. Juli wandte sich Peres mit einer letzten kurzen Rede an das israelische Parlament, die Knesset. Es war der Abschluss einer politischen Karriere, in der er allein drei Amtszeiten als Ministerpräsident hinter sich gebracht hatte.

Schimon Peres wurde 1923 in Polen geboren und kam in den 30er Jahren mit seinen Eltern in das damals britische Palästina. An der Seite von Ben Gurion engagierte er sich ab 1947 im zionistisch paramilitärischen Untergrund.

Im Jahr 1952 wird er Direktor im Verteidigungsministerium. Er war Mitglied der Regierungen von Golda Meir und leitete 1975 als Verteidigungsminister den Rückzug der Truppen von der Sinai-Halbinsel.

Zusammen mit seinem Rivalen Jitzchak Rabin zog Peres die Fäden bei den Friedensverhandlungen mit den Palästinensern, die 1993 zum ersten Abkommen von Oslo führten.

Für seine Verdienste im Friedensprozess erhielt Peres 1994 zusammen mit Jassir Arafat und Jitzchak Rabin den Friedensnobelpreis. Man glaubte damals an eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts. Doch der Frieden hatte viele Feinde. Im November 1995 wurde Rabin von einem streng-religiösen israelischen Studenten erschossen. Nach seinem Tod gerieten die Verhandlungen und der gesamte Friedensprozess ins Stocken.

Die Direktwahlen zum Ministerpräsidenten 1996 verlor Peres denkbar knapp gegen Benjamin Netanjahu. Aber obwohl Peres nie eine Wahl gewonnen hat, war er drei Mal Ministerpräsident Israels.2005 tritt Peres überraschend nach 60-jähriger Mitgliedschaft aus der Arbeiterpartei aus und unterstützt die neu gegründete Partei der Mitte Kadima, die sein politischer Gegner aber privater Freund Ariel Scharon gegründet hatte.

Nach einem Schlaganfall Scharons übernahm Ehud Olmert Anfang 2006 das Amt des Ministerpräsidenten. Schimon Peres wurde sein Stellvertreter. 2007 wurde Peres erneut, dieses Mal von der Kadima, als Präsidentschaftskandidat aufgestellt. Am 13. Juni 2007 wurde er Staatsoberhaupt Israels. Peres genoß international stets hohes Ansehen.

Im Juni 2014 kam Peres auf Einladung von Papst Franziskus mit dem Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde Mahmoud Abbas im Vatikan zum gemeinsamen Gebet zusammen. Erneut ließ Peres Hoffnung auf Frieden im Mittleren Osten aufkam. In Wahrheit aber saß zu diesem Zeitpunkt niemand mehr am Verhandlungstisch.

“Frieden kommt nicht von selbst”, sagte er damals. “Er verlangt uns Opfer und Kompromisse ab. Doch ohne Frieden fehlt ein Teil von uns. Diese Aufgabe der Menschheit haben wir noch zu erfüllen”, so Peres weiter.

Schimon Peres – die einen sahen in ihm einen streitbaren Falken für die israelische Sache, die anderen eine Friedenstaube, die Hoffnung brachte auf Verständigung im Nahen Osten.