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Schlammschlacht in Washington: das vorletzte Fernsehduell der US-Präsidentschaftskandidaten

In Washington haben sich die US-Präsidentschaftskandidaten Trump und Clinton beim vorletzten Fernsehduell vor der Wahl getroffen.

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Schlammschlacht in Washington: das vorletzte Fernsehduell der US-Präsidentschaftskandidaten

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In Washington haben sich die US-Präsidentschaftskandidaten Trump und Clinton beim vorletzten Fernsehduell vor der Wahl getroffen. Größtes Thema waren die Fehler des jeweils anderen Kandidaten, konkrete politische Ideen dagegen gab es kaum.

Clinton attackierte Trump wegen sexistischer Äußerungen, die durch ein Video in den vergangenen Tagen bekanntgeworden waren. Trump entschuldigte sich kurz, sprach von einem privaten Gespräch, das an die Öffentlichkeit gelangt sei. Dann antwortete er abschweifend mit einem Vortrag über die Gräueltaten des sogenannten Islamischen Staates.

Für Trump war das Thema des Abends die E-Mail-Affäre seiner Kontrahentin. Clinton hatte in ihrer Zeit als Außenministerin geheime dienstliche Mails von ihrem privaten Mail-Zugang aus geschickt. Trump warf ihr bei der Aufarbeitung des Falls Vertuschung vor: “Wenn ich die Wahl gewinne, werde ich meinen Generalstaatsanwalt anweisen, einen Sonderermittler einzusetzen”, so Trump. “Nie zuvor hat es so viele Lügen gegeben und so viele Täuschungsversuche.”

Krankenversicherung und Syrienkrise

Eines der wenigen politischen Sachthemen, die beide Kandidaten konkreter ansprachen, war die von Präsident Obama eingeführte Krankenversicherung. Einig waren sich beide, dass das System nicht perfekt funktioniere. Aber während Trump mehr Wettbewerb zwischen Versicherungen und damit mutmaßlich weniger Regulierung forderte, um das als ineffizient und teuer kritisierte System zu reformieren, hob Clinton die Erfolge der “Obama-Care” hervor: 90 Prozent seien jetzt versichert, darunter auch die, die sonst keine Chance auf eine bezahlbare Gesundheitsversorgung hätten.

Uneinigkeit auch beim Thema Flüchtlinge. Während Trump weiterhin Skepsis gegenüber Einwanderern aus dem Nahen Osten zeigte (“Wir wissen nichts über ihre Werte und ihre Liebe zu unserem Land”), nutzte Clinton das Bild von leidenden Kindern in Syrien, um für eine offenere Einwanderungspolitik zu werben. Zur Lösung des Syrienkonfliktes will Clinton Rebellen, beispielsweise die Kurden, im Kampf gegen den IS bewaffnen. Trump dagegen warnte: Immer, wenn die USA Oppositionelle unterstützt habe, sei das in einem Schlamassel geendet. Als Beispiel führte er die Lage in Libyen nach dem Tod von Präsident Gaddafi an.

Etappensieg für Clinton

Trump habe sich vergleichsweise gut geschlagen, urteilten amerikanische Kommentatoren kurz nach der Debatte. Dennoch könnte das Duell für ihn ein Reinfall sein: Seine Antworten gingen oft am Thema der Fragen vorbei. Stattdessen betonte er die immer gleichen Punkte, was in den USA alles falsch laufe: Armut in den Städten, Bildungsnotstand und immer wieder Clintons E-Mail-Affäre. Auch, wenn Clinton ebenfalls konkrete Antworten auf die großen Fragen nach Amerikas Zukunft schuldig blieb: Trump dürfte ihr mit seiner plumpen und offensichtlichen Rede zum Etappensieg auf dem Weg zur Präsidentschaft geholfen haben. Das letzte Fernsehduell wird in der Nacht auf den 20. Oktober (mitteleuropäische Zeit) stattfinden.

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