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Biblische Schriftrolle "virtuell entrollt"


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Biblische Schriftrolle "virtuell entrollt"

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Wissenschaftlern ist es gelungen, eine uralte biblische Schriftrolle zu entziffern. Die sogenannte En-Gedi-Rolle wurde 1970 in den Überresten einer vor 1500 Jahren abgebrannten Synagoge entdeckt und war so stark beschädigt, dass niemand wagte, sie auseinanderzunehmen. Das haben die Forscher nun mithilfe bildgebender Verfahren nachgeholt. Ihre Entdeckung: Das Pergament enthält einen hebräischen Bibeltest aus dem 3. Buch Mose und ist damit das älteste biblische Dokument nach den berühmten Rollen vom Toten Meer.

Pnina Shor, Leiterin des Dead Sea Scrolls Project, Israelische Altertumsbehörde: “Dieser Block Holzkohle war einst eine wunderschöne beschriebene Schriftrolle. Sie verbrannte und war deswegen unlesbar. Wir haben sie gewissermaßen virtuell entrollt, wir haben in das Holzkohlestück hineingeschaut und die unterschiedlichen Schichten von einander getrennt, bis wir auf die Schicht mit der am besten erhaltenen Schrift steißen und diese auseinander rollten.”

Bereits vor einem Jahr hatte die israelische Altertumsbehörde bekannt gegeben, dass es gelungen sei, Teile der völlig verkohlten Schriftrolle zu entziffern. Im Wissenschaftsmagazin “Science Advances” beschreiben die amerikanischen und israelischen Wissenschaftler nun, wie das Verfahren funktioniert. Für manch einen Mitarbeiter grenzt es fast an ein Wunder.

Elena Libman, Laborleiterin Dead Sea Scrolls Project, Israelische Altertumsbehörde: “Als ich die Kiste mit dem verkohltem Stück sah, hätte ich nie geglaubt, dass wir je damit etwas anfangen könnten.”

In einem ersten Schritt wurde die verkohlte Schriftrolle vorsichtig mittels Mikro-Computertomografie (CT) durchleuchtet. Dieser Scan bildet die dreidimensionale Struktur der Rolle ab und ist gleichzeitig hochauflösend genug, um selbst die höhere Dichte der Tinte in beschriebenen Passagen aufzuzeichnen. Die Rohdaten der Scans wurden dann von einer eigens dafür entwickelten Spezialsoftware analysiert.

Nach der Identifizierung der einzelnen Schichten der Schriftrolle wurde der darauf geschriebene Text erkundet. Dafür suchte das Programm nach in der Tinte enthalten Metallpartikeln, die im Röntgenlicht eine höhere Dichte aufweisen, als das unbeschriebene Pergament. Dies verursacht im CT-Bild Helligkeitsunterschiede, die die Software gezielt verstärkte.

In einem letzten Schritt wurden die gewellten und verdrehten Flächen mit digitalen Methoden geglättet und die verschiedenen Segmente zu einem Ganzen zusammengefügt. Erst dadurch wurde die Schrift wirklich lesbar. Die Entzifferung erster Textteile bestätigte: Auf der Schriftrolle ist ein Teil des 3. Buchs Mose niederschrieben – einer der Texte, mit denen das Alte Testament der Bibel beginnt.

Pnina Shor, Leiterin des Dead Sea Scrolls Project, Israelische Altertumsbehörde: “Diese Technologie wird uns neue Horizonte bei der wissenschaftlichen Erforschung eröffnen. Weil wir wertvolle Funde nicht mehr auseinander rollen oder gar manipulieren müssen und dabei womöglich Schaden zufügen. Wir werden dazu in der Lage sein, in jede Art von Objekt hineinzuschauen, ohne in irgendeiner Form einzugreifen.”

Die neue Computertechnik könnte den Inhalt anderer, beschädigter Schriften bergen. Weitere Analysen des Textes auf der En-Gedi-Schriftrolle sollen folgen.

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