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Migranten in Griechenland - geldwerte Touristen der anderen Art


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Migranten in Griechenland - geldwerte Touristen der anderen Art

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Von Symela Touchtidou

Griechenland hat rund 11 Millionen Einwohner – darunter 60.000, über die besonders diskutiert wird – Migranten. Sie machen sich inzwischen als Wirtschaftsfaktor bemerkbar. In Zahlen: Rund eine Milliarde Euro sind von EU* und Nichtregierungsorganisationen (NGOs)** zugesagt, etwa die Hälfte ist angekommen – und wird ausgegeben.

Tassos Anastasatos, stellvertretender Chefökonom der Eurobank in Athen:

“In den kommenden Jahren werden die damit verbundenen bedeutenden EU-Mittel – vermutlich mehr als 1 Milliarde Euro -positiv wirken. Sie schaffen in bedeutendem Ausmaß Nachfrage für Waren und Dienstleistungen und die damit verbundene wirtschaftliche Aktivität.”

Das könne den Unterschied zwischen Miniwachstum und Rezession ausmachen, so euronews-Korrespondentin
Symela Touchtidou:

“Nach Schätzungen der Nationalbank von Griechenland haben unter anderem die EU-Mittel für die Flüchtlingskrise das griechische Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 0,3 Prozent gesteigert. In einem Jahr voller Herausforderungen und für eine Wirtschaft, die mühsam wieder auf die Beine kommt, ist das eine wichtige Hilfe.”

Im Sommer war der Tourismus vor allem auf den Inseln in der Nähe der türkischen Küste unter Druck geraten – die Errichtung von Hotspots, Camps und Küchen, Vermietung von Wohnungen für Gastfamilien, Bildungsprogramme schaffen nun einen gewissen Ausgleich. Dazu kommt: Das Personal der internationalen NGOs lebt und arbeitet auch in Griechenland.

Panos Karvounis, Chef des griechischen Büros der EU-Kommission in Athen:

“Das könnte noch besser werden, wenn wir – woran wir arbeiten – Geld in Form von Gutscheinen direkt an Flüchtlinge ausgeben, die es dann auf lokalen Märkten verbrauchen, für Lebensmittel, Kleidung und persönliche Gegenstände.”

Der positive Wachstumseffekt der Migranten, da sind die Analysten der griechischen Nationalbank sicher, mache die Einbußen bei den konventionellen Erholungs-Touristen wett. Angesichts der schwierigen Arbeitsmarkt- und Finanzierungsbedingungen wären aber ehrgeizige Integrationsprogramme eine weit größere Herausforderung für die angeschlagene griechische Wirtschaft.

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*509 Millionen Euro über den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der Europäischen Union (AMIF), der bis 2020 läuft und 352 Millionen Euro durch Soforthilfe

  • 200 Millionen Euro humanitäre Hilfe, die das Land indirekt überwiegend über NGOs erreicht haben

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