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VW arbeitet Dieselkomplex ab: "Wir werden das erste Unternehmen sein, das eine Million Elektroautos pro Jahr verkauft"

Auch wenn viele Käufer skeptisch sind: Die europäischen Autohersteller bereiten die nächste Generation der Elektroautos vor.

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VW arbeitet Dieselkomplex ab: "Wir werden das erste Unternehmen sein, das eine Million Elektroautos pro Jahr verkauft"

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Auch wenn viele Käufer skeptisch sind: Die europäischen Autohersteller bereiten die nächste Generation der Elektroautos vor. Neben Renault stellten auch Volkswagen und Daimler zum Auftakt des Autosalons in Paris (1. bis 16. Oktober 2016) neue Konzepte vor. Daimler-Chef Dieter Zetsche kündigte an, bis 2025 wolle man 15 bis 25 Prozent der verkauften Autos mit Elektromotoren ausliefern. «Entscheidend ist, dass wir uns vorbereiten auf ein Massenphänomen», so Zetsche. Eine Ansage mit Rückwärtsgang. Die Hersteller müssten aber flexibel bleiben, falls der Anstieg nicht so stark ausfalle.

Denn selbst Kaufprämien für die Strom-Autos steigern das Interesse hierzulande bislang kaum. Dabei bemüht sich die Politik um Unterstützung: Deutschland und Frankreich wollen mit einer gemeinsamen Initiative die Elektromobilität vorantreiben. Doch die hohen Preise für Elektroautos gelten als Hindernis wie auch fehlende Ladestationen und geringe Reichweite.

Man müsse Käufern die «Reichweitenangst» nehmen, sagte Daimlers Entwicklungsvorstand Thomas Weber am Rande der Messe. Der Scheu bemühen sich die Hersteller nun zu begegnen.

Volkswagens Konzept-Kompaktwagen soll 400 bis 600 Kilometer weit kommen, Daimlers E-Autos auf Geländewagenbasis stehen dem in nichts nach. Bis die Fahrzeuge beim Händler stehen, dauert es indes: 2020 heißt es bei VW, «noch in dieser Dekade» – also in drei Jahren – bei Daimler.

Der Plan sei es, ein massentaugliches Modell anzubieten, sagte Daimlers Vertriebsvorstand Ola Källenius. Die Technologie der E-Mobilität werde 2019 aber immer noch teurer sein als konventionelle Motoren. Dabei sind einige bereits angebotene Modelle längst soweit: Opels Ampera-e, der 2017 auf den Markt kommt, soll mit einer Ladung 500 Kilometer weit kommen. Auch die Fahrleistung von BMWs i3 wird verstärkt. Der bayerische Autokonzern plant außerdem weitere Modelle mit Hybrid- und Elektromotor auszustatten. Renault will bis Ende des Jahres eine Neuauflage des Modells Zoe mit 400 Kilometer Reichweite starten.

Und VW legt seinen elektrisch betriebenen Golf neu auf – wenn auch erst mit einer Reichweite von 300 Kilometern. Das für 2020 geplante Modell soll nicht nur bei der Reichweite, sondern auch beim Preis einem Diesel-Golf entsprechen, versprach VW-Markenchef Herbert Diess.

Doch nicht alle Hersteller sind von reinrassigen E-Modellen überzeugt. Der französische Hersteller PSA will sich alles offen halten: Spezifische Elektro-Designs seien nicht geplant, sagte PSA-Entwicklungschef Gilles Le Borgne. Stattdessen sollen etwa künftige Peugeot- oder Citroën-Modelle in verschiedenen Antriebsformen geliefert werden können: «Der künftige 208 oder der künftige DS 3 (…) wird Elektro, Benzin oder Diesel haben können», so Le Borgne.

Elektro-Pionier Renault sieht das gelassen: «Ich bin sehr froh, dass die gleichen Leute, die sich 2008 über uns lustig gemacht haben (…) heute sagen: Wir haben in den nächsten Jahren fünf neue Autos», sagte Renault-Chef Carlos Ghosn. Der französische Hersteller präsentierte ein Konzept für ein Elektro-Coupé.

