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Swing States: Hier fällt die Entscheidung, wer Präsident wird

Von den 50 US-Bundesstaaten wird nur in einigen wenigen entschieden, wer Barack Obama ins Oval Office nachfolgt.

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Swing States: Hier fällt die Entscheidung, wer Präsident wird

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Von den 50 US-Bundesstaaten wird nur in einigen wenigen entschieden, wer Barack Obama ins Oval Office nachfolgt.

Hier ist eine Liste der so genannten “Swing States”, also der US-Staaten, die politisch nicht festgelegt sind und mal demokratisch, mal republikanisch wählen. Auf sie konzentrieren die Kandidaten ihre Anstrengungen im Wahlkampf.

Die restlichen US-Bundesstaaten gelten als “sichere Bank”, als Staaten, in denen das Wahlergebnis absehbar ist. Diese machen 418 von insgesamt 538 Sitzen im Electoral College aus.
Bleiben 120 Sitze aus nur neun US-Staaten, den Swing States, die den Ausgang womöglich entscheiden werden: Glaubt man den jüngsten Umfragen, zeichnet sich ein Sieg Hillary Clintons ab.

Der Präsident in den USA wird indirekt gewählt: Alle Wahlberechtigten bestimmen in ihrem Wahlbezirk einen oder mehrere Wahlmänner, die im Electoral College ihrerseits den Präsidenten und Vizepräsidenten bestimmen.

FLORIDA: 29 Wahlmänner

Der “Sunshine State” ist das Schlachtfeld des diesjährigen Wahlkampfes schlechthin. Der Grund ergibt sich aus einer einfachen Rechnung: Wenn Hillary Clinton alle Staaten hinter sich versammelt, die seit 1992 traditionell demokratisch wählen, und dazu Florida gewinnt, hat sie die nötige Mehrheit der Wahlmänner und wird sie vom nächsten Januar an im Oval Office sitzen.

Anders gesagt: Selbst wenn Donald Trump alle anderen Swing States bis auf Florida hinter sich versammelt, wird er die Wahl verlieren.

Bis zur ersten TV-Debatte lagen beide Kandidaten in Florida punktgleich, doch dann erreichte Clinton einen deutlichen Vorsprung. Dieser könnte ihr im November zu einem Sieg verhelfen.

Ein Viertel der Bevölkerung von Florida sind Latinos, ihr Anteil wächst. 2010 waren es noch ein Fünftel. In der Vergangenheit wählten sie eher republikanisch (katholische Prägung, kleine und mittelständische Unternehmen, familienorieniert, antikommunistisch), bis George W. Bush 2004 wiedergewählt wurde. Als jedoch die republikanische Partei verstärkt gegen Immigranten vorging, begannen die Lations, demokratisch zu wählen. Die Nominierung Trumps dürfte den Linksruck weiter verstärken.

Amtsinhaber Barack Obama hat zwei Mal in Florida gewonnen. Insgesamt liegt der Sunshine State meist auf der “richtigen” Seite: Bei neun der zehn letzten Wahlen stimmte der Swing State in der Vergangenheit für den Wahlgewinner. Mit Ausnahme von 1992, als die Wahlmänner in Florida mehrheitlich für Bush senior statt für Bill Clinton stimmten.

PENNSYLVANIA: 20 Wahlmänner

Pennsylvania trägt den Beinamen “Keystone State” (Schlussstein-Staat, nach dem zentralen keilförmigen Stein in der Mitte eines Bogens). Der US-Bundesstaat verlor seit 1960 mehr und mehr Wahlmänner, Hintergrund sind wirtschaftliche und demographische Veränderungen.

Alle vier Jahre ertönt das ewige republikanische Lied über einen möglichen Wahlsieg in Pennsylvania, bis sich die ungeschönte Wahrheit zeigt: Pennsylvania wählt seit 1992 bei jeder Präsidentschaftswahl demokratisch. Dieses Jahr sieht es wohl nicht anders aus: Seit Mitte Juli liegt Hillary Clinton in jeder Umfrage vorn.

Beide Kandidaten haben in Pennsylvania Wahlkampf betrieben; Trump vor allem, weil er sich mit seiner wirtschaftsorientierten Botschaft im einerseits ländlich und andererseits industriell geprägten Pennsylvania große Chancen ausrechnet. Dort kann der republikanische Kandidat aber nur siegen, wenn er vor allem weiße, männliche Wähler mobilisiert.

Doch die Anzahl der weißen Wählerschaft nimmt stetig ab, in Pennsylvania wie auch landesweit. Die Demokraten haben die großstädtischen Gebiete um Philadelphia und Pittsburgh fest in ihrer Hand.

OHIO: 18 Wahlmänner

Der US-Bundesstaat wird wegen seiner Vegetation auch “Ohio-Rosskastanie” genannt. Er gilt seit langem als ultimativer “Swing State”.

Seit 1944 hat Ohio nur ein Mal daneben gelegen und für den unterlegenen Präsidentschaftskandidaten gestimmt – 1960 beim Duell Richard Nixon gegen John F. Kennedy.
Deswegen heißt es landläufig “wenn du Ohio in der Tasche hast, wirst du Präsident”. Das könnte dieses Jahr anders sein. Trump lag Umfragen zufolge bis Anfang Oktober in Führung und könnte dort auch im November gewinnen. Allerdings mag das nicht ausreichen, um ihn ins Weiße Haus zu katapultieren, denn die Umfragen anderswo zeichnen ein für ihn ungünstiges Bild.

