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Jérémy Suyker fotografiert Teherans aufmüpfige Jugend

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Jérémy Suyker fotografiert Teherans aufmüpfige Jugend

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Der Fotoreporter verbrachte mehrere Monate in der iranischen Hauptstadt, um die "Aufmüpfigen von Teheran" kennenzulernen, die "Insolents de Téhéran".

Der Franzose Jérémy Suyker ist ein anerkannter Fotoreporter, der in großen Zeitschriften wie National Georgraphic, Geo oder Times veröffentlicht. Seine jüngste Teheran-Serie ist derzeit in Lyon im Rahmen des Festivals Septembre de la Photographie zu sehen. euronews-Reporter Philippe Mathieu hat die Ausstellung in der Galerie des Collectif Item besucht und sprach mit dem Fotografen über die Bilder und ihre Entstehung.

Meinung

Im Iran ist alles verboten, aber alles ist möglich.

Jérémy Suyker Fotograf

Jérémy Suyker: “Meine Arbeit besteht darin, ein anderes Bild eines Landes, einer Situation oder Problematik aufzuzeigen. Teheran, die 14-Millionen-Einwohner-Megapole, ist die Stadt, in der alles möglich ist im Iran. Viele Iraner sagen: Im Iran ist alles verboten, aber alles ist möglich.

Was ich darstellen wollte, ist das, was man auf Persisch Daruni und Biruni nennt, das Innere und Äußere, das Öffentliche und das Private. Das fällt einem als Erstes auf, wenn man den Iran näher kennenlernt. Man spürt, dass es nicht nur eine Funktionsweise oder Wirklichkeit gibt. Es existiert ein starker Kontrast zwischen dem, was man draußen machen darf, mit all den Einschränkungen, die das bedeutet, und dem, was man im Inneren wirklich ist, unter Freunden und in der Familie, bei sich zu Hause.”

Suyker verbrachte mehrere Monate in der iranischen Hauptstadt, um die “Aufmüpfigen von Teheran”, wie er sie nennt, kennenzulernen, die “Insolents de Téhéran”. So lautet der Titel der Fotoserie.

Jérémy Suyker: “Das sind junge Menschen, die sich über Verbote hinwegsetzen, die versuchen, wo es geht, die Zensur zu umschiffen, um einen Mittelweg zwischen legal und illegal zu finden. Die nicht völlig in den Untergrund abtauchen, sondern eine Verbindung zur Welt, zur Öffentlichkeit, aufrechterhalten wollen.”

Suyker traf sich mit jungen Künstlern, besuchte Privatkonzerte und Theateraufführungen, unter anderem auch eine Performance in einer Grotte.

Jérémy Suyker: “Diese Grotte ist etwa zwei Autostunden von Teheran entfernt. Anders, als man vermuten könnte, war das eine legale Aufführung. Die Theaterkompanie hatte die Erlaubnis, in freier Natur aufzutreten.
Eine der Aufnahmen hat beinah etwas von einer biblischen Christusszene mit dem Eingang der Grotte. Man muss sich vorstellen, dass all diese Leute, von den Schauspielern angelockt, bis ins Hinterste der Grotte strömten. Diese Art von Performance wird nicht groß angekündigt, man muss sich stets auf dem Laufenden halten.”

Die Teheran-Serie könnte in einen Fotoband münden, vorher will Suyker auf jeden Fall nach Teheran zurück. Warum?

Jérémy Suyker: “Man stellt fest, dass die Religion nicht allgegenwärtig ist, nicht überall, und dass die Iraner eine jahrtausendealte Kultur haben, nicht nur eine islamische. Man verliebt sich schnell in den Iran – und manchmal sogar im Iran.”