Nur Mut: In China wurden in diesem Jahr laut einer Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach bis August rund 240 000 E-Autos und Kleinbusse verkauft – gut zweieinhalb Mal so viele wie in den USA und 17mal mehr als in Deutschland.

su mit dpa

Anne Glemarec, euronews:

Ein Jahr Abgas-Skandal bei VW – wir diskutieren die Folgen mit dem Leiter Vertrieb und Marketing bei Volkswagen, Jürgen Stackmann auf der Paris Motor Show. Vielen Dank, dass Sie bei uns sind.

Volkswagen-Kunden in den USA bekommen für Fahrzeuge mit der Betrugs-Software bis zu zehntausend Dollar. In Europa verweigert VW die gleiche Entschädigung. Warum?

Jürgen Stackmann, Leiter Vertrieb und Marketing bei Volkswagen:

“Wir beschäftigen uns mit allen unseren einzelnen Kunden auf der ganzen Welt in gleicher Weise. Wir versuchen, ihnen eine technische Lösung für das Aufrüsten ihres Autos zu geben und einen sehr guten Service, wo immer sie sind auf dem Planeten.

VW bewegt sich in einem rechtlichen Umfeld, das offensichtlich nicht überall gleich ist, so dass die Lösung für die USA tatsächlich ein wenig unterschiedlich aussieht. Die gute Nachricht für Europa ist, dass wir Klarheit erreicht haben über die technischen Lösungen für 5,6 Millionen Autos. Die Kunden werden für den Austausch von Software in die Werkstatt gerufen – die gute Nachricht ist, dass sich unsere harte Arbeit mit den Behörden hier wirklich auszahlt.”

euronews:

“Trotzdem drängt die Europäische Kommission auf eine ähnliche Lösung wie in den USA. Verhandeln Sie mit Brüssel?”

Jürgen Stackmann:

“Ich glaube, ich verstehe das Gefühl, um das es hier geht. Aber die Rückrufe werden nicht individuell geregelt, sondern Reparaturen bringen die Autos wieder auf den neusten Stand, wie angeordnet – das machen wir mit unserer Software.”

euronews:

“Im Juni hat Volkswagen-Chef Matthias Müller große Investitionen in Elektro- und selbstfahrenden Autos angekündigt. Wann kommen die ersten Modelle auf den Markt und was sind Ihre Umsatzziele?

Jürgen Stackmann:

“Im Grunde erleben wir eine faszinierende Zeit der Veränderung und des Übergangs der Marke Volkswagen. Wir haben uns als Marke sehr früh und sehr stark festgelegt, in eine vollelektrische Plattform von Autos zu investieren, die nie einen Verbrennungsmotor sehen werden – sie werden nur elektrisch sein. Sie haben eine Reichweite von 400 bis 600 Kilometern. Das entspricht tatsächlich “normalen” Autos. Wir wollen das Auto in 3,5 Jahren auf die Straße bringen, im Jahr 2020 zum Preis eines gut ausgestatteten Golf Diesel. Wir sind überzeugt, dass wir das erste Unternehmen sein werden, das eine Million Elektroautos pro Jahr verkauft, spätestens bis zum Jahr 2025.

euronews:

“Last but not least, was bedeutet das für die Zukunft der Diesel-Autos? Haben sie eine Zukunft?”

Jürgen Stackmann:

“Die Antwort darauf ist schnell gegeben. Ja, wir haben im Grunde eine parallele Entwicklung bei Diesel- und Benzinautos und wir werden auch weiterhin in saubere Diesel und saubere Benziner für die Zukunft investieren. Unsere Aufgabe ist es, diese Technologien so sauber wie nur immer möglich und zukunftssicher zu machen. Und wo die Infrastruktur es hergibt, sollten wir uns auf die Elektromobilität konzentrieren.”