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Großbritannien: Verlierer, pfundweise

Das britische Finanzministerium hat vor erheblichen Kosten gewarnt, sollte Großbritannien infolge des Brexit-Votums aus dem Europäischen Binnenmarkt ausscheiden.

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Großbritannien: Verlierer, pfundweise

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Das britische Finanzministerium hat vor erheblichen Kosten gewarnt, sollte Großbritannien infolge des Brexit-Votums aus dem Europäischen Binnenmarkt ausscheiden. Das geht nach Medienberichten («The Times») aus einem internen Papier hervor.

Meinung

Wenn Sie Bauteile im Ausland bestellen müssen, dann ist die Pfund-Schwäche ein extremes Problem

Demnach könnte das Bruttoinlandsprodukt des Landes innerhalb der kommenden 15 Jahre um bis zu 9,5 Prozent niedriger ausfallen – verglichen einem “Weiter so” in der EU. Ende vergangener Woche war das britische Pfund innerhalb weniger Sekunden auf ein 31-Jahres-Tief abgestürzt.

Zwar hilft eine schwache Währung den Exporteuren, aber….

Jeremy Batstone-Carr Unabhängiger Finanzanalyst, London:

“Wenn Sie in der verarbeitenden Industrie sind und müssen Bauteile im Ausland bestellen, dann ist die Pfund-Schwäche ein extremes Problem.”

Ein Grund für den Absturz: Premierministerin Theresa May hatte Anfang des Monats beim Parteitag der Konservativen in Birmingham den Eindruck erweckt, Großbritannien steuere auf einen «harten Brexit» zu. Alarmzahlen für das Kabinett stehen auch im Bericht: 73 Milliarden Euro drohende Steuerausfälle im Jahr.

Daniel Vernazza, Analyst, UniCredit, London:

“Bis die Verbraucher getroffen werden, das dauert etwas. Und es kommt auf zwei Arten: Die Preise steigen, wegen höherer Importpreise als Folge des schwächeren Pfundes und wegen verlorenen Vertrauens.”

Die Zahlen des Reports stammen aus einem Bericht, der bereits im April vom damaligen Finanzminister George Osborne in Auftrag gegeben worden war – vor der “Brexit” Abstimmung. Führende “Brexit”-Anhänger hatten den Bericht als «Panikmache» und «Strafbudget» abgetan. Dass die neue britische Regierung nun auf den Bericht zurückgreift, wird als Hinweis gewertet, wie zerstritten das Kabinett in der Frage ist, ob das Land dem europäischen Binnenmarkt den Rücken kehren sollte.

Mervyn King, ehemaliger Gouverneur der Bank von England (2003 bis 2013), nimmt das Ganze mit britischem Humor:

“Während der Referendumskampagne meinte jemand, wissen Sie, “die wirkliche Gefahr eines “Brexit” ist: Wir stehen am Ende da mit höheren Zinsen, niedrigeren Immobilienpreisen und einem niedrigen Wechselkurs.” Da dachte ich, “Träum’ weiter”. Denn genau das haben wir versucht, in den vergangenen drei Jahren zu erreichen. Jetzt ist die Chance da, es zu bekommen.”

Regierungskreise und Anleger schließen jedenfalls neue Flash Crashs nicht aus – das Pfund rutschte unter 1,23 Dollar (vor dem Flash Crash gut 1,26 Dollar, vor dem Brexit-Votum 1,50 Dollar).

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su mit dpa