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Sacharow-Preis: Wer ist 2016 im Rennen?

Der türkische Journalist Can Dündar, der langjährige Anführer der Krimtataren Mustafa Dschemilew und die jesidischen Menschenrechtsaktivistinnen Nadia Murad Basee und Lamiya Aji Bashar sind die Finali

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Sacharow-Preis: Wer ist 2016 im Rennen?

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Der türkische Journalist Can Dündar, der langjährige Anführer der Krimtataren Mustafa Dschemilew und die jesidischen Menschenrechtsaktivistinnen Nadia Murad Basee und Lamiya Aji Bashar sind die Finalisten für den Sacharow-Preis 2016.

Die Ausschüsse für Außen- und Entwicklungspolitik desEuropaparlamentes wählten die vier Kandidaten in dieser Woche aus. Der Preisträger wird vom Parlamentspräsidenten und den Fraktionsvorsitzenden am 27.10. bestimmt. Die Preisverleihung findet am 14.12. in Straßburg statt.

Mit dem Sacharow-Preis zeichnet das Europaparlament seit 1988 Menschen oder Organisationen aus, die sich für Menschenrechte und Grundfreiheiten einsetzen. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an den
saudischen Blogger Raif Badawi.

Die Finalisten für den Sacharow-Preis 2016 sind:

Can Dündar und die Hüter der geistigen Freiheit und der freien Meinungsäußerung in der Türkei

Der ehemalige Chefredakteur der türkischen Tageszeitung Cumhuriyet, Can Dündar, wurde im November 2015 festgenommen. Seine Zeitung hatte Aufnahmen einer Waffenlieferung des türkischen Nachrichtendienstes an Rebellen in Syrien veröffentlicht. Er wurde wegen des “Verrats von Staatsgeheimnissen” zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Inzwischen lebt er in Deutschland im Exil. Er sei “ein Symbol für die Verteidiger der Gedanken- und Meinungsfreiheit in der Türkei”, meint das Europaparlament.

Mustafa Dschemilew und die Sache der Krimtataren

Mustafa Dschemilew, ehemaliger Vorsitzender des Medschlis der Krimtataren, Dissident aus Sowjetzeiten und Abgeordneter im ukrainischen Parlament engagiert sich seit über einem halben Jahrhundert für Menschen- und Minderheitenrechte. Als er sechs Monate alt war, wurde er zusammen mit seiner Familie wie alle Krimtataren nach Zentralasien deportiert. Erst 45 Jahre später konnte er zurückkehren. Seit der Angliederung der Krim an Russland, wird dem Menschenrechtsaktivisten die Einreise auf die Krim verwehrt.

Nadia Murad Basee und Lamiya Aji Bashar und der Kampf gegen die sexuelle Versklavung der Jesidinnen

Die beiden Menschenrechtsaktivistinnen Nadia Murad Basee und Lamiya Aji Bashar engagieren sich für die jesidische Gemeinschaft und machen auf das Schicksal der Frauen aufmerksam, die Opfer der sexuellen Versklavung durch die Dschihadistenmiliz “Islamischer Staat” geworden sind. Beide stammen aus dem Dorf Kocho, einem der Dörfer nahe Sindschar (Irak), wo der IS im Sommer 2014 ein Massaker verübt hatte. Sie sind zwei von tausenden jesidischen Frauen und Mädchen, die vom IS verschleppt und sexuell versklavt worden sind. Sie konnten aus der Gefangenschaft entkommen. Nadia Murad Basee kämpft zudem für die Anerkennung des Völkermords an den Jesiden.

Preisträger der Vorjahre waren:

2015: Raif Badawi, Saudi-Arabien

RAIF BADAWI ist ein junger Blogger aus Saudi-Arabien, der aufgrund seines Engagements für die Gedanken- und Redefreiheit gefangen genommen und ausgepeitscht wurde.

2014: Denis Mukwege, Demokratische Republik Kongo

DENIS MUKWEGE ist ein kongolesischer Arzt, der sein Leben der Aufgabe widmet, die körperliche Unversehrtheit Zehntausender kongolesischer Frauen und Mädchen, die in den immer noch anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen in der Demokratischen Republik Kongo Opfer von Gruppenvergewaltigungen und brutaler sexueller Gewalt geworden sind, wiederherzustellen und ihnen neuen Lebensmut zu geben.

2013: Malala Yousafzai, Pakistan

MALALA YOUSAFZAI war 15 Jahre alt, als ihr im Jahr 2012 im pakistanischen Swat‑Tal von den Taliban ins Gesicht geschossen wurde. Sie wollten sie und andere Mädchen vom Besuch der Schule abhalten. Sie überlebte trotz schwerster Verletzungen und kämpfte weiter.

2013 war Malala die jüngste Person, der jemals der Sacharow‑Preis verliehen worden war.

2012: Nasrin Sotoudeh und Jafar Panahi, Iran

NASRIN SOTOUDEH ist eine iranische Menschenrechtsanwältin und war vor ihrer eigenen Inhaftierung im Jahr 2010 eine der wenigen, die Andersdenkende vertraten, die im Jahr 2009 bei Massenkundgebungen verhaftet wurden, bei denen sie gegen eine Wahl protestierten, bei der sie von Wahlbetrug ausgingen.

JAFAR PANAHI ist ein mit internationalen Preisen gekrönter Filmemacher aus dem Iran, der mit einem 20‑jährigen Berufsverbot belegt wurde.

Er ist ein entschiedener Unterstützer der Opposition im Iran und Kritiker des ehemaligen Präsidenten Ahmadinedschad.