Eilmeldung

Sie lesen gerade:

Humanitäre Krise droht: Hunderttausende Rückkehrer müssen nach Afghanistan zurück


Aid Zone

Humanitäre Krise droht: Hunderttausende Rückkehrer müssen nach Afghanistan zurück

Die Katastrohenschutzbehörde der EU-Kommission rechnet damit, dass bis Ende des Jahres mehr als eine halbe Million Afghanen aus Pakistan in ihre Heimat zurückgekehrt sein werden. Denn die pakistanische Regierung hat ein Ultimatum für nicht registrierte Flüchtlinge gestellt: Sie müssen bis zum 15. November das Land verlassen. Und in Afghanistan selbst wurden zwischen Januar und September dieses Jahres fast 300.000 Menschen durch Kämpfe zu Binnenflüchtlingen. Eine humanitäre Katastrophe droht.

In der afghanischen Provinz Nangarhar, am wichtigsten Grenzübergang für die Rückkehrer aus Pakistan, ist die Straße nach Dschalalabad voll mit Fahrzeugen aller Art, die Flüchtlinge zurückbringen. Pakistan will viele der über zweieinhalb Millionen Afghanen, die dorthin geflohen sind, bald loswerden.

Rund 300 Familien melden sich täglich bei der Zahlstelle des UN-Flüchtlingshilfswerks nahe Dschalalabad. Darunter Mohamad Qadur, der mit acht Jahren nach Pakistan floh, nach der sowjetischen Invasion: “Wir gingen nach Pakistan, weil hier Krieg war, unser Haus war zerstört, einige unserer Verwandten waren getötet worden. Deshalb flohen wir nach Pakistan und lebten dort 38 Jahre. Wir konnten uns dort kein Haus kaufen, das war zu teuer sowohl in den Städten als auch in den Dörfern. Wir konnten nicht nach Afghanistan zurück, und jetzt werden wir dazu gezwungen. Also kehren wir zurück.”

Aid Zone 6 Afghnistan

Afghanen mit den entsprechenden Dokumenten bekommen vom UN-Flüchtlingshilfswerk eine Rückkehrhilfe von 400 Dollar pro Kopf. Nicht registrierte Flüchtlingsfamilien bekommen nur ein Hilfspaket für einen Monat an der Grenze. Abdul Wali vom UN-Flüchtlingshilfswerk erläutert, wie dieses die Menschen auf verschiedene Weise unterstützt: “Mit Waren, Bargeld, anderen Hilfen, die mit der Wiedereingliederung zusammenhängen, wie zum Beispiel ein Training zum Leben mit Minen, mit Impfprogrammen, gesundheitlicher Versorgung. Außerdem bieten wir den Familien juristische Unterstützung, und jeder Familie, deren Land von anderen beansprucht wird, helfen wir in solchen Fällen weiter.”

Der Ansturm von Rückkehrern, die sich meistens in den Städten und angrenzenden Gegenden ansiedeln, lässt eine humanitäre Katastrophe befürchten. Vor allem, wenn vor den Wintermonaten nichts getan wird. Ein Rückkehrerstrom wie nie zuvor, erklärt Pierre Prakash von der EU-Katastrophenhilfe: “Wir haben täglich mehr Rückkehrer, als wir insgesamt in den ersten sechs Monaten des Jahres hatten, das geht seit Juli. Bislang kehrten 145.000 Flüchtlinge zurück, und dies sind nur offiziell registrierte Flüchtlinge, denen der Flüchtlingsstatus in Pakistan anerkannt wurde. Aber wir haben auch über eineinhalb Millionen Afghanen in Pakistan, die nicht diesen Status haben und die auch zurückkehren.”

Problematisch ist die Lage nicht nur für die Rückkehrer, sondern auch für Binnenflüchtlinge in Afghanistan. Allein von Januar bis September wurden mehr als 270.000 neue Binnenflüchtlinge registriert. Und Afghanistan hatte durch seine jahrzehntelangen Konflikte schon weit mehr als eine Million Binnenflüchtlinge. Einer von ihnen ist Alam Gul. Er und seine Familie erhielten umgerechnet 200 Euro von der Hilfsorganisation Danish Refugee Council. Mit dem Geld kauften sie Lebensmittel und bezahlten Arztrechnungen. Zahra Stanikzai vom Danish Refugee Council prüft nach, was die Empfänger mit den Hilfsgeldern machen: “Die Überprüfung ist wichtig, um zu wissen, ob das Bargeld, das ausgezahlt wurde, reichte oder nicht. Wir fragen sie, ob sie Schwierigkeiten hatten, während sie unterstützt wurden, wir fragen sie, ob sie jegliche Art von Problemen haben.”

Es hapert bei der Unterbringung und bei der Landzuteilung. Und das Geld reicht noch nicht, um alle unregistrierten Flüchtlinge adäquat dabei zu unterstützen, sich ein neues Leben in der alten Heimat aufzubauen. Von der Sicherheit einmal ganz abgesehen.

Mehr dazu bei:
Generaldirektion Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der Europäischen Kommission
www.bbc.com
www.dunyanews.tv

Unterstützt von der Europäischen Kommission

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

Automatische Übersetzung

Automatische Übersetzung

Automatische Übersetzung

Aid Zone

Ost-Ukraine: Wiederaufbau unter Beschuss