Der industrielle Mittlere Westen ist schwer angeschlagen angesichts der Globalisierung im Allgemeinen sowie der Finanz- und Wirtschaftskrise im Besonderen. Viele Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe wanderten in andere Landesteile oder gar ins Ausland ab. Das hatte eine Bevölkerungsabwanderung zur Folge, Ohio hat seit 1960 bis zu einem Drittel seiner Wahlmänner verloren.

Zwar meint das Trump-Lager, ein Sieg in Ohio könnte das Fundament für einen Gesamtsieg bilden, da der Bundesstaat das exakte Profil der Trump-Wählerschaft spiegelt: mehrheitlich weiß, größtenteils ohne Universitätsabschluss, mehr Arbeiterfamilien als im Landesdurchschnitt. Die Vorwahlen zeigten bereits, wie unbeständig diese Wahl ist angesichts Trumps Erfolg bei desillusionierten weißen Wählern in den südlichen Landesteilen, so genannten Rednecks.

Zwei Hindernisse stehen Trump noch im Weg: Erstens steht er mit einem Großteil der republikanischen Partei auf Kriegsfuß. So wie mit Ohios beliebtem Gouverneur John Kasich, der Trump seit langem die Gefolgschaft verweigert und es sogar ablehnte, im Juli den Nominierungsparteitag der Repulikaner zu besuchen.

Zweitens gelingt es Clinton besser, die Basis zu mobiliseren. Sie konzentrierte sich auf Ohios städtische Gebiete, in denen viele Wähler ansässig sind – man nennt sich auch die drei Cs: Cleveland, Columbus und Cincinatti. Will Clinton Ohio gewinnen, müssen viele Minderheiten und Frauen abstimmen, um Trumps Popularität bei weißen Männern zu übertrumpfen.

NORTH CAROLINA – 15 Wahlmänner

Wie viele andere Südstaaten wählt North Carolina seit 1968 fast ausschließlich die republikanische Partei. Hintergrund ist das Unbehagen vieler konservativer weißer Wähler angesichts einer Stärkung der Bürgerrechte, die Mitte der 60er Jahre begann. Ein Trend, den die Republikaner parteipolitisch zu nutzen wussten.

Einzige Ausnahme in North Carolina waren Jimmy Carters Sieg in 1976 und Barack Obamas Sieg in 2008. Im selben Jahr besiegte Obama John McCain nur knapp mit einem Vorsprung von 14.000 von insgesamt 4,3 Millionen Wählern (49,7 % zu 49,4 ). Nur in Missouri fiel das Abstimmungsergebnis von 2008 noch knapper aus. 2012 hatte North Carolina erneut das zweitknappste Ergebnis hinter Florida, als der US-Bundesstaat mehrheitlich republikanisch wählte: Mitt Romney schlug Obama mit etwa 2 Vorsprung.

In diesem Jahr ist North Carolina ein echter “Swing State”. Trump und Clinton lagen Umfragen zufolge von Beginn des Wahlkampres an gleichauf. Nur Anfang Oktober ging Clinton knapp in Führung. Diesen Trend bestätigt auch die Auszählung von vorzeitigen Stimmabgaben. Etwa 40% der abgegebenen Stimmen gingen an die demokratische Partei im Vergleich zu 35% für die republikanische Partei. Zu diesem Zeitpunkt führte 2012 Mitt Romney gegen Obama bereits um fünf Punkte.

North Carolina machte im vergangenen Jahrzehnt eine tiefgreifende soziale und wirtschaftliche Wandlung durch und wurde zu einem der wichtigsten Produktionsstätten der USA (an 4. Stelle landesweit). Dadurch wurde der US-Bundesstaat facettenreicher, viele gut ausgebildete Beamte
zogen dorthin, es gibt außerdem einen schnell wachsenden Latino-Bevölkerungsanteil.

VIRGINIA – 13 Wahlmänner

Virginia ist einer der 13 Gründerstaaten und Geburtsort von vier der ersten fünf US-Präsidenten. Zwischen 1952 und 2004 wählte es mehrheitlich republikanisch.

2008 gab es eine politische Wende, was auch an demographischen Veränderungen lag. Damals stimmte Virginia mehrheitlich (53%) für Obama statt für dessen Kontrahenten John McCain (46%). Vier Jahre später holte Obama wieder auf und besiegte Romney knapp (51 zu 47%). Darüber hinaus stimmte das Wahlergebnis in Virginia fast genau mit dem landesweiten Ergebnis überein.

Neben dem zweifachen Sieg Obamas sind darüber hinaus der Gouverneur von Virginia sowie seine US-Senatoren Demokraten. Clinton lag während des gesamten Wahlkampfes in Umfragen souverän in Führung. So souverän, dass sie sogar die Ausgaben für den Wahlkamf dort im Sommer reduzierte. Dass sie Tim Kaine, Senator von Virginia, als Vizepräsident bestimmte, vergrößerte ihre Popularität in Virginia. Der US-Bundesstaat scheint für Trump in unerreichbarer Weite, deshalb konzerntrierte er seinen Wahlkampf auf andere “Swing States”.

Die politische Landschaft von Virginia hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Das verlässliche republikanische “Old Virginia” ist eher religiös, ländlich sowie weiß geprägt. Die Arbeiterklase ist vorherrschend. Es wurde überholt von einem “New Virginia”: weltlich, städtisch und heterogen. Die Gebiete um Richmond und die Landkreise von North Virginia gehören dazu. Indem die Vororte von Washington DC expandierten, vergrößerte sich dort auch der Anteil der gebildeten Menschen. Im Speckgürteil der Hauptstadt leben Tausende Verwaltungsangestellte sowie Mitarbeiter von Verteidigungs- und High Tech-Firmen.

Weniger Gewicht hat der Wahlausgang in den “Swing States” Colorado, Iowa, Nevada und New Hampshire.