Eilmeldung

Eilmeldung

Friedensnobelpreis 2016: Viele Namen, kein klarer Favorit

Um einen Nobelpreis, egal in welcher Kategorie, zu erhalten, muss man nominiert werden.

Sie lesen gerade:

Friedensnobelpreis 2016: Viele Namen, kein klarer Favorit

Schriftgrösse Aa Aa

Um einen Nobelpreis, egal in welcher Kategorie, zu erhalten, muss man nominiert werden. Die Liste der Nominierten bleibt 50 Jahre lang geheim. In diesem Jahr wurden 376 Menschen für den Friedensnobelpreis nominiert. Es ist die höchste Zahl an Anwärtern, die es je gab.

Das Nobelkomitee fordert jedes Jahr Tausende Menschen auf, Nominierungen einzureichen. Allerdings hat nicht jeder das Recht, zu nominieren. Je nach Kategorie können frühere Preisträger, Professoren oder Politiker Namen von Personen einreichen, die sie für nobelpreiswürdig halten. Anders als das Nobelkomitee dürfen sie auch bekanntgeben, wen sie nominiert haben. Eine Bestätigung aus Oslo gibt es aber nicht. Die Angaben können also stimmen, müssen es aber nicht.

PRIO tippt

Seit 2009 veröffentlicht das Peace Research Institute Oslo (PRIO) eine Liste mit fünf möglichen Preisträger. Zweimal lagen sie richtig, zweimal war zwar der Name richtig, aber nicht das Jahr. Hier sind die PRIO-Tipps für dieses Jahr:

  • Swetlana Alexejewna Gannuschkina, russische Menschenrechtlerin
  • Ernest Moniz (USA) und Ali Akbar Salehi (Iran), Unterhändler des Atomdeals
  • Die Weißhelme, syrische Zivilschutzorganisation
  • Edward Snowden
*Jeanne Nacatche Banyere, Jeannette Kahindo Bindu und Dr. Denis Mukwege, Aktivisten, die in Kongo gegen sexuelle Gewalt kämpfen

Auch die folgenden Personen sollen laut PRIO, neben anderen, für den Preis nominiert sein:

  • Juan Manuel Santos, Timoleón Jiménez und Thelma Aldana, Unterhändler des Friedensprozesses in Kolumbien, auch wenn dieser noch sehr instabil ist.
  • Papst Franziskus
  • Angela Merkel, Deutschlands Kanzlerin
  • Einwohner griechischer Inseln, die Migranten helfen
  • Susan Sarandon, Schauspielerin
  • Das Frauenteam des Afghanischen Radsportverbandes
  • Donald Trump. PRIO-Direktor Kristian Harpviken sagte gegenüber der AFP, er habe Trumps Namen auf einer Kopie der Nominiertenliste gesehen.
  • Nadia Murad, Jesidin, die von IS-Angehörigen missbraucht wurde und zur “Sonderbotschafterin für die Würde der Opfer von Menschenhandel” der Vereinten Nationen ernannt wurde

Auch Hitler und Putin waren schon nominiert

Die erstaunliche Nominierung Donald Trumps steht dabei in einer Reihe mit zurückliegenden kuriosen Nominierungen. 2014 war zum Beispiel Russlands Präsident Wladimir Putin nominiert. Es war das Jahr, als er die zur Ukraine gehörende Krim annektierte und der Krieg im Donbass begann, in dem Russland die Separatisten unterstützt. Die “Internationale Akademie der geistlichen Einheit der Völker der Welt”, die ihn vorgeschlagen hatte, argumentierte, Putin habe sich für Frieden in Syrien eingesetzt.

Nicht nur Putin und Trump, auch Adolf Hitler war mal für einen Friedensnobelpreis nominiert. Der schwedische Politiker E. G. C. Brandt schlug Hitler Anfang 1939 vor, zog die Nominierung am 1. Februar dann aber wieder zurück. Alles sei nur satirisch gemeint gewesen, ließ Brandt wissen. Den Preis hätte Hitler ohnehin nicht annehmen können. Denn schon 1935 hatte er verfügt, dass Reichstdeutsche “für alle Zukunft” keinen Nobelpreis annehmen dürfen.

2014 wollte die CSU die ukrainische Politikerin “Julia Timoschenko” für den Friedenspreis vorschlagen. Timoschenko steht zwar im Verdacht, korrupt zu sein, das störte die CSU aber nicht. Erst, nachdem sie über Putin sagte, sie sei “bereit, eine Maschinenpistole zu nehmen und diesem Dreckskerl eine Kugel in den Kopf zu schießen”, zog die CSU die Nominierung zurück.

Vergangenes Jahr ließ Putin dann wissen, er finde, der ehemalige FIFA-Boss Sepp Blatter habe einen Friedensnobelpreis verdient. Während die meisten Menschen den Schweizer vor allem für korrupt halten, sagte Putin, Blatter sei “eine sehr respektable Person.”

Kontroverse Verleihungen

Auch die Verleihungen, die stattgefunden haben, wurden und werden teilweise kontrovers diskutiert. So wurden 1973 der damalige US-Außenminister Henry Kissinger und der nordvietnamesische Politiker Le Du Tho für den Waffenstillstand im Vietnamkrieg ausgezeichnet. Kissinger hatte aber zuvor als Teil der Nixon-Regierung die Luftangriffe in Indochina ausweiten und Laos sowie Kambodscha bombardieren lassen. Kissinger steht aber auch wegen anderer Aktivitäten in der Kritik. Auch Le Duc Tho ist umstritten, er lehnte den Preis ab, da in seinem Land noch kein Frieden herrsche.

Die Auszeichnung des Palästinenserführers Jassir Arafat im Jahr 1994 führte dazu, dass ein Mitglied des Nobelkomitees zurücktrat. Arafat stehe für “Terror, Gewalt und Blutvergießen”, ließ er wissen. Umstritten ist die Auszeichnung, die Arafat gemeinsam mit Israels damaligem Regierungschef Jizchak Rabin und Shimon Peres erhielt, da der frühere PLO-Chef jahrzehntelang Terroranschläge verübte, bei denen zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Später setzte er sich dann für die Aussöhnung zwischen Palästinensern und Israelis ein, wofür er den Preis erhielt.

Auch die Verleihung des Preises an den gerade frische gewählten US-Präsidenten Barack Obama sorgte für viel Verwunderung. Immerhin hatte er bis dahin wenig für den Frieden in der Welt getan und übernahm zudem als Oberkommandierender die Kriege, die sein Vorgänger George W. Bush angezettelt hatte. Der Preis war allerdings weniger für die Verdienste Obamas vergeben worden, sondern sollte, gerade nach den kriegerischen Bush-Jahren, als Auftrag zum Frieden verstanden werden.

Laut den Statuten des Nobelkomitees soll der Friedensnobelpreis an denjenigen verliehen werden, “der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt” und der “im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht” hat.