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«Richtet keinen Schaden an!» - IWF warnt Politiker vor Wirtschaftsnationalismus

Der Internationale Währungsfonds (IWF) traut der globalen Konjunktur weiter keine großen Sprünge zu und warnt vor einem neuen Wirtschaftsnationalismus in den westlichen…

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«Richtet keinen Schaden an!» - IWF warnt Politiker vor Wirtschaftsnationalismus

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) traut der globalen Konjunktur weiter keine großen Sprünge zu und warnt vor einem neuen
Wirtschaftsnationalismus in den westlichen Industrieländern. Eine Abkehr von der globalisierten Wirtschaft hätte
verheerende Wirkung vor allem auf arme Länder.

Der Fonds nahm in seiner Herbstprognose für die weltweite Wirtschaft seine Vorhersage für die USA für das laufende Jahr im Vergleich zum Juli um 0,6 Prozent zurück, für das nächste Jahr um 0,3 Prozent. Die Eurozone wurde gleichzeitig um je einen Zehntelpunkt hochgestuft (2016: +1,7 von +1,6%; 2017: +1,5 von +1,4%). Das britische Wirtschaftswachstum wurde für dieses Jahr um ein Zehntel Prozent höher angesetzt, für das kommende Jahr um zwei Zehntel niedriger.
Die Weltwirtschaft insgesamt werde wie bereits im Juli prognostiziert um 3,1 Prozent wachsen, im nächsten Jahr um 3,4 Prozent.

IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld:

“Das Wachstum war jetzt viel zu lange zu niedrig und hat in vielen Ländern zu wenige Leute erreicht. Mit Folgen, die das weitere globale Wachstum drücken dürften. Der “Brexit” ist nur ein Beispiel für diese Tendenz.”

Ein weltweites handelsfeindliches Umfeld mache es
Rohstoffexporteuren und Niedriglohnländern aber unmöglich, neue
Export-Modelle zu entwickeln und schrittweise die Einkommenslücke zu
schließen.

Mit den Worten von IWF-Chefin Christine Lagarde: «Einschränkungen beim Handel und das Herunterfahren wirtschaftlicher Offenheit werden mit Sicherheit die Wachstumsaussichten in aller Welt und vor allem bei den Schwächsten senken», und an die Adresse der Regierungen in
aller Welt: «Richtet keinen Schaden an!»

Der weltweite Handel stottert. Seit 2012 wuchs der Handel mit Gütern und Dienstleistungen weltweit nur noch drei Prozent jährlich – in den drei Jahrzehnten vor der großen Finanzkrise war es doppelt so viel gewesen.

In den großen Industrieländern des Westens machen sich Tendenzen breit, die konträr zu den bisherigen Leitlinien der Globalisierung verlaufen. Großbritannien kümmert sich lieber um sich selbst, Donald Trump will keine Handelsabkommen, Hillary Clinton auch nicht. In Deutschland kämpfen Rechtspopulisten gegen alles was von draußen kommt, selbst der sozialistische Präsident Frankreichs,
François Hollande, glaubt nicht an das Heil im Internationalen und
erklärt das europäisch-amerikanische Handelsabkommen TTIP für
gescheitert.

Die Verlockung, sich als unfair empfundener Wirtschaftspolitik anderer zu erwehren, ist groß. Beispiel USA: Die größte Volkswirtschaft der Welt leidet seit Jahren massiv unter der Abwertung des chinesischen Yuan, die Exporte aus dem Reich der Mitte künstlich billig macht und damit chinesischen Produzenten einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Der Republikaner Donald Trump baut fast sein gesamtes wirtschaftspolitisches Programm auf dem Kampf gegen solche Tendenzen auf.

Sich mehr und mehr abzuschirmen oder gar mit versteckten Subventionen für die eigene Wirtschaft zu reagieren, sei nicht der beste Lösungsweg, argumentiert der IWF. «Möglicherweise kann so etwas zu Handelskriegen führen, die für beide Seiten zerstörerisch sind», schreibt IWF-Chefvolkswirt Obstfeld in seinem Blog.

«Allen Formen von Protektionismus sollte widerstanden werden», heißt
es in der IWF-Studie. Die Autoren schlagen vor, Zölle drastisch zu senken und das Doha-Abkommen konsequent weiterzuentwickeln. Nach Meinung der IWF-Experten könnten vor allem wohlhabendere Länder wie Deutschland mehr tun, um die weltweite Nachfrage anzukurbeln und damit das Wirtschaftswachstum zu stützen.

Nicht die erste Ermahnung:

su mit dpa, Reuters